„Hakushaku to Yosei“ ist ursprünglich eine Light-Novel-Reihe von Mizue Tani, die im Deutschen als Manga unter dem Titel „Earl & Fairy“ erscheint. Die Manga-Adaption stammt von Ayuko. Daneben gibt es auch eine Anime-Serie sowie Hörspielumsetzungen. Seit Herbst 2012 ist der Manga auch auf Deutsch erhältlich. Wir haben uns den ersten der insgesamt vier Bände genauer angesehen.
Die Handlung führt ins viktorianische England des 19. Jahrhunderts. Feen, Kobolde und andere mystische Wesen sind für die meisten Menschen längst nicht mehr sichtbar. Mehr noch: Viele haben sogar den Glauben an sie verloren. Die 17-jährige Lydia Carlton bildet hier eine Ausnahme. Sie kann Feen nicht nur sehen, sondern auch mit ihnen sprechen. Als sogenannte Feen-Doktorin besitzt sie eine seltene Gabe und genau diese macht sie für gefährliche Menschen interessant.
Lydias Mutter ist früh verstorben, ihr Vater arbeitet als Naturwissenschaftler in London. Zu Ostern macht sie sich auf den Weg zu ihm, doch kaum befindet sie sich auf dem Schiff, gerät sie in Schwierigkeiten. Eine Entführung scheint bereits geplant, und im letzten Moment wird Lydia von einem mysteriösen jungen Mann gerettet. Dieser stellt sich als Edgar J. C. Ashenbert vor, Nachfahre des legendären Blauen Ritters. Um sein Erbe anzutreten, benötigt er Lydias Hilfe. Gemeinsam sollen sie das Schwert der Merrow finden, mit dem Edgar seinen Anspruch beweisen will.
Lydia ist eine optimistische junge Frau mit strahlend grünen Augen, langen wilden Haaren und einem sehr klaren Sinn für Gerechtigkeit. Ihr offener Blick unterstreicht ihre Ehrlichkeit und Unschuld, ohne dass sie dabei naiv wirkt. Ihr ständiger Begleiter ist Nico, eine flauschige Katze, mit der Lydia sprechen kann. Dank ihrer Fähigkeiten als Feen-Doktorin versteht nur sie seine Kommentare. Nico sorgt immer wieder für amüsante Momente, bringt Lydia aber auch regelmäßig dazu, die Dinge realistischer zu sehen.
Neben Edgar treten auch seine beiden Begleiter Raven und Ermine auf. Beide wirken geheimnisvoll, düster und Edgar gegenüber bedingungslos loyal. Sie folgen ihm, beschützen ihn und scheinen mehr über seine Vergangenheit zu wissen, als sie zunächst preisgeben. Gegen Ende des ersten Bandes erzählt Edgar Lydia, unter welchen Umständen er die beiden getroffen hat. Diese Rückblende ist deutlich härter, als man es zunächst erwarten würde, und zeigt klar: „Earl & Fairy“ ist nicht nur eine süße, romantische Fantasy-Geschichte mit Märchenflair. Hinter der eleganten Oberfläche verbergen sich auch Gewalt, Schmerz und dunkle Geheimnisse.
Edgar selbst wirkt zunächst wie der perfekte adelige Gentleman: groß, gutaussehend, charmant, stilvoll und stets kontrolliert. Doch gerade diese glatte Fassade macht ihn interessant. Man spürt früh, dass er mehr verbirgt, als er Lydia gegenüber zugibt. Dadurch entsteht eine angenehme Spannung zwischen romantischer Anziehung, Misstrauen und Abenteuer.
Die Handlung wechselt geschickt zwischen ruhigen, fast romantischen Momenten, humorvollen Szenen, Kämpfen und deutlich ernsteren Ereignissen. Feen, Legenden und Begriffe wie der Blaue Ritter oder die Merrow werden verständlich erklärt, ohne den Lesefluss zu stören. Kurze Einschübe und Erklärungen helfen dabei, die Welt des Mangas besser zu verstehen, ohne dass man sich als Leser verloren fühlt.
Besonders überzeugend ist der Zeichenstil. Ayuko fängt die Atmosphäre des viktorianischen Englands mit viel Liebe zum Detail ein. Kleidung, Gebäude, Innenräume und Landschaften sind sorgfältig gestaltet und verleihen dem Manga eine elegante, märchenhafte Stimmung. Auch die Figuren wirken ausdrucksstark und passen hervorragend zur Mischung aus Romantik, Fantasy und Mystery. An der Qualität des Drucks und der Verarbeitung gibt es ebenfalls nichts auszusetzen.
Fazit
Die schönen Zeichnungen, das viktorianische Setting und die märchenhafte Grundstimmung machen den Manga besonders reizvoll. Da viele Fragen offenbleiben, fühlt sich Band 1 klar wie ein Auftakt an. Wer romantische Fantasy mit dunkleren Untertönen mag, sollte hier einen Blick riskieren.












