YouGame Logo

Comic-Rezension: Asterix - der listige Gallier, Band 36: Der Papyrus des Cäsar

· ca. 4 Min. Lesezeit · Egmont Ehapa Verlag · Andreas Zommer
Comic-Bild: Asterix - der listige Gallier, Band 36: Der Papyrus des Cäsar

Während man in der Vergangenheit oft mehrere Jahre auf ein neues Asterix-Abenteuer warten musste, sind diesmal nur zwei Jahre vergangen. Mit Der Papyrus des Cäsar liegt der zweite Band vor, der vollständig von Autor Jean-Yves Ferri und Zeichner Didier Conrad verantwortet wurde. Nach Asterix bei den Pikten war die Frage groß, ob das neue Team die Reihe weiter stabilisieren kann. Der Band versucht sich diesmal an einer satirischen Geschichte über Medien, Zensur, Informationskontrolle und Geschichtsschreibung. Ob das funktioniert, haben wir uns genauer angesehen.

Die neue Geschichte rund um das kleine gallische Dorf setzt bei einer spannenden Idee an. Sie will erklären, warum in den römischen Geschichtsbüchern nichts über die tapferen Gallier aus Armorica zu finden ist. Julius Cäsar schreibt in Rom nämlich gerade seine berühmten Memoiren über den Gallischen Krieg. Sein Berater Syndicus rät ihm jedoch, die Niederlagen gegen das unbeugsame gallische Dorf zu verschweigen. Schließlich würden solche Details Cäsars Ruf beschädigen und dem Senat womöglich die Lust nehmen, weitere Feldzüge zu finanzieren.

Also lässt Cäsar das entsprechende Kapitel einfach verschwinden und behauptet weiterhin, ganz Gallien sei von römischen Truppen besetzt. Die Medien feiern ihn, die Veröffentlichung wird groß inszeniert, und Rom präsentiert seine eigene Version der Wahrheit. Doch wie alle Asterix-Fans wissen, hat Cäsar eben nicht ganz Gallien erobert.

Der Schreiber Bigdatha will die Wahrheit bewahren und stiehlt das gestrichene Kapitel. Er übergibt es dem gallischen Enthüllungsjournalisten Polemix, einer klaren Anspielung auf WikiLeaks-Gründer Julian Assange. Polemix bringt den Text nach Gallien, um die verschwiegene Geschichte ans Licht zu bringen und zugleich seinen Verfolgern zu entkommen. Syndicus heftet sich an seine Fersen, denn Cäsar darf auf keinen Fall erfahren, dass das Kapitel nicht vernichtet wurde. Mittendrin befinden sich natürlich Asterix und Obelix, die das Dokument sichern und für die Nachwelt bewahren wollen.

Die Grundidee ist stark. Ferri und Conrad nehmen die aktuelle Medienlandschaft, politische Selbstdarstellung und den Kampf um Deutungshoheit aufs Korn. Das passt erstaunlich gut zu Asterix, denn die Reihe war immer dann besonders stark, wenn sie historische Motive mit Gegenwartsbezügen verbunden hat. Kurznachrichten werden hier mit Vögeln verschickt, was natürlich sofort an Twitter erinnert. Auch die Inszenierung römischer Öffentlichkeit, Cäsars kontrolliertes Image und der Umgang mit unbequemen Informationen liefern einige gelungene Gags.

Trotzdem zündet der Band nicht durchgehend. Die Geschichte besitzt mehrere Handlungsstränge, die am Ende nicht ganz sauber zusammenlaufen. Manche Lösungen wirken etwas zu bequem, und ein klarer erzählerischer Höhepunkt fehlt. Statt sich konsequent auf einen starken Spannungsbogen zuzubewegen, plätschert das Abenteuer stellenweise vor sich hin. Einzelne Szenen sind witzig und treffend, doch als Gesamtgeschichte bleibt Der Papyrus des Cäsar etwas schwächer als seine besten Ideen.

Auch die Verbindung aus Medienkritik und Ursprungserklärung der Asterix-Geschichten wirkt nicht völlig rund. Beides ist für sich interessant, doch zusammen entsteht nicht immer ein harmonisches Ganzes. Gerade die Erklärung, wie die Geschichten der Gallier später zu Goscinny und Uderzo gelangt sein könnten, ist charmant und clever. Gleichzeitig hätte dieses Motiv vielleicht genug Stoff für ein eigenes Album geboten. So konkurriert es etwas mit der eigentlichen Medien- und Zensurgeschichte.

Technisch beherrschen Ferri und Conrad ihr Handwerk weiterhin. Sie respektieren die Wurzeln der Serie, ohne völlig im Stil der Vergangenheit stecken zu bleiben. Die Bilder wirken dynamisch, detailreich und angenehm lebendig. Wer genau hinsieht, entdeckt wieder kleine gezeichnete Gags und liebevolle Details im Hintergrund. Auch sprachlich gibt es einige gelungene Wortspiele, selbst wenn nicht jeder Gag so treffsicher sitzt wie in den klassischen Alben.

Didier Conrad gelingt es erneut, die bekannten Figuren glaubwürdig umzusetzen. Asterix, Obelix, Miraculix und die Dorfbewohner wirken vertraut, ohne bloß abgepaust zu erscheinen. Auffällig ist allerdings Cäsar, dem Conrad ein etwas anderes Gesicht gibt. Das ist kein großer Bruch, fällt Fans aber durchaus auf. Insgesamt bleibt die grafische Seite klar eine Stärke des Albums.

Fazit

Andreas Zommer
Andreas Zommer
YouGame Redaktion
Der Papyrus des Cäsar ist kein schlechter Asterix-Band, aber auch keiner der wirklich großen. Die Grundidee rund um Medien, Zensur und Geschichtsschreibung ist stark und passt gut zur Reihe. Einige Anspielungen funktionieren hervorragend, und auch die Erklärung zur Weitergabe der gallischen Geschichten hat Charme.

Das Problem liegt eher in der Erzählstruktur. Die verschiedenen Ideen greifen nicht immer sauber ineinander, und der Geschichte fehlt ein wirklich starker Höhepunkt. Dadurch wirkt der Band stellenweise weniger zwingend, als er sein könnte. Grafisch liefern Ferri und Conrad aber erneut solide bis gute Arbeit ab, und die Wurzeln der Serie bleiben klar erkennbar.

Für Asterix-Fans ist Der Papyrus des Cäsar natürlich trotzdem Pflicht. Wer die Gallier liebt, wird auch hier genug schöne Momente finden. Als Einzelabenteuer bleibt der Band unterhaltsam, aber nicht überragend. Für die neue Ära ist er ein ordentlicher weiterer Schritt, bei dem man weiterhin merkt, dass Ferri und Conrad ihr Potenzial noch nicht vollständig ausgeschöpft haben.

Weitere Comic-Rezensionen

Top-Artikel der letzten 7 Tage