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Comic-Rezension: ENT., Band 2

· ca. 4 Min. Lesezeit · Tokyopop · Julia Jessenitschnig
Comic-Bild: ENT., Band 2

Die schüchterne Somi Han führt ein Doppelleben. In der Schule gilt sie als unscheinbar und wird von ihren Mitschülern kaum wahrgenommen, doch im Geheimen ist sie Kay, die Leadsängerin der aufstrebenden Band Born on the Fourth of July!. Ihr großes Pech ist, dass ausgerechnet ihr Klassenkamerad Yujin Ko hinter dieses Geheimnis kommt. Yujin ist nicht nur ein leidenschaftlicher Blogger, sondern unter dem Namen Wolfstern auch dafür bekannt, mit seinen realistisch wirkenden Fanfictions Stars und Idole zu Fall zu bringen. Nach dem gelungenen Auftakt bringt Ent. Band 2 nun einige Wendungen mit, die man so nicht unbedingt erwartet hätte.

Im zweiten Band wird deutlicher, dass Yujin offenbar ein größeres Ziel verfolgt. Er scheint es darauf angelegt zu haben, die Agentur S.M. Entertainment mit Hilfe seiner Geschichten zu ruinieren. Dafür will er einzelne Bands und deren Mitglieder bloßstellen, beschädigen und nach und nach zu Fall bringen. Durch seinen Pakt mit Somi besitzt er nun eine wertvolle Informationsquelle. Sie soll ihm Insiderwissen über die Agentur und ihre Stars liefern, damit er seine nächsten Angriffe vorbereiten kann.

Nach dem ersten Band konnte man glauben, Yujin bereits durchschaut zu haben. Er wirkte manipulativ, kalt und gefährlich. Doch Band 2 macht die Sache deutlich komplizierter. Immer wieder gibt es Momente, in denen man sich fragt, wer Yujin wirklich ist. Ist er einfach nur böse? Ist er ein freundlicher Junge, der sich hinter einer harten Fassade versteckt? Macht es ihm Spaß, andere zu quälen? Mag er Somi vielleicht sogar ein wenig? Oder steckt hinter seinem Verhalten ein persönlicher Schmerz, den er in einen zerstörerischen Plan verwandelt hat?

Eine klare Antwort liefert dieser Band bewusst nicht. Genau dadurch entsteht Spannung. Yujin bleibt unberechenbar, und das macht ihn als Figur deutlich interessanter. Er ist nicht nur ein einfacher Gegenspieler, sondern jemand, bei dem man ständig zwischen Misstrauen, Neugier und Unbehagen schwankt. Man möchte wissen, was ihn antreibt, hat aber zugleich das Gefühl, dass jede Antwort Somi nur tiefer in Schwierigkeiten bringen könnte.

Für Somi selbst bahnt sich im zweiten Band eine neue große Herausforderung an. Durch einen unglücklichen Zufall soll sie als Kay in der Quizshow 1 gegen 100 auftreten. Das Problem daran liegt auf der Hand. Somi gehört schulisch nicht gerade zu den besten Schülerinnen. Einen weiteren peinlichen Auftritt kann sich ihre Band jedoch nicht leisten. Deshalb braucht sie dringend Nachhilfe, und zwar von jemandem, der sehr gut in der Schule ist und gleichzeitig ihr Geheimnis kennt. Damit bleibt eigentlich nur Yujin.

Natürlich hilft Yujin nicht aus reiner Freundlichkeit. Auch diesmal verlangt er eine Gegenleistung. Dadurch bleibt Somi in seiner Abhängigkeit gefangen, obwohl sie genau spürt, wie gefährlich dieses Spiel ist. Der Manga nutzt diese Ausgangslage gut, um Somis Unsicherheit, ihren Druck und ihre wachsende innere Stärke zu zeigen. Sie ist keine perfekte Heldin, sondern eine Figur, die Fehler macht, sich einschüchtern lässt und dennoch versucht, nicht völlig die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren.

Zusätzlich rückt in diesem Band die Boyband SHINee stärker in den Vordergrund. Somi und ihre Bandmitglieder ziehen in deren alte Wohnung ein. Wie bereits Girls’ Generation im ersten Band steht auch SHINee bei S.M. Entertainment unter Vertrag. Die Kontakte zu den anderen Bands sorgen für einige amüsante und sympathische Szenen. Trotz der vielen Figuren wirkt der Manga nicht überladen. Stattdessen entsteht ein lebendigerer Eindruck der Idol-Welt, in der Somi sich bewegt.

Auch Somis familiäre Verhältnisse werden zumindest kurz angerissen. Das gibt der Hauptfigur mehr Tiefe und zeigt, dass ihr Leben nicht nur aus Bühne, Schule und Erpressung besteht. Besonders stark ist aber weiterhin die Dynamik zwischen Somi und Yujin. Das Ende des Bandes gibt tiefere Einblicke in Yujins Leben, und für einen kurzen Moment knistert es sogar zwischen den beiden. Gleichzeitig machen einzelne Bilder sehr deutlich, dass sich hinter seiner Fassade etwas Dunkles verbirgt.

Das letzte Kapitel wirft noch einmal viele neue Fragen auf. Die letzte Seite stellt Somi vor eine derart große Herausforderung, dass man sie hier besser nicht genauer beschreibt. Sonst würde genau jener Moment zerstört, bei dem man beim Lesen unweigerlich mit offenem Mund zurückbleibt.

Zeichnerisch bleibt Ent. weiterhin stark. Die Figuren sind klar voneinander unterscheidbar, die Gesichtsausdrücke transportieren die Stimmung gut, und gerade Yujins Wechsel zwischen freundlicher Maske und bedrohlicher Ausstrahlung funktioniert visuell sehr überzeugend. Auch die Welt des Showbusiness wird ansprechend inszeniert, ohne dass die Seiten überladen wirken.

Fazit

Julia Jessenitschnig
Julia Jessenitschnig
YouGame Redaktion
Schon der erste Band von Ent. konnte überzeugen, doch mit Band 2 kommt die Geschichte rund um Somi und Yujin erst richtig in Fahrt. Die Fortsetzung bietet einige Überraschungen, vertieft die Figuren und macht Yujin noch undurchsichtiger als zuvor. Gerade weil man weiterhin nicht sicher weiß, was er wirklich will und ob hinter seiner Grausamkeit mehr steckt als reine Bosheit, bleibt die Geschichte spannend.

Somi entwickelt sich ebenfalls weiter. Sie wirkt verletzlich, aber nicht schwach. Ihre Lage wird schwieriger, ihr Druck größer, und trotzdem wächst das Interesse daran, wie sie sich aus Yujins Netz befreien will. Nach Band 2 bleiben sogar noch mehr Fragen offen als nach dem Auftakt. Genau deshalb will man sofort wissen, wie es in Band 3 weitergeht.

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