Würdest du einen anderen Menschen töten, nur um dein eigenes Leben zu retten? Diese Frage wurde schon oft in Filmen, Serien und Büchern gestellt, etwa in Geschichten wie Die Tribute von Panem oder anderen Battle-Royale-Szenarien. Btooom! greift genau dieses Motiv auf und verbindet es mit der Welt der Online-Games. Passend zum bei Kazé erschienenen Anime hat Tokyopop die Manga-Vorlage von Junya Inoue in den deutschsprachigen Raum gebracht. Ganze 388 Seiten warten auf Actionfans, Survival-Spannung und moralische Grenzsituationen.
Im Mittelpunkt steht Ryota Sakamoto, ein junger Mann, der sein Leben fast vollständig dem Online-Kampfspiel Btooom! widmet. Während seine Mutter zunehmend verzweifelt versucht, ihn zu einem Job zu bewegen, interessiert sich Ryota vor allem für seine Erfolge im Spiel. Online zählt er zu den besten Spielern der Welt und träumt davon, eines Tages bei der Entwicklerfirma von Btooom! zu arbeiten. Einige kleinere Testaufträge gab es bereits, doch eine feste Anstellung blieb bisher aus.
Eines Tages verändert sich jedoch alles. Ryota wacht ohne Erinnerung auf einer tropischen Insel auf, mit einem Fallschirm in den Bäumen hängend. Er weiß weder, wo er ist, noch wie er dorthin gekommen ist. Als er nach Hilfe und Antworten sucht, wird er plötzlich von einem Fremden mit Bomben angegriffen. Nur mit Glück überlebt er diesen ersten Angriff.
Schnell erkennt Ryota, dass ihm diese Situation unheimlich bekannt vorkommt. Alles erinnert an sein geliebtes Online-Spiel Btooom!. Nur ist es diesmal kein Spiel mehr, sondern tödliche Realität. Wer überleben will, muss sich den Regeln unterwerfen. Jeder Teilnehmer besitzt acht Bomben einer bestimmten Sorte. Wer einen anderen Menschen tötet, kann dessen Bomben an sich nehmen und dadurch neue Möglichkeiten im Kampf erhalten. Noch schlimmer ist die Aussicht auf Flucht. Offenbar gibt es nur einen Weg von der Insel. Man muss sieben andere Teilnehmer töten und an deren implantierte Chips gelangen.
Damit stellt der Manga seine zentrale Frage sehr direkt. Wie weit ist ein Mensch bereit zu gehen, wenn sein eigenes Leben auf dem Spiel steht? Ryota ist zwar im Spiel ein Profi, doch die Realität überfordert ihn völlig. Zwischen virtueller Taktik und echter Gewalt liegt ein gewaltiger Unterschied. Gerade dieser Bruch macht den Auftakt spannend. Ryota kennt die Regeln, aber er weiß nicht, ob er bereit ist, nach ihnen zu handeln.
Die Geschichte dreht sich vor allem um Ryota und die Menschen, denen er auf der Insel begegnet. Niemand weiß genau, warum er dort ist, wer das grausame Spiel organisiert hat oder wem man vertrauen kann. Jeder Kontakt kann Hilfe bedeuten, aber genauso gut eine Falle sein. Der Manga erzeugt daraus eine permanente Grundspannung. Ryota darf sich nicht vom Äußeren täuschen lassen, denn jede Person auf der Insel könnte es auf ihn abgesehen haben.
Besonders gelungen ist, dass Ryota zu Beginn kein klassischer Held ist. Er ist ein Gamer, der im echten Leben gescheitert wirkt und mit seiner Situation nicht zurechtkommt. Genau dadurch funktioniert die Geschichte. Der Manga zeigt nicht einfach einen souveränen Kämpfer, sondern jemanden, der erst begreifen muss, dass seine digitalen Fähigkeiten ihn nicht automatisch auf echte Lebensgefahr vorbereiten. Seine Entwicklung bleibt dadurch interessant.
Optisch macht Btooom! ebenfalls einen starken Eindruck. Der Manga erscheint im großen DIN-A5-Format und bietet auf 388 Seiten viel Raum für Details. Die Figuren unterscheiden sich deutlich voneinander und decken verschiedene Altersgruppen sowie soziale Hintergründe ab. Auch die Inselumgebung ist sorgfältig ausgearbeitet. Dschungel, Felsen, Verstecke und offene Flächen werden so eingesetzt, dass sie die Kämpfe nachvollziehbar und dynamisch wirken lassen.
Die Actionszenen sind schnell, hart und gut inszeniert. Sie wirken nicht künstlich gestellt, sondern fügen sich organisch in die Situation ein. Gleichzeitig sollte man wissen, dass Btooom! teilweise recht brutal ist. Der Manga zeigt Gewalt, Verletzungen und Leichen deutlich genug, um für jüngere Leser ungeeignet zu sein. Gewaltverherrlichend wirkt das aber nicht. Viel eher nutzt die Geschichte ihre Härte, um zu zeigen, wie schnell Menschen in Extremsituationen moralische Grenzen verschieben.
Fazit
Ryota ist als Hauptfigur interessant, weil er die Regeln kennt, aber menschlich nicht auf das vorbereitet ist, was ihm auf der Insel begegnet. Dazu kommen offene Fragen rund um die Hintermänner des Spiels, die anderen Teilnehmer und die moralische Frage, wie weit jemand gehen würde, um zu überleben.
Der erste Band ist spannend, brutal und dynamisch erzählt. Das Ende lässt genug offen, um sofort Lust auf Band 2 zu machen. Wer Action-Manga mit Survival-Elementen mag und mit härteren Szenen kein Problem hat, kann hier bedenkenlos zugreifen.












