Nach den dramatischen Ereignissen des letzten Bandes dürften viele Fans von The Walking Dead gespannt darauf gewartet haben, wie es mit Rick Grimes und seiner krisengebeutelten Gruppe weitergeht. Band 14: In der Falle endete mit einem brutalen Angriff auf Alexandria, mehreren Opfern und einer Gemeinschaft, die zwar überlebt hat, aber alles andere als sicher wirkt. Nun liegt mit The Walking Dead, Band 15: Dein Wille geschehe die direkte Fortsetzung vor und diesmal geht es weniger um den Kampf gegen die Untoten als um die Frage, was nach dem Überleben eigentlich übrig bleibt.
Im vorherigen Band wurde die Gemeinde Alexandria von einer riesigen Zombiehorde überrannt. Der Schutzwall konnte dem Druck der lebenden Toten nicht standhalten, und erst in einem verlustreichen Kampf gelang es Rick und den anderen, die Bedrohung zurückzuschlagen. Doch der Sieg hat seinen Preis. Der bisherige Anführer Douglas ist tot, und Rick muss einmal mehr Verantwortung übernehmen. Statt sich weiter nur zu verstecken und auf den nächsten Angriff zu warten, will er Alexandria ausbauen, verstärken und zu einem Ort machen, an dem eine Zukunft überhaupt wieder denkbar ist.
Diese Hoffnung ist einer der zentralen Punkte des Bandes. Rick versucht, der Gemeinschaft neuen Mut zu geben. Er will nicht länger nur reagieren, sondern aktiv etwas aufbauen. Doch genau hier zeigt sich, wie brüchig diese neue Ordnung eigentlich ist. Hunger, Misstrauen, verletzte Eitelkeiten und alte Traumata sorgen dafür, dass seine Pläne schneller ins Wanken geraten, als ihm lieb sein kann. Ein Teil der früheren Bewohner Alexandrias sieht Rick nicht als Retter, sondern als Gefahr. Gleichzeitig hat Rick selbst genug persönliche Probleme: Sein Sohn Carl liegt nach einem Kopfschuss im Koma, und auch die Beziehungen innerhalb der Gruppe stehen unter enormem Druck.
Nach dem actionreichen Vorgänger fällt Band 15 deutlich ruhiger aus. Die Geschichte tritt äußerlich etwas auf der Stelle, doch das ist nicht automatisch eine Schwäche. Statt großer Zombieangriffe stehen diesmal Gespräche, Konflikte und innere Spannungen im Vordergrund. Robert Kirkman interessiert sich einmal mehr für die psychologischen Folgen des Überlebens. Was passiert mit Menschen, die ständig verlieren, kämpfen und weitermachen müssen? Wie viel Hoffnung ist noch möglich, wenn die Welt um sie herum längst zerfallen ist? Und wie lange kann eine Gemeinschaft funktionieren, wenn nicht alle dasselbe Ziel verfolgen?
Gerade diese ruhigeren Momente machen den Band zu einem der emotionaleren Abschnitte der Reihe. Die Zombies bleiben präsent, aber sie sind diesmal nicht die eigentliche Hauptbedrohung. Gefährlicher sind die ungelösten Konflikte innerhalb Alexandrias. Das passt hervorragend zu The Walking Dead, denn die Reihe war immer dann am stärksten, wenn sie gezeigt hat, dass der wahre Horror nicht nur von den Untoten ausgeht, sondern von den Menschen, die in dieser Welt überleben müssen.
Die schwarz-weißen Zeichnungen von Charlie Adlard bleiben grundsätzlich stark und passen weiterhin hervorragend zur düsteren Atmosphäre der Reihe. Die Bildsprache wirkt oft filmisch, fast wie eine sorgfältig montierte Szene aus einem Hollywood-Drama. Allerdings hat man stellenweise den Eindruck, dass nicht jede Seite ganz so sauber ausgearbeitet wurde wie in früheren Bänden. Manche Panels wirken etwas einfacher, und auch im Text fallen kleinere Fehler auf. Das stört den Lesefluss nicht massiv, ist bei einer sonst so hochwertigen Veröffentlichung aber dennoch erwähnenswert.
Ein besonderes Extra ist wieder der Anhang, der sogenannte Zombie-Guide. Diesmal geht es unter anderem um die Filme von George A. Romero, dessen Werke das moderne Zombie-Genre entscheidend geprägt haben. Auch neuere Produktionen und Romero-Hommagen wie Shaun of the Dead werden dabei interessant eingeordnet. Wer sich nicht nur für die Comic-Reihe, sondern generell für Zombie-Filme interessiert, bekommt hier einige lesenswerte Zusatzinformationen. Außerdem enthält der Band eine Leseprobe zu Das Schwert 1: Feuer, das ebenfalls bei Cross Cult erschienen ist.
Fazit
Wer vor allem Zombieaction erwartet, bekommt diesmal weniger Blutrausch und mehr Charakterdrama. Für die Reihe ist das aber wichtig, denn The Walking Dead lebt nicht nur von Gewalt, sondern von den moralischen und menschlichen Abgründen zwischen den Kämpfen. Kleinere Schwächen bei Zeichnungen und Text verhindern zwar eine Spitzenwertung, doch insgesamt bleibt auch dieser Band klar lesenswert.












