Spätestens seit der erfolgreichen TV-Serie ist The Walking Dead auch einem breiteren Publikum ein Begriff. Dabei vergessen viele, dass die Geschichte rund um Rick Grimes und seine Gruppe ihren Ursprung nicht im Fernsehen, sondern in der gleichnamigen Comic-Reihe von Robert Kirkman hat. Bevor mit Band 15 die nächste Veröffentlichung ansteht, lohnt sich ein genauer Blick auf The Walking Dead, Band 14: In der Falle.
Die Hauptfiguren rund um Rick befinden sich im aktuellen Band weiterhin in der Alexandria Community. Nach all den traumatischen Erlebnissen der vergangenen Zeit versuchen sie dort, wieder so etwas wie Normalität aufzubauen. Man gewöhnt sich an neue Mitmenschen, erste Beziehungen entstehen und für einen kurzen Moment scheint es möglich, das bisher Erlebte zumindest teilweise zu verarbeiten. Doch in der Welt von The Walking Dead ist Sicherheit immer nur eine Illusion.
Schon bald wird die Siedlung von einer riesigen Horde Untoter bedroht, die durch Schussgeräusche angelockt wurde. Anfangs hält der Schutzzaun die Zombies noch zurück, doch mit der Zeit wird ihre schiere Masse zur eigentlichen Gefahr. Ein schwacher Pfeiler gibt nach und die Untoten verschaffen sich Zugang zur Siedlung. Rick steht damit vor einer nahezu unmöglichen Entscheidung. Soll er mit seiner Gruppe die Flucht ins Ungewisse wagen oder sich der Übermacht stellen? Beide Optionen sind riskant, denn die vermeintliche Festung schützt nicht nur vor den Zombies, sie sperrt ihre Bewohner auch ein.
Nachdem es in den vorherigen Bänden etwas ruhiger zuging, zieht Band 14 das Tempo wieder deutlich an. Der Angriff auf Alexandria sorgt für eine bedrückende Spannung, die sich Seite für Seite steigert. Im nackten Überlebenskampf zeigen die Figuren, wer sie wirklich sind. Mut, Panik, Egoismus und Opferbereitschaft liegen hier oft erschreckend nah beieinander. Genau darin liegt weiterhin die große Stärke der Reihe. Die Zombies sind grausam, aber die eigentliche Gefahr bleibt der Mensch selbst.
Robert Kirkman versteht es einmal mehr, äußeren Horror mit inneren Konflikten zu verbinden. Blut, Gewalt und Verlust gehören zur Welt von The Walking Dead, werden hier aber nie nur als reiner Selbstzweck eingesetzt. Viel interessanter ist, was diese Extremsituation mit den Überlebenden macht. Wer übernimmt Verantwortung? Wer bricht zusammen? Wer trifft Entscheidungen, die moralisch kaum noch eindeutig zu bewerten sind? Band 14 stellt diese Fragen mit einer Härte, die hervorragend zur Reihe passt.
Auch zeichnerisch bleibt die Serie auf hohem Niveau. Charlie Adlard setzt die klaustrophobische Situation in Alexandria stark um. Gerade weil der Comic in Schwarz-Weiß gehalten ist, wirken die Bilder oft besonders roh und direkt. Die Bedrohung entsteht nicht nur durch explizite Gewalt, sondern auch durch enge Bildausschnitte, bedrängende Massenszenen und die zunehmende Ausweglosigkeit der Situation.
Während die Original-Comics in dünneren Einzelheften erscheinen, sammelt Cross Cult mehrere Hefte in einem Band. Band 14 enthält die US-Hefte 79 bis 84 und bietet damit wieder einen angenehm umfangreichen Abschnitt der laufenden Geschichte. Die deutsche Ausgabe ist hochwertig umgesetzt und enthält neben der eigentlichen Comic-Handlung am Ende noch einen siebenseitigen Beitrag über Zombie-Komödien im neuen Jahrtausend, der nicht nur für eingefleischte Zombie-Fans lesenswert ist.
Fazit
The Walking Dead, Band 14: In der Falle lässt die Spannung nach den etwas ruhigeren Vorgängern wieder deutlich nach oben schnellen. Die Alexandria Community wird vom vermeintlich sicheren Ort zur tödlichen Falle, und genau daraus entsteht ein packender, brutaler und emotional starker Band. Wer die Reihe bereits liest, wird ohnehin nicht daran vorbeikommen. Wer sie noch nicht kennt, sollte allerdings unbedingt bei Band 1 beginnen.












