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Comic-Rezension: Lucky Luke, Band 89: Lucky Kid

· ca. 3 Min. Lesezeit · Egmont Ehapa Verlag · Andreas Zommer
Comic-Bild: Lucky Luke, Band 89: Lucky Kid

So gut wie jede kennt Lucky Luke, den einsamen Cowboy, der auf Jolly Jumper durch die Prärie reitet und schneller zieht als sein eigener Schatten. Doch woher kommt dieser beliebte Comic-Held eigentlich? Wie hat er seine Kindheit verbracht? Und war Lucky Luke schon als Kind jener unerschütterliche Westernheld, als den man ihn heute kennt? Der neueste Band widmet sich genau diesen Fragen und erzählt von den frühen Jahren des berühmten Cowboys.

Über Lucky Lukes Kindheit war bisher vergleichsweise wenig bekannt, obwohl „Lucky Kid“ ursprünglich sogar als eigene Spin-off-Serie geplant war. Im deutschsprachigen Raum wurden einzelne Geschichten rund um den jungen Lucky Luke bislang nur vereinzelt veröffentlicht. Mit Band 89 rückt der offizielle Morris-Nachfolger Achdé nun erstmals vollständig die Kindheit des Westernhelden in den Mittelpunkt.

Zu Beginn des Albums werden auf sechs Seiten die ersten Tage von Lucky Luke erzählt. Wir erfahren, wie er als Findelkind in eine kleine Westernstadt gebracht wird und dort in der Obhut der Saloonbesitzerin Martha aufwächst. Der Rest des Bandes besteht aus 35 einseitigen Geschichten, die kleine Episoden aus Lucky Lukes Kindheit erzählen und dabei einige offene Fragen beantworten. Der Aufbau ist dadurch sehr kurzweilig, allerdings auch etwas kleinteilig. Wer eine längere, zusammenhängende Handlung erwartet, wird hier nur bedingt bedient.

Die einzelnen Geschichten sind durchwegs charmant und immer wieder witzig, bleiben insgesamt aber recht brav. Der alte, deutlich frechere Humor von Morris wird nicht ganz erreicht. Das liegt vermutlich auch daran, dass dieser Band eindeutig stärker als Kindercomic konzipiert ist. Unter vielen Einseitern findet sich ein kurzer, schlauer Spruch, der nebenbei etwas über den Wilden Westen vermittelt. So erfährt man etwa, dass Schulen früher zur Erntezeit geschlossen wurden oder dass eine Badewanne lange Zeit ein echtes Luxusobjekt war. Das ist nett gemacht, nimmt dem Band aber stellenweise etwas von jener bissigen Leichtigkeit, die Lucky Luke früher ausgezeichnet hat.

Optisch fügt sich Achdé weiterhin gut in die Tradition von Morris ein. Die Zeichnungen orientieren sich klar am bekannten Stil der Reihe, wirken aber etwas reduzierter und glatter. Wer genau hinsieht, erkennt die Unterschiede zu den klassischen Alben. Das ist allerdings kein wirklicher Nachteil. Im Gegenteil: Es wäre falsch, von Achdé eine reine Kopie zu erwarten. Seine Zeichnungen respektieren das Original, ohne völlig darin zu verschwinden. Ein wenig mehr eigener Mut würde der Reihe dennoch guttun.

Fazit

Andreas Zommer
Andreas Zommer
YouGame Redaktion
Lucky Luke 89 ist sicher nicht der Höhepunkt der Reihe, aber ein sympathischer und insgesamt gelungener Band. Die Geschichten machen Spaß, bringen immer wieder zum Schmunzeln und zeigen eine angenehm kindgerechte Seite des berühmten Cowboys. Gleichzeitig bleibt der Band etwas zu brav und zu kleinteilig. Vor allem die vielen Einseiter sorgen dafür, dass keine größere erzählerische Dynamik entsteht. Ein paar längere Geschichten hätten dem Album gutgetan.

Trotzdem ist dieser Blick in Lucky Lukes Kindheit ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn Achdé künftig noch etwas mutiger wird und den Humor wieder schärfer zuspitzt, kann der Cowboy durchaus zu alter Stärke zurückfinden. Für junge Leser ist der Band ohnehin gut geeignet, und auch langjährige Fans dürfen einen Blick riskieren.

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