Mit Tarot - Witch of the Black Rose schuf Jim Balent sein eigenes magisch-erotisches Fantasy-Universum. Die Reihe verbindet Hexen, dunkle Feen, Dämonen, okkulte Kräfte und eine deutliche Vorliebe für freizügige Pin-up-Ästhetik. Im zwölften deutschsprachigen Band Die dunkle Spirale macht die Veröffentlichung allerdings einen Sprung nach vorne, um näher an den englischsprachigen Veröffentlichungsstand anzuschließen. Gleichzeitig spielt auch das deutsche Model Madeleine Le Roy eine Rolle, deren Fotos als Vorlage für Raven Hex dienten. Ob man der Geschichte trotz dieses Sprungs folgen kann, haben wir uns genauer angesehen.
Tarot ist in den Straßen von Witchfork auf Patrouille und sucht nach Spuren dunkler Magie. Obwohl sie weiß, dass eine Falle auf sie wartet, geht sie bewusst weiter. Sie glaubt, dass dies der schnellste Weg ist, um zum König und zur Königin der dunklen Elfen zu gelangen. Vorsichtig ist sie zwar, doch gegen den plötzlichen Angriff einer rachsüchtigen dunklen Fee kann sie zunächst wenig ausrichten. Diese will Tarot gefangen nehmen und entführen, verliert durch ihre eigenen Rachegelüste jedoch kurzzeitig ihr eigentliches Ziel aus den Augen. Tarot nutzt diesen Moment, um die Fee zu verletzen und ihr die Flügel zu verbrennen.
Doch der Kampf ist damit nicht entschieden. Die dunkle Fee gibt nicht auf und nimmt Tarot mit Magie ihre Rüstung, um sie wehrloser zu machen. Lange kann sich Tarot danach nicht mehr verteidigen, und am Ende wird sie tatsächlich verschleppt.
Zur gleichen Zeit wird Tarots Schwester Raven Hex an einem anderen Ort im Wald von einem Satyr angegriffen. Dieser ist sich seines Sieges allerdings zu sicher, weshalb Raven ihn nach einem heftigen Kampf besiegen kann. Danach setzt sie ihre Suche nach Totenkopf-Pilzen fort. Diese wachsen allerdings auf den Köpfen von Toten, die Raven dadurch ungewollt erweckt. Plötzlich findet sie sich erneut in Gefahr und liegt überwältigt am Boden. Ausgerechnet in diesem Moment erscheint Lord Thornwic, rettet sie und berichtet ihr, dass Tarot entführt wurde.
Die Bedrohung ist größer, als es zunächst scheint. Sollte Tarot von den dunklen Feen korrumpiert werden, könnte das Gleichgewicht der Mächte ins Wanken geraten. Gemeinsam mit der Mutter der beiden Hexen und Skeleton Man macht sich Raven Hex auf die Suche nach ihrer Schwester.
Positiv fällt auf, dass Raven Hex hier stärker in den Mittelpunkt rückt. Der von Fans gewünschte Soloauftritt tut der Geschichte gut, weil Raven in diesem Band greifbarer wirkt als Tarot selbst. Sie bekommt etwas mehr Profil, darf kämpfen, reagieren und eigene Präsenz entwickeln. Das ist keine tiefgehende Charakterstudie, aber innerhalb dieser Reihe dennoch ein Schritt in die richtige Richtung.
Der Veröffentlichungssprung hat einen konkreten Hintergrund. Da Jim Balent Fotos der deutschen Goth-Sängerin und Performerin Madeleine Le Roy als Vorlage für Raven Hex verwendete, lag es nahe, diesen Bezug auch für die deutschsprachige Veröffentlichung und Promotion zu nutzen. Deshalb wurden einige Hefte übersprungen, und der zwölfte Band setzt bei US-Heft 75 ein, wo mit Die dunkle Spirale ein neuer Erzählstrang beginnt. Der nächste Band soll diese Handlung fortsetzen, während die ausgelassenen Hefte später nachgereicht werden sollen.
Erzählerisch bleibt Tarot - Witch of the Black Rose auch in diesem Band eher schlicht. Die Handlung ist nicht besonders originell und dient oft vor allem dazu, die Figuren in dramatische, kämpferische oder aufreizende Situationen zu bringen. Wer komplexe Fantasy, überraschende Wendungen oder psychologisch ausgearbeitete Figuren erwartet, wird hier nicht wirklich fündig. Die Serie weiß aber ziemlich genau, was sie sein will: ein überzeichnetes, erotisches Fantasy-Spektakel mit Hexen, Magie, Kämpfen und viel Schauwert.
Deutlich stärker sind die Zeichnungen. Jim Balent setzt seine Figuren detailreich, dynamisch und bewusst freizügig in Szene. Der Band bietet zahlreiche erotische Motive, teilweise auch mit deutlichem Fetisch-Einschlag, bleibt dabei aber im Rahmen seines eigenen Stils konsequent. Die weiblichen Figuren werden zwar stark sexualisiert, treten aber zugleich als mächtige, aktive und kämpferische Charaktere auf. Das macht die Darstellung nicht automatisch unproblematisch, gehört aber klar zur Identität der Reihe.
Optisch überzeugt der Band durch viele Details, kräftige Kontraste und eine düstere Fantasy-Atmosphäre. Viele Szenen sind in einem dunklen, fast noirartigen Stil gehalten, während Actionsequenzen immer wieder mit grellen, intensiven Farben arbeiten. Gerade Fans von opulenten Pin-up-Kompositionen, Gothic-Fantasy und überzeichneter Magie bekommen hier genau das, was sie von der Reihe erwarten.
Fazit
Für Neueinsteiger ist Band 12 sogar halbwegs geeignet, weil hier ein neuer Handlungsbogen beginnt. Trotzdem sollte man wissen, worauf man sich einlässt. Tarot ist kein subtiler Fantasycomic, sondern ein sehr spezielles Nischenprodukt, das vor allem von seinen Zeichnungen, seiner Gothic-Ästhetik und seiner erotischen Inszenierung lebt.












