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Comic-Rezension: Asterix - der listige Gallier, Band 35: Asterix bei den Pikten

· ca. 4 Min. Lesezeit · Egmont Ehapa Verlag · Andreas Zommer
Comic-Bild: Asterix - der listige Gallier, Band 35: Asterix bei den Pikten

Als Albert Uderzo und René Goscinny 1959 für die französische Jugendzeitschrift Pilote die Geschichten rund um Asterix und Obelix erfanden, konnten sie sich wohl kaum ausmalen, welchen Erfolg ihre unbeugsamen Gallier einmal haben würden. Nach dem plötzlichen Tod Goscinnys im Jahr 1977 übernahm Uderzo nicht nur weiterhin die Zeichnungen, sondern auch die Rolle des Autors. Nun tritt aber auch er in den Hintergrund und übergibt die Zukunft der Reihe an Jean-Yves Ferri und Didier Conrad. Die Erwartungen an den 35. Band waren dementsprechend hoch: Asterix bei den Pikten erschien zum Start in 44 Ländern und wurde millionenfach ausgeliefert. Doch kann dieses neue Kreativteam dem Erbe gerecht werden?

Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein, ein kleines Dorf in Armorica leistet weiterhin tapfer Widerstand. Im vorliegenden Abenteuer hat allerdings nicht nur Rom ein Auge auf die Gallier geworfen, sondern auch der Winter das Dorf fest im Griff. Da die Wildschweinjagd im Schnee schwierig wird, machen sich Asterix und Obelix auf den Weg zum Strand, um nach Austern zu suchen, die der Sturm angespült haben könnte. Statt Austern finden sie jedoch einen Eisblock, in dem ein merkwürdig gekleideter Mann eingefroren ist.

Miraculix erkennt den Fremden als Pikten. Dieser hat allerdings mit Sprachproblemen zu kämpfen und kann sich zunächst nur mit Gesten verständigen. So erfahren die Gallier nach und nach von seiner tragischen Liebesgeschichte und einem Verrat in seiner Heimat. Erst ein spezielles Elixier gibt ihm seine Stimme zurück, allerdings kann er sich anfangs nur über Liedtexte mitteilen. Da Mac Aphon bei den weiblichen Bewohnerinnen des Dorfes schnell auffallend beliebt wird, beauftragt Majestix Asterix und Obelix, ihn in seine Heimat Kaledonien zu begleiten und ihm dort bei seinen Problemen zu helfen.

Die Geschichte fügt sich grundsätzlich gut in die bisherige Asterix-Welt ein. Ferri und Conrad orientieren sich spürbar an den klassischen Zutaten der Reihe: ein fremdes Land, regionale Eigenheiten, Sprachwitz, Römer, Prügeleien und ein neuer Blick auf ein historisch-kulturelles Setting. Besonders gelungen sind einige neue Ideen, etwa der römische Volkszähler, der durch seine Aufgabe langsam an den Rand der Verzweiflung gebracht wird. Auch die Lied-Zitate und die Namen der piktischen Stämme zeigen, dass hier mit Fantasie und Humor gearbeitet wurde.

Trotzdem merkt man dem Band an, dass das neue Team noch nicht ganz frei aufspielt. Asterix bei den Pikten ist sympathisch, aber stellenweise etwas brav. Am Ende fehlt der Geschichte ein wenig Mut, und manche Szenen wirken sprunghaft oder zu schnell abgehandelt. Man hat gelegentlich das Gefühl, dass der Handlung nicht genug Raum gegeben wurde, um sich richtig zu entfalten. Besonders der Einsatz der römischen Legion wirkt etwas gezwungen, und einige Witze hätten mehr Tiefe vertragen. Auch die Pikten bleiben als besuchtes Volk etwas flacher als frühere Reiseziele der Reihe. Der subtile, treffsichere Witz von Klassikern wie Asterix in Spanien oder Asterix in Korsika wird nicht erreicht.

Grafisch sieht man auf den ersten Blick erstaunlich wenig Bruch. Didier Conrad gelingt es, Uderzos Stil überzeugend aufzunehmen, ohne dass die Figuren plötzlich fremd wirken. Wer genauer hinsieht, erkennt natürlich Unterschiede und einen eigenen Strich, doch das ist kein Nachteil. Eine reine Kopie kann ohnehin nicht das Ziel sein. Die Zeichnungen sind weiterhin detailreich, lebendig und voller kleiner visueller Scherze. Gerade in den größeren Bildern lohnt es sich, genauer hinzusehen, denn dort verstecken sich immer wieder kleine Gags und liebevolle Details.

Auch die Koloration von Thierry Mébarki, Murielle Leroi und Raphaël Delerue überzeugt. Die Farben wirken stimmungsvoll, kräftig und passen gut zur winterlichen Atmosphäre des Albums. Besonders die Szenen in Schnee und Kälte bringen eine etwas andere Stimmung in die sonst oft sonnige Asterix-Welt.

Fazit

Andreas Zommer
Andreas Zommer
YouGame Redaktion
Es ist gut, dass Uderzo sein wichtigstes Werk nicht einfach beendet, sondern einem neuen Team übergeben hat. Asterix bei den Pikten ist kein Meisterwerk und sicher nicht auf dem Niveau der besten klassischen Alben, aber ein ordentlicher Start in eine neue Ära. Die Grundzutaten der Serie sind vorhanden, die Figuren fühlen sich vertraut an, und grafisch funktioniert der Wechsel überraschend gut.

Gleichzeitig fehlt Ferri und Conrad noch etwas der Mut, wirklich eigene Akzente zu setzen. Die Geschichte ist unterhaltsam, aber nicht so bissig, pointiert oder elegant wie die großen Vorbilder. Für langjährige Fans ist der Band trotzdem Pflicht, allein schon wegen seiner Bedeutung für die Zukunft der Reihe. Neue Leser bekommen einen zugänglichen, soliden Einstieg, auch wenn es bessere Asterix-Alben gibt.

Wenn Ferri und Conrad künftig noch etwas freier werden und sich mehr zutrauen, könnte diese neue Ära tatsächlich viele schöne Abenteuer hervorbringen. Asterix bei den Pikten ist dafür ein vorsichtiger, aber gelungener Anfang.

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