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Review: Ebola Village

von Andreas · ca. 6 Min. Lesezeit
Ebola Village

Es gibt Spiele, die sich von ihren Vorbildern inspirieren lassen, und dann gibt es Ebola Village. Wer auch nur ein paar Stunden mit Resident Evil verbracht hat, dürfte hier regelmäßig das Gefühl bekommen, eine seltsam vertraute Parallelwelt betreten zu haben. Heilkräuter, knappes Inventar, Speicherorte mit Lagerkiste, ein abgelegenes Dorf, Kettensägen und groteske Mutationen lassen wenig Raum für Zweifel. Überraschender ist deshalb, dass unter all diesen Kopien tatsächlich ein stellenweise unterhaltsames kleines Horrorspiel steckt.

Maria verbringt einen zunächst wenig ereignisreichen Abend in ihrer Wohnung, bis eine Nachrichtensendung von einem gefährlichen Virusausbruch berichtet. Besorgt versucht sie ihre Mutter zu erreichen und macht sich schließlich auf den Weg in ihr abgelegenes Heimatdorf, in dem auch ihr Ex-Mann Ruslan lebt. Dort angekommen ist von Normalität allerdings wenig übrig. Bewohner haben sich in aggressive Kreaturen verwandelt, überall liegen Spuren des Zusammenbruchs und schnell wird klar, dass hinter der Katastrophe mehr steckt als ein natürlich entstandener Krankheitserreger. Ein Pharmaunternehmen namens PANICUM spielt dabei ebenso eine Rolle wie mehrere zunehmend absurde Entwicklungen, die Ebola Village im Laufe seiner kurzen Geschichte präsentiert.

Die Ausgangslage würde grundsätzlich für einen klassischen B-Movie-Horrorfilm reichen, und genau so sollte man die Geschichte wohl auch betrachten. Charakterentwicklung, glaubwürdige Dialoge oder eine durchgehend nachvollziehbare Handlung darf man nicht erwarten. Figuren reagieren merkwürdig gelassen auf völlig groteske Situationen, manche Wendungen wirken wie lose zusammengeklebte Einfälle und nicht jede Aufgabe ergibt innerhalb der Spielwelt besonders viel Sinn. Gerade diese Ernsthaftigkeit, mit der Ebola Village seinen Unsinn teilweise präsentiert, entwickelt aber einen gewissen Trash-Charme. Man fragt sich häufig, was als Nächstes passieren kann, nicht unbedingt weil die Handlung so spannend wäre, sondern weil beinahe alles möglich scheint.

Spielerisch bewegt sich Ebola Village vollständig auf bekannten Pfaden. Aus der Ego-Perspektive erkunden wir das Dorf und mehrere Gebäude, suchen Schlüssel und andere Gegenstände, lesen Dokumente und lösen Rätsel, um neue Bereiche freizuschalten. Besonders die Erkundung gehört dabei zu den besseren Elementen. Einige Häuser, eine größere Villa und die Kirche besitzen durchaus Atmosphäre, und das russische Setting sorgt zumindest optisch für etwas Eigenständigkeit. Wenn wir durch dunkle Räume schleichen, Schubladen durchsuchen und versuchen herauszufinden, welche Tür sich mit dem gerade gefundenen Gegenstand öffnen lässt, funktioniert Ebola Village am besten.

Die Rätsel bleiben überwiegend unkompliziert. Sicherungen müssen eingesetzt, Zahlencodes gefunden, Schlüssel aufgespürt oder Gegenstände an der richtigen Stelle verwendet werden. Einige Aufgaben sind durchaus nett aufgebaut, andere wirken hauptsächlich deshalb kompliziert, weil die Spielwelt seltsame Bedingungen verlangt. Eine Tür bleibt beispielsweise verschlossen, bis eine scheinbar völlig unabhängige Handlung abgeschlossen wurde, oder Maria weigert sich, einen dunklen Raum zu betreten, obwohl sie eine Taschenlampe besitzt. Solche Momente erzeugen weniger Spannung als Verwirrung.

Einen großen Teil der Spielzeit verbringt man ohnehin mit dem Inventar. Zu Beginn stehen nur wenige Plätze zur Verfügung, später lässt sich der Stauraum durch Taschen erweitern. Munition, Schlüsselgegenstände, Heilmittel und Waffen konkurrieren permanent um diesen knappen Platz, weshalb regelmäßig der Weg zurück zur Lagerkiste ansteht. Grundsätzlich gehört genau dieses Abwägen zum Survival-Horror. Ebola Village übertreibt es jedoch. Weil manche Gegenstände unnötig umständlich verwendet oder kombiniert werden müssen und wichtige Objekte Platz belegen, entstehen viele zusätzliche Laufwege, die sich weniger nach Ressourcenmanagement als nach Verwaltungsarbeit anfühlen.

Auch beim Heilen erkennt man die Vorbilder sofort. Verschiedene Pflanzen lassen sich kombinieren, um stärkere Heilmittel herzustellen. Zusammen mit dem begrenzten Inventar, der knappen Munition und den sicheren Räumen entsteht zumindest ansatzweise jene bekannte Spannung, bei der man überlegt, ob die nächste Patrone wirklich nötig ist. Besonders tief wird dieses System allerdings nie. Dafür fehlt es Ebola Village an genügend unterschiedlichen Gefahren und Ressourcen, um daraus über die gesamte Spielzeit interessante Entscheidungen entstehen zu lassen.

Das Waffenarsenal fällt entsprechend überschaubar aus. Messer, Pistole und Schrotflinte begleiten Maria durch praktisch das gesamte Abenteuer. Die Pistole erledigt den Großteil der Arbeit, während die Schrotflinte für größere Gefahren aufgespart wird. Das Messer eignet sich dagegen kaum als ernsthafte Alternative und dient häufig eher dazu, Gegenstände zu zerstören. Das Schießen selbst funktioniert ordentlich, ohne besonders präzise oder dynamisch zu sein. Vor allem die etwas steife Bewegung und gelegentlich umständliche Zielerfassung erinnern regelmäßig daran, dass hier kein großes Entwicklerteam am Werk war.

Dafür besitzt das Trefferfeedback einen gewissen Unterhaltungswert. Gegner reagieren sichtbar auf Beschuss, Haut und Körperteile können weggeschossen werden und Kopftreffer enden gerne übertrieben blutig. Das ist geschmacklos, passt aber zum restlichen Trash-Ton und macht die simplen Gefechte zumindest etwas befriedigender. Weniger gelungen ist die geringe Gegnervielfalt. Über weite Strecken begegnen uns hauptsächlich ähnliche Infizierte, später kommen weitere Kreaturen und einige Bossgegner hinzu. Taktisch verändert sich dadurch aber wenig. Meist reichen Abstand, genügend Munition und wiederholte Treffer.

Das größte Problem bleibt ohnehin, dass Ebola Village kaum eine eigene spielerische Identität entwickelt. Manche Anleihen an Resident Evil wären als liebevolle Hommage problemlos zu verschmerzen. In der Summe wirkt es aber, als hätte man nahezu jeden bekannten Bestandteil der Reihe zusammengesucht und in eine deutlich kleinere Produktion übertragen. Selbst einzelne Gegnerideen, Outfits, Namen, Inventarkonzepte und Szenen erinnern derart stark an Capcoms Spiele, dass aus Inspiration schnell Nachahmung wird. Gelegentlich blitzt eine eigene Idee auf, doch sie bekommt selten genügend Raum, um sich zu entwickeln.

Mit ungefähr drei bis fünf Stunden ist das Abenteuer immerhin kurz genug, dass sich seine Probleme nicht endlos wiederholen. Drei Schwierigkeitsgrade und optionale Sammelgegenstände bieten etwas zusätzlichen Anreiz, ein zweiter Durchgang dürfte aber nur für sehr hartnäckige Fans interessant sein. Ebola Village ist damit eher ein kurioser Horrorabend als ein Spiel, in dem man über Wochen versinkt.

Grafik

Optisch hinterlässt Ebola Village einen erstaunlich wechselhaften Eindruck. Einige Innenräume sind ordentlich gestaltet, die verfallenen Gebäude und russischen Einrichtungsdetails schaffen stellenweise eine brauchbare Atmosphäre und Beleuchtung sowie Nebel können durchaus stimmungsvolle Bilder erzeugen. Besonders die Villa und einige der dunkleren Innenbereiche zeigen, dass das Spiel visuell funktionieren kann, wenn seine einzelnen Elemente zusammenpassen.

Dann betreten Figuren die Szene. Charaktermodelle und Animationen wirken teilweise mehrere Generationen älter als die Umgebung, Bewegungen sehen steif aus und Cutscenes können unfreiwillig komisch werden. Auch bei der Gestaltung der Welt fehlt häufig eine gemeinsame Linie. Gebäude passen von außen nicht immer zu ihren Dimensionen im Inneren, verschiedene Objekte wirken wie Bestandteile völlig unterschiedlicher Produktionen und manche Assets passen weder stilistisch noch zeitlich glaubwürdig zusammen.

Auffällig ist zudem der Einsatz generativer KI bei einzelnen visuellen Bestandteilen. Besonders die Darstellung bestimmter Gegenstände und einige Bilder gegen Ende passen stilistisch kaum zum restlichen Spiel und verstärken den ohnehin uneinheitlichen Eindruck. Statt einer klaren künstlerischen Handschrift wirkt Ebola Village deshalb häufig wie ein Puzzle aus Elementen unterschiedlicher Herkunft.

Technisch sieht es etwas besser aus. Auf aktuellen Konsolen läuft das Abenteuer überwiegend stabil und auch die Ladezeiten halten sich im Rahmen. Vereinzelte Ruckler, Grafikfehler und ungenaue Interaktionsanzeigen kommen trotzdem vor. Gerade letztere können nerven, wenn mehrere verwendbare Objekte dicht nebeneinander liegen und das Spiel nicht klar erkennt, womit man eigentlich interagieren möchte.

Sound

Auch akustisch schwankt Ebola Village deutlich. Die Umgebungsgeräusche können durchaus funktionieren. Knarrende Türen, Schüsse, entfernte Geräusche und die gelegentliche Stille sorgen in den besseren Abschnitten für brauchbare Horrorstimmung. Gerade die Waffen klingen ausreichend wuchtig, damit das blutige Trefferfeedback auch akustisch Wirkung zeigt.

Weniger überzeugend ist die gesamte Abmischung. Manche Geräusche wirken zu laut oder tauchen an Stellen auf, an denen sie nicht richtig zum Geschehen passen. Auch die Musik bleibt größtenteils unauffällig und erreicht selten jene Spannung, die das Spiel offensichtlich anstrebt.

Die Sprachausgabe ist ausschließlich russisch verfügbar, was grundsätzlich hervorragend zum Schauplatz passen würde. Problematischer sind die Untertitel und Übersetzungen, die immer wieder holprig oder missverständlich formuliert sind. Dadurch wirken ohnehin seltsame Dialoge noch merkwürdiger und manche ernst gemeinte Szene rutscht endgültig in unfreiwillige Komik ab.

Fazit

Andreas
Andreas
YouGame Redaktion
Ebola Village ist schwer zu beurteilen, ohne ständig Resident Evil zu erwähnen, denn das Spiel selbst macht es praktisch unmöglich. Fast jede Mechanik, zahlreiche Gegnerideen und selbst kleine Details erinnern an Capcoms Reihe. Das wäre weniger problematisch, wenn aus diesen Vorbildern anschließend etwas Eigenständiges entstehen würde. Stattdessen bekommt man häufig eine deutlich unbeholfenere Version bekannter Ideen, kombiniert mit einer chaotischen Geschichte, sehr begrenzter Gegnervielfalt und einem Inventarsystem, das seine Spieler häufiger nervt als fordert.

Völlig ohne Reiz ist der kurze Trip ins russische Dorf trotzdem nicht. Einige Umgebungen funktionieren, die Erkundung kann Spaß machen, das übertriebene Schadensmodell besitzt seinen morbiden Unterhaltungswert und der enorme Trash-Faktor entwickelt gelegentlich einen eigenartigen Charme. Wer schlechte Horrorfilme gerade deshalb mag, weil sie schlecht sind, könnte auch Ebola Village mit einem gewissen Vergnügen durchspielen. Als ernsthafte Alternative zu seinen großen Vorbildern funktioniert es aber nicht. Dafür kopiert es zu viel und beherrscht von dem Kopierten zu wenig.
Grafik
6/10
Sound
6/10
Gameplay
6/10
Spielspaß
7/10