Während in den 90er Jahren mehrere Spiele rund um das DSA-Universum erschienen
sind, ist es in den letzten Jahren recht ruhig geworden rund um die Welt des
deutschen Pen&Paper-Systems. Nach den zwei Drakensang-Titel aus dem Hause
Radon Labs, nahm sich Daedalic Entertainment der Thematik an und entwickelte
ein Rollenspiel rund um Aventurien. Ob DSA auch ohne Würfel Spass machen kann,
haben wir in unserem Review versucht herauszufinden.
In Satinavs Ketten schlüpfen wir in die Rolle vom jungen Geron, der ein
tristes Leben führt, da ihn alle Mitbürger so gut es geht meiden. Dies liegt
daran, dass vor dreizehn Jahren ein Seher im Dorf aufgetauch war, der den Tod
des damaligen Königs und andere Schicksale vorhersah. Als sich diese
erfüllten, warf man ihn schnell auf den Scheiterhaufen, wo der blinde Mann
seine letzte Prophezeiung kundtat, denn Geron solle in einigen Jahren das Ende
bringen. Somit meiden nun alle den jungen Mann, der ein etwas einsames Leben
als Fallensteller genießt. Desweiteren passieren auch einige unheilvolle Dinge
rund um Geron, denn immer wieder gehen unterschiedliche Dinge in seiner Nähe
zu Bruch. Dies liegt jedoch daran, dass Geron eigentlich ein Magie-Dilettant
ist, sozusagen eine Person dessen magische Begabung nie erkannt und somit auch
nicht ausgebildet wurde und sich somit immer recht zufällig manifestiert.
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Das Spiel beginnt nun damit, dass die Königin des verfeindeten Nostria zu
Besuch ist und König Efferdan hierzu allerhand Veranstaltungen stattfinden
lässt. So auch die Eichblattqueste, bei der es Aufgaben zu lösen und somit
Eichenblätter zu sammeln gilt. Der Schnellste bekommt als Preis eine Audienz
beim König. Geron sieht dies als seine Chance und mit unserer Hilfe schafft er
es auch den Wettkampf zu gewinnen, doch was er als großen Gewinn ansieht,
ändert in weitere Folge Gerons ganzes Leben. Denn das Königreich wird von
einer Krähenplage heimgesucht und alle Personen, die an der Jagd des Sehers
teilgenommen haben, werden von ihnen getötet. Der König bittet nun Geron um
Hilfe die Krähen zu verbannen, doch dieser scheitert bei dem Versuch und
besucht seinen Ziehvater und Meister Gwinnlings. Der sieht den Seher als
Ursache allen Übels und um das Dilemma zu lösen, wird eine Fee benötigt und
schickt uns somit auf die Suche nach einer. So kreuzen sich unsere Wege nun
mit Nuridarinellavanda, kurz Nuri genannt, die stark mit unserem Schicksal
verbunden ist. Wir kehren mit ihr im Schlepptau ins Dorf zurück, wo Gwinnling
jedoch auch Opfer der Krähenplage geworden ist und im Sterben liegt. Als
letzten Wunsch bittet er uns, die Fee zu töten um Andergast zu retten. Doch
Geron bringt dies nicht übers Herz und reist mit ihr nach Norden in der
Hoffnung eine andere Lösung zu finden.
Schon durch diesen kleinen Einblick ins Spielgeschehen sieht man das sich Das
Schwarze Augen: Satinavs Ketten stark von den letzten Daedalic-Titeln
unterscheidet. Das Spiel ist um einiges düsterer geworden und hat nicht ganz
soviel schwarzen Humor, wie so mancher der letzten Titel. Ein großes Augenmerk
wurde auf eine gute und detailgetreue Umsetzung der DSA-Einzelheiten gesetzt
und währen die Pen&Paper-Fans mehr als erfreut über die Detailtreue sein
werden, kann so mancher Einsteiger in die Materie Anfangs leicht überfordert
werden. Wir können jedoch beruhigen, alle Rätsel sind auch ohne Vorkenntnisse
lösbar. Ganz zu Beginn des Spieles hat man sogar die Möglichkeit sich zwischen
zwei Schwierigkeitsstufen zu entscheiden. Nimmt man die Einsteiger-freundliche
Variante kann man die Hotspotanzeige aktivieren und bekommt somit alle
interessanten Punkte auf dem Screen angezeigt. Ebenso sieht man beim
Kombinationsassistenten, welche Gegenstände wir aktivieren können oder wo wir
sie anwenden können. Wer es lieber etwas schwieriger will, deaktiviert diese
Hilfen und knobbelt sich selbst durch das Spiel. Satinavs Ketten ist ansonsten
ein klassisches Adventure, dass den Spieler auch durchaus zum Nachdenken
bringt. Dies vor allem auch in ethischer Hinsicht. Nuri ist als Fee nicht von
dieser Welt und dadurch von nahezu allem naiv begeistert. Als Fee kann sie
jedoch zaubern, was in manchen Situationen durchaus wichtig wäre, wenn da
nicht die dazugehörigen Schmerzen wären, die Nuri erleiden muss. Ebenso
wünscht sie sich auf der Welt zu bleiben, doch erfahren wir recht schnell,
dass wir ihr Leben nur retten können, wenn wir sie zurück in ihre Welt
bringen.
Anders als bei Deponia ist Satinavs Ketten nicht DRM-frei, sondern wird mit
Steam-Anbindung veröffentlicht. Viele Spieler versuchten dagegen zu
protestieren, Daedalic betonte jedoch, dass die Zusammenarbeit mit Steam aus
wirtschaftlichen Gründen notwendig sei, da man das Spiel so auch international
vermarkten könne, was Geld in die Kassa bringt. Man kann nur hoffen, dass die
nächsten Titel wieder auf Steam verzichten werden. Wenigstens benötigt man
Steam nur zur Aktivierung und nicht aktiv zum Spielen.
Grafik
Obwohl Daedalic im Bereich der Bilder kurz vor Release noch einmal richtig
nachgebessert hat, so wirkt die Grafik leicht angestaubt. Die handgezeichneten
Bilder sind zwar detailreich und um die Welt zu beleben gibt es überall
animierte Kleinigkeiten zu sehen, aber hier gibt es schon besseres am Markt.
Auch die Zwischensequenzen sind gewöhnungsbedürftig, sind sie doch im Stil der
Bleistiftzeichnungen der DSA-Bücher gehalten. Richtig animierte Szenen gibt es
dabei nicht, es ist eher ein umblättern der einzelnen Bilder. Manche Spieler
werden begeistert sein, andere werden erfreut sein über die etwas andere Form
die Geschichte weiterzutreiben. Entscheidet selbst.
Sound
Im Sound-Bereich ist Daedalic bekannt stark und konnte uns wieder einmal
begeistern. Die Synchronstimmen wurden passend ausgewählt und verleihen den
Charakteren ein Leben. Teilweise merkt man jedoch die zu harten und genauen
Betonungen und merkt die Sprachausbildungen der einzelnen Sprecher heraus. Im
Hintergrund werden die Ohren vom wunderbaren Soundtrack verwöhnt, der das
Spiel wunderbar untermalt und den Spieler in Stimmung bringt. Käufer der
Erstauflage freuen sich hier auch über die beigelegte CD mit allen Liedern.
Fazit
zugeben, dass ich eher ein D&D-Spieler war. Dennoch hat mich Satinavs Ketten
vom ersten Moment an gefesselt. Obwohl das Spiel von der technischen Seite
nicht der neue Genreführer wird, da man gerade von Animationsseite mehr
gewöhnt ist, so besticht das Spiel durch seine Geschichte und der aufkommenden
Dramatik. Die Atmosphäre greift nach einiger Zeit um sich und will uns fast
nicht mehr vom PC weglassen. Adventure-Spielern sei das Spiel ans Herz gelegt,
man kann mit einem Kauf nichts falsch machen, denn Daedalic beweist auch
diesemal ihre Vormachtstellung im Adventure-Bereich. Aber auch Fans anderer
Genres, gerade Fans der DSA-Welt sollten durchaus einen Blick über den
Tellerrand wagen, ihr werdet es nicht bereuen.






