Die Tiefsee ist ohnehin schon ein unangenehmer Ort. Absolute Dunkelheit, kilometerweise Wasser über dem eigenen Kopf und das Gefühl, dass dort unten Dinge leben könnten, die man besser nie entdecken sollte. Genau daraus macht Cthulhu: The Cosmic Abyss ein Horror-Adventure, das weniger auf Schockmomente setzt, sondern viel stärker auf Atmosphäre, Spannung und langsamen Wahnsinn. Big Bad Wolf liefert damit kein klassisches Survival-Horror-Spiel ab, sondern einen ungewöhnlichen Mix aus Ermittlungsarbeit, Rätseln und kosmischem Horror im Stil von H.P. Lovecraft.
Die Geschichte spielt im Jahr 2053. Man übernimmt die Rolle von Noah, einem Ermittler für okkulte Vorfälle, der zunächst nur das Verschwinden einer Wissenschaftlerin untersucht. Die Spur führt allerdings schnell deutlich tiefer. Eine Forschungsstation am Meeresgrund wurde zum Schauplatz grausamer Ereignisse, Expeditionen verschwinden spurlos und irgendwo in den Tiefen wartet offenbar R’lyeh, die legendäre versunkene Stadt Cthulhus.
Cthulhu: The Cosmic Abyss verzichtet fast vollständig auf Kämpfe oder hektische Action. Stattdessen dreht sich fast alles um Erkundung, Analyse und das Zusammensetzen von Hinweisen. Noah untersucht Dokumente, Audio-Logs, Blutspuren und fremdartige Objekte, um herauszufinden, was mit der Besatzung der Forschungsstation passiert ist. Unterstützt wird man dabei von der KI Key, die direkt mit Noah verbunden ist und nicht nur Hinweise liefert, sondern im Laufe des Spiels selbst überraschend viel Persönlichkeit entwickelt.
Das Herzstück des Gameplays ist das Sonarsystem. Über unterschiedliche Frequenzen lassen sich Materialien, biologische Spuren oder bestimmte Gegenstände sichtbar machen. Anfangs sucht man damit einfache Hinweise, später analysiert man fremdartige Organismen, verfolgt Blutspuren durch Unterwasserlabyrinthe oder versucht versteckte Mechanismen uralter Tempel freizulegen. Diese Idee funktioniert erstaunlich gut und sorgt regelmäßig für echte Erfolgsmomente.
Besonders stark ist dabei, dass Cthulhu: The Cosmic Abyss seine Spieler:innen ernst nimmt. Das Spiel erklärt nicht permanent jeden Schritt und überlässt viele Schlussfolgerungen dem eigenen Denken. Viele Rätsel fühlen sich dadurch tatsächlich wie Ermittlungsarbeit an und nicht bloß wie das stumpfe Abarbeiten von Wegpunkten. Wenn plötzlich Zusammenhänge sichtbar werden und man selbst auf die richtige Lösung kommt, entsteht ein sehr befriedigendes Gefühl. Allerdings übertreibt es das Spiel manchmal mit seiner Komplexität. Einige Rätsel geraten unnötig kryptisch oder verlieren sich in Details, die leicht zu übersehen sind. Gerade spätere Puzzlepassagen können dadurch frustrieren. Hinzu kommt, dass bestimmte Mechaniken etwas hakelig wirken. Das Manipulieren von Objekten funktioniert nicht immer sauber und einige Lösungen ziehen sich länger, als sie eigentlich müssten.
Dazu kommt ein weiteres Problem. Cthulhu: The Cosmic Abyss liebt es, seine Spieler:innen suchen zu lassen. Das passt zwar grundsätzlich zur Atmosphäre, sorgt aber manchmal dafür, dass das Tempo unnötig ausgebremst wird. Wer keine Geduld für langsam erzählte Spiele mit komplexeren Rätseln hat, dürfte relativ schnell die Motivation verlieren.
Die Geschichte selbst entwickelt dagegen einen starken Sog. Big Bad Wolf kombiniert klassische Lovecraft-Elemente mit futuristischer Science Fiction und erschafft damit eine angenehm eigenständige Atmosphäre. Gerade die Mischung aus moderner Technologie, künstlicher Intelligenz und uraltem kosmischen Horror funktioniert überraschend gut. Die Entwickler schaffen es, die bekannte Mythologie modern wirken zu lassen, ohne bloß bekannte Motive zu kopieren. Besonders gelungen ist außerdem das Korruptionssystem. Viele Rätsel besitzen zwei Lösungswege. Der einfachere Weg bringt Noah näher an den Wahnsinn und verstärkt den Einfluss Cthulhus. Der schwierigere Weg hilft dabei, geistig stabil zu bleiben. Das passt hervorragend zur Thematik des Spiels und sorgt gleichzeitig für Wiederspielwert und unterschiedliche Enden.
Atmosphärisch spielt Cthulhu: The Cosmic Abyss ohnehin seine größte Stärke aus. Die Tiefsee wird hier nicht bloß als hübsche Kulisse benutzt. Dunkelheit, Isolation und die ständige Unsicherheit erzeugen konstant ein unangenehmes Gefühl. Viele Momente leben gerade davon, dass man nie genau weiß, ob wirklich Gefahr droht oder ob das Spiel nur mit der eigenen Erwartungshaltung spielt.
Grafik
Visuell gehört Cthulhu: The Cosmic Abyss definitiv zu den beeindruckenderen Horror-Spielen der letzten Jahre. Die Unreal Engine 5 sorgt für fantastische Lichtstimmungen, detaillierte Umgebungen und unglaublich starke Unterwasser-Kulissen. Die verlassenen Forschungsstationen wirken bedrückend und glaubwürdig, während spätere Gebiete immer surrealer und fremdartiger werden.
Vor allem die Darstellung von R’lyeh bleibt lange im Gedächtnis. Massive Bauwerke ragen in unmöglichen Winkeln aus der Dunkelheit hervor, Räume wirken physikalisch falsch und manche Abschnitte erinnern eher an einen Fiebertraum als an klassische Spielwelten. Genau hier trifft das Spiel den Lovecraft-Ton perfekt.
Auch die Kreaturendesigns überzeugen. Big Bad Wolf setzt Monster nicht inflationär ein, sondern nutzt sie gezielt. Dadurch behalten viele Begegnungen ihre Wirkung und fühlen sich deutlich unangenehmer an als permanente Dauerbeschallung mit Horrormotiven.
Ganz fehlerfrei läuft das Spiel allerdings nicht. Es kommt immer wieder zu kleineren Performanceproblemen, gelegentlichen Rucklern und einzelnen Bugs. Besonders ärgerlich ist das Autosave-System, das manchmal unnötig Fortschritt verlieren lässt. Diese Probleme zerstören das Erlebnis zwar nicht komplett, verhindern aber, dass die Präsentation vollkommen rund wirkt.
Sound
Der Sound gehört klar zu den größten Stärken des Spiels. Statt permanenter Musik setzt Cthulhu: The Cosmic Abyss oft auf Stille, dumpfe Unterwassergeräusche, metallisches Knarzen oder entfernte, kaum einzuordnende Geräusche aus der Dunkelheit. Gerade dadurch entsteht konstant Spannung.
Wenn Musik eingesetzt wird, unterstützt sie die Atmosphäre hervorragend und drängt sich nie unnötig in den Vordergrund. Besonders in späteren Abschnitten rund um R’lyeh sorgt die Klangkulisse regelmäßig für Gänsehaut.
Auch die Sprecherleistungen gehen insgesamt in Ordnung. Zwar wirken manche Dialoge etwas steif, dafür funktionieren die Audio-Logs der zunehmend wahnsinnigen Expeditionsteilnehmer hervorragend. Gerade diese kleinen Geschichten im Hintergrund tragen viel zur bedrückenden Atmosphäre bei.
Fazit
Nicht jede Idee funktioniert perfekt. Manche Rätsel geraten unnötig sperrig, die Steuerung wirkt gelegentlich hakelig und technische Probleme bremsen das Erlebnis immer wieder aus. Gleichzeitig schafft es das Spiel aber, eine der atmosphärisch dichtesten Lovecraft-Adaptionen der letzten Jahre zu liefern. Die Mischung aus Science Fiction, Tiefseehorror und kosmischem Wahnsinn entwickelt einen starken Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Vor allem Spieler:innen, die Freude an komplexeren Rätseln, langsamen Horror-Erfahrungen und investigativem Gameplay haben, sollten Cthulhu: The Cosmic Abyss unbedingt im Auge behalten. Das Spiel verlangt Geduld und Aufmerksamkeit, belohnt dafür aber mit einer faszinierenden Reise in die Dunkelheit.






