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Review: Ancient Farm

von Andreas · ca. 5 Min. Lesezeit
Ancient Farm

Wie weit trägt ein Farming-Spiel, wenn es dir fast alles nimmt, was das Genre sonst bequem macht. Keine Dorfgemeinschaft, keine Romanzen, kaum Automatisierung, kein richtiges Sicherheitsnetz und statt vertrauter Wohlfühlroutine vor allem Handarbeit unter der Sonne Ägyptens. Genau daraus zieht Ancient Farm zunächst einen guten Teil seines Reizes. Die Idee, den Aufbau eines Bauernhofs in die Welt des Alten Ägypten zu verlegen, hat sofort etwas Eigenes. Das Problem ist nur, dass das Spiel aus diesem starken Grundgedanken auf Dauer zu wenig macht.

Dabei beginnt alles durchaus vielversprechend. Man sammelt Äste und Steine ein, baut erste Werkzeuge, richtet ein kleines Feld her und lernt schnell, dass hier jeder Fortschritt erst einmal mühsam erarbeitet werden muss. Das passt zum Setting, wirkt anfangs angenehm entschleunigt und vermittelt tatsächlich das Gefühl, dass Landwirtschaft hier noch echte Arbeit ist. Genau deshalb funktioniert Ancient Farm in seinen ersten Stunden besser, als man es nach dem eher schlichten Auftritt vielleicht erwarten würde.

Eine richtige Geschichte erzählt Ancient Farm nicht. Es gibt weder eine ausgearbeitete Handlung noch Figuren, die den Alltag auf dem Hof mit Leben füllen würden. Stattdessen verfolgt das Spiel einen fast komplett sandboxartigen Ansatz. Das einzige klar erkennbare Fernziel ist der Bau eines Tempels, doch darüber hinaus bleibt die Motivation weitgehend dir selbst überlassen. Das kann funktionieren, wenn die Systeme darunter stark genug sind. Hier ist das aber nur teilweise der Fall.

Der Einstieg gelingt dem Spiel noch ziemlich gut. Das optionale Tutorial ist ausführlich, verständlich und gerade deshalb wichtig, weil viele Mechaniken nicht sofort intuitiv wirken. Werkzeuge müssen erst hergestellt werden, Wasser wird nicht einfach mit einem einzigen Gefäß geholt und verteilt, sondern über mehrere Schritte organisiert, und auch Tiere, Gebäude und Produktionsstationen greifen erst nach und nach ineinander. Anfangs hat das etwas angenehm Bodenständiges. Du legst dein Feld an, kümmerst dich um erste Pflanzen, baust eine Werkstatt, kaufst Saatgut beim Händler und arbeitest dich langsam in den Rhythmus aus Pflanzen, Gießen, Ernten und Verkaufen hinein.

Spätestens nach einigen Stunden zeigt sich jedoch, dass das Spiel kaum wächst. Was du am Anfang lernst, bleibt im Kern auch das, was du später tust. Neue Produktionsketten, Tiere oder Gebäude sorgen zwar oberflächlich für mehr Optionen, verändern den eigentlichen Ablauf aber kaum. Vieles fühlt sich eher wie Variation desselben Prinzips an als wie echte Weiterentwicklung. Genau hier verliert Ancient Farm an Zugkraft, weil der Spielspaß nicht aus neuen Ideen gespeist wird, sondern fast nur noch aus Wiederholung.

Hinzu kommt, dass manche Systeme unnötig umständlich geraten sind. Wasser ist das beste Beispiel. Statt diesen zentralen Teil des Farmalltags elegant und nachvollziehbar zu lösen, wirkt er oft eher wie ein kleiner Arbeitsunfall im Design. Man läuft ständig zum Fluss, füllt Behälter, tauscht Werkzeuge, gießt einzelne Felder und wiederholt diese Routine in einer Frequenz, die schnell ermüdet. Dass Werkzeuge dazu noch vergleichsweise schnell verschleißen und man häufiger im Inventar hantiert, als es dem Spielfluss guttut, verschärft das Problem zusätzlich. Der Anspruch auf historische Handarbeit ist nachvollziehbar, aber das allein rechtfertigt nicht jede Form von Umständlichkeit.

Die drei Jahreszeiten bringen immerhin etwas Struktur ins Spiel. Bestimmte Pflanzen gedeihen nur in bestimmten Phasen gut, andere wachsen am Wasser, und manches lohnt sich nur, wenn man sauber vorausplant. Diese saisonale Ordnung ist eine der besseren Ideen des Spiels, weil sie den Anbau wenigstens leicht aus der reinen Routine heraushebt. Wirklich spannend wird das System aber auch dadurch nicht, weil es zu wenig Druck und zu wenig Überraschung gibt. Es gibt keinen Hunger, keinen Schlafzwang, keine ernsthafte Gefahr, keine Naturereignisse, keine NPCs, die eigene Bedürfnisse oder Handelssysteme mitbringen würden. Das Ergebnis ist ein Hof, der zwar wächst, aber seltsam losgelöst von jeder echten Welt bleibt.

Genau deshalb fühlt sich Ancient Farm oft so an, als hätte es zwar viele Einzelteile eines größeren Simulationsspiels, aber kaum etwas, das diese Teile wirklich zwingend miteinander verbindet. Tiere kannst du halten, musst du aber nicht wirklich. Kochen ist möglich, aber nicht essenziell. Produktionsketten existieren, aber selten so, dass sie das Spiel spürbar spannender machen würden. Dadurch fehlt vielen Mechaniken letztlich die Notwendigkeit. Man kann sich mit ihnen beschäftigen, aber das Spiel gibt einem selten einen guten Grund dafür.

Grafik

Optisch ist Ancient Farm ordentlich, aber nicht besonders eindrucksvoll. Die warme Farbpalette, der Nil, die Felder und die eher schlichte Architektur erzeugen durchaus eine passende Grundstimmung, und gerade zu Beginn hat das leere Stück Land mit seinem Potenzial einen gewissen Reiz. Das Spiel lebt visuell vor allem davon, dass du Schritt für Schritt selbst etwas aufbaust und die Umgebung dadurch langsam strukturierter wird.

Trotzdem bleibt vieles erstaunlich statisch. Die Welt wirkt leer, fast steril, und gerade weil es kaum Menschen, kaum Bewegung und kaum Ereignisse gibt, entsteht nie das Gefühl eines lebendigen Ortes. Das Alte Ägypten ist hier eher Kulisse als wirkliche Welt. Es sieht nicht schlecht aus, aber auch nicht so, als wäre dieses Setting spielerisch oder atmosphärisch wirklich ausgereizt worden.

Sound

Der Sound verhält sich ähnlich zurückhaltend wie die Grafik. Die Musik ist dezent, teilweise angenehm und unterstützt die ruhige Grundstimmung, ohne sich jemals in den Vordergrund zu drängen. Das passt zwar zur gemächlichen Spielidee, hat aber den Nachteil, dass akustisch kaum ein Moment wirklich hängen bleibt.

Noch deutlicher merkt man das an der Umgebung. Es fehlt an einer Klangkulisse, die den Ort belebt. Tiere, Werkzeuge und Naturgeräusche sind vorhanden, aber so reduziert eingesetzt, dass die ganze Farm oft stiller wirkt, als sie eigentlich sein dürfte. Das unterstützt zwar die Einsamkeit des Spiels, lässt die Welt aber auch noch leerer erscheinen, als sie ohnehin schon ist.

Fazit

Andreas
Andreas
YouGame Redaktion
Ancient Farm hat eine gute Grundidee und in seinen ersten Stunden auch einen gewissen Sog. Das liegt vor allem daran, dass das Spiel den simplen Alltag eines Bauernhofs im Alten Ägypten zunächst angenehm direkt und bodenständig vermittelt. Wer sich gern auf ruhige Routinen einlässt und kein Problem damit hat, vieles von Hand zu erledigen, wird hier durchaus Momente finden, in denen das Spiel genau das liefert, was es verspricht.

Auf Dauer wird aber deutlich, dass das nicht reicht. Zu viele Systeme bleiben oberflächlich, zu wenig Mechaniken greifen wirklich ineinander, und dem ganzen Spiel fehlt eine Form von Entwicklung, die über bloßes Wiederholen hinausgeht. Das Setting ist interessant, wird aber kaum genutzt, um das Genre wirklich neu zu denken. Am Ende bleibt ein Farming-Spiel, das nicht schlecht ist, aber spürbar hinter seinem Potenzial zurückbleibt. Wer vor allem Entschleunigung sucht, kann hier ein paar ruhige Stunden verbringen. Wer sich von der Prämisse mehr Tiefe, mehr Atmosphäre und mehr Eigenständigkeit erhofft, wird eher enttäuscht sein.
Grafik
6/10
Sound
6/10
Gameplay
6/10
Spielspaß
6/10