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Review: Mouse: P.I. For Hire

von Andreas · ca. 6 Min. Lesezeit
Mouse: P.I. For Hire

Eine Maus im Trenchcoat, ein Schwarz-Weiß-Look wie aus einem alten Cartoon der 1930er Jahre und dazu ein Boomer-Shooter, der mehr mit Doom als mit Disney zu tun hat. Mouse: P.I. For Hire hätte sehr leicht nur ein witziger Trailer-Gag bleiben können. Stattdessen zeigt Fumi Games, dass hinter dem ungewöhnlichen Stil ein überraschend runder Shooter steckt, der nicht nur gut aussieht, sondern auch spielerisch einiges zu bieten hat.

In Mouse: P.I. For Hire schlüpfen wir in die Rolle von Jack Pepper, einem abgebrühten Privatdetektiv in Mouseburg. Die Stadt steckt tief in Korruption, Gewalt und gesellschaftlichen Spannungen. Was zunächst wie ein klassischer Vermisstenfall beginnt, führt Jack immer tiefer in ein Netz aus Gangstern, zwielichtigen Politikern, schmutzigen Deals und düsteren Geheimnissen. Die Geschichte bedient bewusst Film-noir-Motive, vom müden Ermittler über die Femme fatale bis hin zu einer Stadt, in der hinter jeder Tür ein neuer Verrat warten könnte.

Besonders gelungen ist, dass Mouse: P.I. For Hire seine Cartoon-Optik nicht mit harmloser Kinderunterhaltung verwechselt. Hinter den Käse-Witzen, Slapstick-Momenten und überzeichneten Figuren steckt eine erstaunlich düstere Krimihandlung. Es geht um Machtmissbrauch, Polizeigewalt, Entführungen, Mord und gesellschaftliche Ausgrenzung. Nicht jeder Ton sitzt dabei perfekt, weil die Mischung aus albernem Wortwitz und schweren Themen manchmal etwas hart aufeinanderprallt. Trotzdem funktioniert die Geschichte über weite Strecken, weil sie genügend Tempo besitzt und Jack Pepper als Hauptfigur genug Charisma mitbringt, um durch diese seltsame Welt zu tragen.

Spielerisch ist Mouse: P.I. For Hire in erster Linie ein klassischer Boomer-Shooter. Ihr rennt, springt, dash’t und ballert euch durch lineare, aber angenehm verschachtelte Levels. Stillstand wird selten belohnt. Jack muss ständig in Bewegung bleiben, gegnerischem Feuer ausweichen, Munition aufsammeln, Heilung finden und seine Waffen sinnvoll einsetzen. Das Gunplay ist direkt, schnell und angenehm wuchtig. Gerade wenn mehrere Gegnergruppen gleichzeitig aus verschiedenen Richtungen anrücken, entsteht ein guter Spielfluss, der sich klar an alten Shootern orientiert, aber modern genug wirkt, um heute nicht verstaubt zu erscheinen.

Das Waffenarsenal gehört zu den großen Stärken. Neben Pistole, Schrotflinte und Tommy Gun gibt es deutlich verrücktere Werkzeuge, etwa Säurewaffen, Kanonen oder andere cartoonhafte Spielereien. Die Waffen lassen sich mit gefundenen Blaupausen verbessern, wodurch nicht nur Werte wie Schaden oder Magazingröße steigen, sondern auch alternative Feuermodi freigeschaltet werden. Das motiviert zum Erkunden und sorgt dafür, dass sich die Ausrüstung über die Kampagne hinweg spürbar weiterentwickelt.

Ganz perfekt ist die Balance allerdings nicht. Auf normalem Schwierigkeitsgrad ist Mouse: P.I. For Hire oft eher großzügig als fordernd. Heilung, Munition und Rüstung liegen reichlich herum, wodurch echte Ressourcenknappheit selten aufkommt. Dadurch nutzt man irgendwann vor allem die stärksten und verlässlichsten Waffen, statt ständig zwischen dem gesamten Arsenal zu wechseln. Das ist schade, weil das Spiel eigentlich genug kreative Waffenideen besitzt, um mehr taktische Abwechslung zu ermöglichen.

Die Gegner erfüllen klassische Rollen. Kleine Ganoven stürmen in Gruppen auf Jack zu, Schützen setzen ihn aus der Distanz unter Druck, bullige Feinde zwingen zum Ausweichen, fliegende Gegner bringen zusätzliche Unruhe in die Arenen. Das funktioniert solide, bleibt aber bei den Standardgegnern etwas zu vorhersehbar. Die Bosskämpfe sind deutlich spannender, weil sie mit eigenen Angriffsmustern, besonderen Arenen und klareren Mechaniken arbeiten. Gerade hier zeigt Mouse: P.I. For Hire, wie stark sein Kampfsystem sein kann, wenn es mehr Druck aufbaut.

Abseits der Kämpfe punktet das Spiel mit starken Levels. Mouseburg und die umliegenden Schauplätze sind deutlich abwechslungsreicher, als man zuerst erwarten würde. Ihr besucht Hinterhöfe, Polizeistationen, Filmstudios, Opernhäuser, Spukhäuser, Labore und weitere Orte, die immer wieder neue visuelle und spielerische Akzente setzen. Besonders schön ist, dass die Level voller Geheimnisse stecken. Hinter zerstörbaren Wänden, Kisten, Schächten und versteckten Schaltern warten Geld, Sammelkarten, Comicseiten, Munition oder Upgrade-Material. Diese Secrets fühlen sich nicht wie Pflichtarbeit an, sondern wie eine echte Belohnung für neugierige Spieler:innen.

Im Verlauf lernt Jack neue Bewegungsfähigkeiten, darunter Doppelsprung, Greifhaken, Gleitmanöver und Wallrun. Dadurch werden die Areale vertikaler und die Erkundung gewinnt an Tiefe. Mouse: P.I. For Hire wird dadurch zwar nicht zum Metroidvania, weil alte Levels nicht großflächig mit neuen Fähigkeiten erneut aufgebrochen werden. Trotzdem entsteht ein angenehmes Progressionsgefühl, weil sich Jacks Bewegungsspielraum sichtbar erweitert.

Die Detektivarbeit fällt einfacher aus, als das Noir-Setting vermuten lässt. Hinweise werden gesammelt, in Jacks Büro sortiert und miteinander verbunden, doch echte Denkarbeit verlangt das Spiel kaum. Schlussfolgerungen entstehen größtenteils automatisch, und die Ermittlungen dienen eher als Struktur zwischen den Missionen. Das ist kein Beinbruch, weil Mouse: P.I. For Hire klar als Shooter funktioniert. Wer sich aber ein L.A. Noire mit Mausohren erwartet, wird enttäuscht sein.

Dazu kommen kleinere Nebenaufgaben und ein Sammelkartenspiel rund um Baseballkarten. Die Nebenquests sind meist simple Botengänge, fügen sich aber gut in die Welt ein und lassen sich beim Erkunden nebenbei erledigen. Das Kartenspiel ist simpel, aber charmant genug, um als kleine Ablenkung zu funktionieren. Insgesamt bietet Mouse: P.I. For Hire für seinen Preis einen überraschend ordentlichen Umfang. Je nach Spielweise ist man ungefähr 10 bis 20 Stunden beschäftigt.

Grafik

Optisch ist Mouse: P.I. For Hire ein echter Hingucker. Der Schwarz-Weiß-Stil der frühen Zeichentrickfilme, die Rubber-Hose-Animationen und die Mischung aus 2D-Figuren und 3D-Umgebungen ergeben einen Look, den man sofort wiedererkennt. Das Spiel wirkt, als wäre ein alter Cartoon plötzlich gewalttätig geworden und hätte sich in einen Shooter verwandelt.

Die Figuren sind liebevoll animiert, die Waffen wippen überzeichnet durch das Bild, Gegner sterben in grotesken Slapstick-Animationen, und selbst kleine Details wie Gesundheitsanzeige, Menüs oder Sammelobjekte passen zur Gesamtästhetik. Besonders stark sind die vielen kleinen Gags im Hintergrund. Mouse: P.I. For Hire lebt von solchen Details, weil sie zeigen, wie viel Sorgfalt Fumi Games in diese Welt gesteckt hat.

Auch die Schauplätze überzeugen. Filmstudios, Opernhäuser, Häfen, Labore oder düstere Herrenhäuser bringen genug Abwechslung, damit sich der Schwarz-Weiß-Look nicht sofort abnutzt. Trotzdem kann die monochrome Optik auf Dauer etwas gleichförmig wirken, besonders in längeren Spielsessions. Das ändert nichts daran, dass Mouse: P.I. For Hire visuell enorm stark ist. Ein optionaler Farbmodus wäre dennoch interessant gewesen.

Technisch macht das Spiel überwiegend einen sauberen Eindruck. Kleinere Bugs und Clipping-Fehler können auftreten, stören den Gesamteindruck aber nicht massiv. Wichtiger ist, dass die Lesbarkeit trotz der verspielten Optik meistens gut bleibt. Interaktive Elemente, Munition und Heilung sind klar erkennbar, wodurch das Spiel selten unübersichtlich wird.

Sound

Der Sound ist fast so wichtig wie die Grafik. Mouse: P.I. For Hire lebt von seinem Jazz- und Swing-Soundtrack, der perfekt zur 1930er-Jahre-Noir-Stimmung passt. Ruhige Passagen werden mit gedämpfter Musik unterlegt, während Kämpfe deutlich mehr Energie bekommen. Gerade wenn das Spiel seine Action mit treibendem Big-Band-Sound kombiniert, entsteht eine starke Dynamik.

Auch die Soundeffekte passen hervorragend zum Cartoon-Stil. Waffen klingen knackig, Explosionen haben Wucht, und viele kleine Geräusche wirken bewusst überzeichnet, ohne ins Nervige abzurutschen. Dazu kommen optionale Audiofilter, die dem Spiel noch mehr Retro-Charakter verleihen können.

Die englische Sprachausgabe ist hochwertig. Besonders Troy Baker gibt Jack Pepper die nötige Mischung aus trockenem Noir-Erzähler, müdem Ermittler und zynischem Sprücheklopfer. Auch die Nebenfiguren sind stark vertont. Schade ist nur, dass es keine deutsche Sprachausgabe gibt. Deutsche Untertitel sind vorhanden und offenbar gut geschrieben, doch gerade bei einem so stark inszenierten Spiel wäre eine zusätzliche deutsche Vertonung ein schöner Bonus gewesen.

Fazit

Andreas
Andreas
YouGame Redaktion
Mouse: P.I. For Hire ist deutlich mehr als ein hübscher Stiltrick. Fumi Games verbindet den Look alter Schwarz-Weiß-Cartoons mit einem schnellen, gut spielbaren Boomer-Shooter und einer düsteren Noir-Geschichte, die trotz einiger Tonalitätsbrüche funktioniert. Das Ergebnis ist ein Spiel, das sofort auffällt, aber nicht nur von seiner Optik lebt.

Am stärksten ist Mouse: P.I. For Hire, wenn Gunplay, Leveldesign und Präsentation zusammenspielen. Die Waffen machen Spaß, die Bosskämpfe stechen heraus, die Levels belohnen gründliche Erkundung, und die vielen kleinen Gags sorgen dafür, dass Mouseburg lebendig wirkt. Schwächer sind die eher oberflächliche Detektivarbeit, die auf normalem Schwierigkeitsgrad etwas zu großzügige Balance und die begrenzte Gegnervielfalt. Trotzdem bleibt ein sehr unterhaltsamer Shooter mit eigener Identität.

Wer schnelle Retro-Shooter mag, sich vom Cartoon-Look angesprochen fühlt und keine tiefgehende Detektivsimulation erwartet, bekommt mit Mouse: P.I. For Hire eines der originelleren Actionspiele des Jahres.
Grafik
9/10
Sound
9/10
Gameplay
8/10
Spielspaß
8/10