Simulationen sind so beliebt, wie noch nie zuvor und für viele Gamer sind die Verkaufszahlen so mancher Landwirtschaftssimulation, die in die Millionen
gehen, nicht nachvollziehbar. Was sich jedoch gut verkauft, zieht neue Entwickler an und deswegen verwundert es nicht, dass uns nun mit Farm-Experte 2016 ein
Neueinsteiger im Genre vorliegt. Wie haben uns die letzten Tage die Stiefel und den Arbeitsanzug angezogen um herauszufinden, was die polnischen Entwickler
so produziert haben.
Als Kind träumt man immer seinen eigenen Bauernhof zu haben und lebt seinen Traum in der Welt von Duplo und Lego aus. Seit einigen Jahren kann man seinen
Traum in Landwirtschaftssimulationen am PC ausleben und sich um seinen eigenen Hof kümmern ohne sich dabei selbst schmutzig zu machen. Mit Farm-Experte
versucht nun der polnische Entwickler Silden einen Teil vom Kuchen abzubekommen, probiert dies aber geschickt durch ein paar Genreneuheiten. Den Käufer
erwarten insgesamt drei unterschiedliche Gebiete, viele lizensierte Landwirtschaftsmaschinen, einen dynamischen Tag- und Nachtwechsel und als Zuckerl sogar noch
eine riesige Viehzucht und erstmalig den Obstanbau.
Als Spielmodi gibt es das Freie Spiel, welches ihr quasi ohne Ende spielen könnt und den Karriermodus. Zweiterer ist gerade zu Beginn des Spieles sehr
empfehlenswert, da man langsam und genügsam in das Spiel und seine Mechaniken eingeführt wird. Sogut wie jeder Griff und jede Taste wird im Tutorial erklärt,
dafür sollte man sich auch genügend Zeit nehmen, denn die zwei Stunden kann man hier schon leicht erreichen.
Das Spielprinzip ist eigentlich ziemlich logisch und schnell erklärt. Passend zur Jahreszeit gilt es im Spiel die Pflichten eines Bauern zu erfüllen, die
Felder zu bearbeiten, zu bestellen, die Früchte der harten Arbeit zu ernten und zu verkaufen. Für alle Schritte gibt es die passenden Geräte, wo die
Original-Maschinen bekannter Marken nachgebaut wurden. Es stehen uns dabei jedoch nicht alle Maschinen sofort zur Verfügung, sondern teilweise müssen wir
erst das benötigte Geld sammeln um unseren Fuhrpark erweitern zu können. Schade ist jedoch, dass die Anzahl der Fahrzeuge überschaubar ist, hier hat die
Konkurrenz eindeutig mehr Auswahl. Das Handling geht dafür recht gut von der Hand, einzig die Tatsache, dass man den Rückwärtsgang extra einlegen muss, ist
im ersten Moment gewöhnungsbedürftig. Vorteilhaft ist dafür, dass es einen Tempomaten gibt und lange Fahrten so angenehmer werden. Das Fahrverhalten ändert
sich mit jedem Fahrzeug, total unrealistisch sind jedoch die Kollisionen.
Der Jahreszeitenwechsel ist optisch kaum zu erkennen, der Winter wird zum Beispiel vollständig übersprungen, dennoch müssen wir den Kalender immer im Auge
behalten, denn unsere Pflanzen wachsen nur langsam, was der Realität nachempfunden ist. Ebenso ist es wichtig, dass wir sehr gewissenhaft den Acker
bearbeiten, denn unsere Felder geben uns genaues Feedback über unsere Arbeit. Haben wir schief gesät, wachsen die Pflanzen auch schief. Weniger anspruchsvoll
sind hier unsere Obst-Bäume, die es in anderen Spielen so noch nicht gab. Zwar dauert es Jahre bis aus unseren Setzlingen Bäume geworden sind, um dann mit
eigenem Equiptment durchzufahren und die Früchte zu ernten. Ähnlich simpel geht es bei unseren Tieren zu, wo wir von Kühen über Hühner bis zu Schafen
einiges an Auswahl haben. Man kann die Nahrungsmittelerstellung entweder selbst übernehmen oder das Futter einfach vom Händler zukaufen. Ist immer genug Futter
da, verdienen wir über die tierischen Produkte wie Milch oder Eier auch ein zusätzliches Geld.
Felder zu bestellen und zu pflegen braucht natürlich einiges an Zeit. Wer sich diese nicht immer nehmen will, kann sich auch Hilfsarbeiter anstellen. Diese
übernehmen dann auch quasi alle Aufgaben, die ihr loswerden wollt. Bezahlt wird nach Feldgröße und als Spieler muss man am Ende nur noch den Ertrag wegschaffen.
So hilfreich die Mitarbeiter sind, so wenig hilfreich ist das Spiel teilweise selbst. Die zwei Übersichtskarten sind leider unübersichtlich, eine Übersicht
über unsere Fahrzeuge existiert leider auch nicht.
Grafik
Für ein Simulationsspiel wird eine unglaublich gute Grafik präsentiert und die Landstimmung wird perfekt dargestellt. Hinzu kommt noch eine richtig schöne
Lichtdarstellung samt realistischer Schatten und einem dynamischen Tag-Nacht-Wechsel. Schade ist, dass das Spiel zeitweise leichtes Kanterflimmern aufweist
und man immer wieder das Gittermodell im Boden erkennt. Ebenso scheinen manche Objekte teils keine Kollisionsabfrage zu haben, sodass man durch sie durchfahren kann,
manche Objekte schweben wiederum einfach in der Luft. Gottseidank sind die Fehler nicht wirklich Spielspass zerstörend. Schade ist noch, dass die Spielwelt
sehr leblos wirkt und man abseits unserer eigenen Fahrzeuge niemanden sonst in der Spielwelt sieht.
Sound
Simulationen fallen selten durch ihre musikalische Untermalung auf und Landwirtschaftssimulationen sind da keine Ausnahmen. Die Soundeffekte im Spiel sind
jedoch gut umgesetzt und klingen realistisch. Während wir in Fahrzeugen unterwegs sind, können wir dem eingebauten Radiosender zuhören. Schade ist jedoch,
dass es so wenige Lieder gibt und diese somit rasch zu nerven beginnen. Eine Sprachausgabe wird man vergeblich suchen, denn diese wurde nicht umgesetzt.
Multiplayer
Einen Mehrspielerbereich gibt es in Farm-Experte 2016 leider gar nicht, es ist deswegen auch nicht möglich den eigenen Hof mit anderen Spielern gemeinsam zu
bebauen. Ebenso nicht integriert wurde ein Modding-Bereich, der bei Spielern von Landwirtschaftssimulationen immer sehr beliebt ist. Hier hinkt das Spiel der
Konkurrenz sehr hinterher und man kann nur hoffen, dass dies beim Nachfolger eingebaut wird.
Fazit
Innovationsarmut. Aus diesem Grund muss man den Markteinstieg von Silden mit Farm-Experte 2016 als sehr positiv sehen, der das Geschäft sicher beleben wird.
Vor allem, weil das Spiel alles andere als schlecht ist. Es hat viele gute Ansätze und bringt mit dem Obstanbau eine gelungene neue Anbaumethode. Schade ist
jedoch, dass das Spiel dennoch einige Fehler hat. Die Grafik hat immer wieder kleinere Fehler, die Musik nervt nach einiger Zeit und auch die
Kollisionskontrolle scheint nicht immer zu funktionieren und wirkt bei Unfällen absolut unrealistisch. Zusammengefasst kann man sagen, dass der Farm-Experte
eine gelungene Abwechslung ist und mit ein wenig Arbeit an den Schwächen wird der Kampf um die Simulationskrone nächstes Jahr richtig spannend.






