Was wurde nicht schon alles über The Order 1886 geschrieben und wie sehr wurde nicht schon über das Spiel geschimpft. Bevor das Spiel
schon im Handel war und es überhaupt schon jemand angespielt hatte, schoss sich die Spielercommunity schon auf den Titel ein. Nun ist
das Spiel endlich erschienen und wir haben uns für euch durch das Spiel geschossen. Manche Kritik hat sich leider bestätigt, manche
Punkte fanden wir jedoch einfach doch übertrieben. Mehr darüber erfahrt ihr in unserem neuesten Review.
Das Interessante an The Order: 1886 ist auf jeden Fall das Spielesetting und die Geschichte. Wir werden in eine Steampunk-Version von
London im späten 19. Jahrhundert versetzt, wo alte Geschichte auf moderne Technologien trifft. Da man hierfür noch eine interessante
Geschichte braucht, wurde eine alte Feindschaft zwischen einem edlen Ritterorden und Werwölfen erfunden um uns ein vollkommen neues
Spielerlebnis zu schenken und dies ist wahrlich gelungen. Wir schlüpfen nämlich in die die Rolle von Sir Galahad, Mitglied von The
Order, ein alter Orden, der seinen Ursprung bei den Ritter der Tafelrunde hat. Seit Jahrhunderten wird das britische Königshaus vom
Orden gegen jede aufkommende böse Macht beschützt, seien es magische Kreaturen, wahnsinnige Mörder oder Unternehmen, die zu mächtig
werden. Gleichzeitig werden wir mit historisch korrekten Figuren, wie zum Beispiel Nikola Tesla oder auch Jack the Ripper konfrontiert,
wodurch Realität und Fantasie im Spiel absolut verschwimmt.
Die Welt ist sehr atmosphärisch und obwohl die Level alle sehr schlauchartig gehalten sind, wirken sie dennoch lebendig. Es ist
fast schade, dass der Spieler so direkt durchs Spiel geführt wird und er nie die Zeit bekommt, sich in dieser wunderschön umgesetzten
Welt richtig umschauen zu können und die Stadt selbstständig zu erkunden. Dabei weckt die Welt durch sein besonderes Setting durchaus
das Interesse für Erkundungen, da es an jeder Ecke etwas zum Entdecken gibt. Allein schon die vielen innovativen Waffen, die wir im
Laufe des Spieles finden, machen unheimlich viel Spass, auch wenn wir sie viel zu selten und kurz benützen dürfen.
Die Entwickler haben uns mit The Order: 1886 kein reines Action-Spiel abgeliefert, sondern haben sich anscheinend so manches bei Spielen
wie Beyond: Two Souls abgeschaut. So wechseln sich die Action-Szenen des sehr linearen Spieles mit den vielen Quicktime-Events ab, wo es
gilt im richtigen Moment die richtige Taste zu drücken. Die Kampfszenen führen wir meistens aus der Deckung heraus, nur selten gilt es
den Gegner im Nahkampf auszuschalten. Dies ist meist nicht sehr schwer und so kommt man auch sehr rasch durch das Spiel um in maximal
sieben Stunden den Abspann zu bewundern. Das Spiel sieht sich wohl selbst als interaktiver Kinofilm, denn vieles hat eine sehr
cineastische Aufmachung. Am deutlichsten ist dies sicher durch die beiden schwarzen Balken am oberen und unteren Bildschirmrand
ersichtlich.
Der größte Kritikpunkt im Spiel ist auf jeden Fall der geringe Umfang. Da das Spiel sehr linear gehalten wurde, gibt es nicht viel im
Spiel zu erkunden und zu entdecken. Man bewirkt mit seinen Entscheidungen auch keine wirklich starken Unterschiede im Geschichtsverlauf, sodass ein Wiederspielwert auch nicht wirklich gegeben ist. Dabei wäre durchaus noch Raum für weitere Spielzeit gewesen, denn am Ende
des Spieles bleiben offene Fragen, die wir wohl erst mit nachkommenden DLCs beantwortet bekommen werden. Hier werden die Spieler jedoch
sicher wieder zur Kasse gebeten. Die Rettung für ein kurzes Shooterspiel wie The Order: 1886 wäre sicher ein guter Multiplayer gewesen,
doch diesen gibt es leider nicht. Hier muss man sich teilweise dann schon fragen, wie das Entwicklerteam den hohen Spielpreis
rechtfertigt, da das Preis-Leistungsverhältnis vom Umfang her, echt miserabel ist.
Grafik
Technisch ist The Order: 1886 ein Meilenstein auf der Playstation 4, denn es zeigt, was die Konsole drauf hat. Die Charaktere sind
unglaublich detailliert umgesetzt und die Animationen sind ausgezeichnet. Die Texturen sind sehr scharf und die Lichteffekte liefern
wunderschöne Szenen. Die Zwischensequenzen untermalen mit wunderschönen Bildern die Geschichte und die Umgebung wurden alle sehr
detailreich umgesetzt. Optisch kann man dem Spiel nahezu nichts vorwerfen, hier hat das Team wirklich überall viel Energie hinein
gesteckt. Dies merkt man in jeder Sekunde des Spieles.
Sound
Wie auch schon bei der Grafik, wurde auch beim Sound anscheinend nicht gespart. So wurden zu den Charakteren passende Synchronsprecher
gefunden, die auch in der deutschen Vertonung wirklich gut klingen. Der Soundtrack hält sich im Spiel zwar vielfach stark zurück, passt
aber dennoch immer sehr gut zu den Spielmomenten und untermalt immer perfekt die Spielmomente. Last, but not least müssen wir noch die
Soundeffekte loben, die allesamt sehr realistisch klingen und im Glauben lassen, dass direkt bei uns im Wohnzimmer die Waffe gerade
abgeschossen wird.
Fazit
Toptitel geworden. Die Inszenierung und Spielwelt ist genial und hat mir wirklich gut gefallen. Umso trauriger finde ich es, dass
einerseits die Geschichte mit sieben Stunden Spielzeit wirklich kurz gehalten ist und andererseits auch die Welt mit seinem linearen
Aufbau nicht wirklich zu überzeugen weiß und nicht wirklich erkundbar ist. Das Spiel ist im Grunde an einem Wochenende durchgespielt und danach fehlen dem Spiel die Argumente zum Wiederspielen. Dies ist wahrlich schade, denn aus dem Titel hätte man auf jedem Fall mehr machen können. Vielleicht schafft Ready At Dawn dies beim zweiten Teil, falls überhaupt je einmal einer erscheinen wird. Wem die technische Umsetzung nicht so wichtig ist, der sollte bei unserer Gesamt-Wertung noch einmal zwei Punkte abziehen. Ich persönlich würde von einem Neukauf abraten und eher nach einer gebrauchten Version Ausschau halten oder auf den ersten Preisnachlass warten.






