Wenn man an RPGs denkt, dann fallen einem Spiele wie Final Fantasy, The Elder Scrolls und Co ein.
Spiele, in denen man für Stunden versinken kann, seinen Charakter weiterentwickelt und einem eine
riesige offene Welt zur Verfügung steht. Ubisoft zeigt mit Child of Light, dass dies auch anders
geht und präsentiert einen wunderschönen Sidescroller mit japanischer Prägung. Wir haben uns mit
Aurora durch die Geschichte gekämpft und wollen euch in unserem Review mehr darüber erzählen.
Die Grundgeschichte könnte direkt aus einem Märchenbuch stammen, denn unser Spielcharakter
Prinzessin Aurora aus Austria wird von finsteren Mächten aus dem Leben gerissen. Doch statt im
Reich der Toten aufzuwachen, landet sie in einer geheimnissvollen Welt. Durch Heimweh getrieben
macht sich Aurora auf den Weg zurück zu ihrem Vater und erlebt dabei ein spannendes Abenteuer mit
überraschenden Wendungen und wahren Emotionen.
Grundsätzlich ist Child of Light ein Sidescroller, der auf der Engine von Rayman Legends basiert.
Zu Beginn wandern wir so per Fussweg am Bildschirm von links nach rechts und wieder zurück um erst
im Laufe des Spieles das Fliegen zu lernen, wodurch sich die Welt noch in die Höhe öffnet. Auf der
Karte gibt es an allen Ecken und Enden Kisten zu finden, in denen ihr entweder Tränke findet oder
magische Kristalle, Oculi genannt. Mit einem einfachen Crafting-System könnt ihr diese miteinander
kombinieren um stärkere Kristalle zu erstellen. Jede Figur kann drei davon tragen und bekommt
dafür Boni.
Als ewiger Begleiter ist Igniculus an eurer Seite, ein kleiner Geist, der euch immer wieder mit
Rat und Tat zur Seite steht. Durch seine Leuchtkraft kann er Gegner blenden und nur durch seine
Hilfe lassen sich manche Rätsel lösen. Eure Gegner im Spiel seht ihr schon im vorhinein, da sie
deutlich sichtbar durch die Gegend streifen.
Trefft ihr auf sie, ändert sich das Spielfeld zu einer Arena in der rundenbasiert gekämpft wird.
Auf eurer Seite können bis zu zwei Helden kämpfen, im Laufe des Spieles werdet ihr einige treffen,
die sich euch aus den unterschiedlichsten Gründen anschließen, während auf der gegnerischen Seite
bis zu drei Gegner antreten. Am unteren Teil des Bildschirmes seht ihr eine Zeitleiste, auf der
für jeden Charakter seine Aktionszeit abrennt. Erreicht eine Figur den Beginn des roten Bereiches,
kann er eine Aktion wählen, die von kurz bis sehr lang unterschiedliche Aktivierungszeiten haben.
Bei geschicktem Einsatz von Aktionen kann man jedoch dem Gegner die Vorbereitung zerstören, denn
bei jedem Treffer wird man in der Zeitleiste zurückgesetzt. Es heißt also nicht nur die Schwächen
der Gegner herauszufinden, sondern auch den Kampfablauf im Auge zu behalten. Igniculus ist euch
auch hier ein praktischer Mitkämpfer, könnt ihr mit ihm nicht nur verborgene Energie einsammeln,
sondern auch eure Gegner blenden, wodurch sich deren Aktionen verlangsamen. Dafür benötigt ihr
jedoch spezielle Energie, die sich nur langsam wieder auflädt.
Die Kämpfe sind sehr motivierend und machen Spaß. Man lernt sehr schnell das Prinzip und die
Kniffe kennen und durch die vielzahl an gegnerischen Charakten ist jeder Kampf ein wenig anders.
Mit Ende jedes Kampfes bekommt ihr Erfahrungspunkte geschenkt, die euren Charakter automatisch
aufleveln. Als Individualisierung steht ein Fertigkeitenbaum zur Verfügung, wo ihr mit jeder neuen
Stufe einen Punkt verteilen könnt.
Grafik
Von der technischen Seite ist Child of Light einfach überragend. Selten zuvor haben wir ein so
schönes Spiel mit soviel Liebe zum Detail gesehen. Die ganze Welt ist in einem wasserfarben-
ähnlichem Design gehalten, was man so noch nicht gesehen hat. Bis auf wenige Figuren wie zum
Beispiel Aurora sind alle in schönen 2D-Bildern umgesetzt worden. Für die wichtigsten Charaktere
wurde jedoch Cel-Shading verwendet, was zwar merkbar anders ausschaut, aber durchaus zu gefallen
weiß. Hier sticht vor allem das wallende Haar von Aurora positiv heraus.
Nur wenige Zwischensequenzen und Gespräche werden in Animationen gezeigt. Der Großteil der
Gespräche findet über Standbilder statt. Hier wäre durchaus mehr möglich gewesen, denn nicht jedes
Charakterbild hat die selben Detailtiefe. Man sollte jedoch nie vergessen, dass Child of Light am
Ende doch nur ein Low-Budget-Spiel ist.
Sound
Auch der Sound weiß zu gefallen und die wunderschöne Stimme der Erzählerin hätten wir gerne
häufiger gehört. Geschmackssache ist hier auf jeden Fall die Erzählform, da die Erzählstimme nur
in Reimen redet, die nicht immer auf den ersten Blick eindeutig sind. Die englischen Reime sind
hier auf jeden Fall besser gelungen, als die deutschsprachigen. Die Gespräche zwischen den
Charakteren finden vollkommen ohne Stimme statt, hier gilt es mitzulesen. Bei der Sounduntermalung
hat Ubisoft dafür alles richtig gemacht, denn die dafür zuständige Beatrice Martin hat einen
wundervollen und immer zur Szene passenden Soundtrack produziert, dass man sich mehr solcher
Spiele wünscht. Wir hoffen Zukunft mehr von ihr in anderen Ubisoft-Titeln zu hören.
Multiplayer
Einen vollständigen Multiplayerpart gibt es in Child of Light nicht, dennoch kann ein zweiter
Spieler mitspielen und einfach per zweitem Controller oder PS Vita die Rolle von Igniculus
übernehmen. Dies kennt man schon aus dem letzten Rayman-Teil und macht eine Zeit lang auch Spass.
Längere Mehrspielerpartien wird man so jedoch kaum spielen, dafür sind die Spielmöglichkeiten von
Igniculus einfach zu beschränkt.
Fazit
Fall einen Blick werfen sollte. Das Spieldesign ist wortwörtlich malerisch und lässt uns in einer
wunderschönen Märchenwelt, untermalt von einem unglaublich guten Soundtrack, versinken. Wenn man
sich beim Spielen in Erinnerung behält, dass es in Wirklichkeit ein Low-Budget-Titel ist, dann
kann man auch über die paar Ungereimtheiten hinwegsehen, die das Spiel mit sich bringt, wie zum
Beispiel die teilweise zu wenig ausgearbeiteten Charakterbilder.<br />
Rollenspielfans müssen Child of Lights spielen um Aurora wieder zu ihrem Vater ins geliebte
Austria zu führen, doch auch den restlichen Spielern legen wir das Spiel mit ruhigem Gewissen
nahe, denn ein emotionales Spiel mit soviel Atmosphäre ist heutzutage fast schon eine Seltenheit.






