Wer schon einmal fasziniert vor einer Modelleisenbahn stand, wird sich in Islands & Trains sofort wiederfinden. Statt Miniaturen mühsam im Hobbykeller aufzubauen, verlegt man hier digital Schienen, gestaltet Landschaften und erschafft ganze Dioramen, die vom eigenen Zug durchquert werden. Entwickelt von Akos Makovics und veröffentlicht von Future Friends Games, versteht sich der Titel als reine Sandbox: keine Missionen, keine Zeitlimits, keine Ressourcen – allein Kreativität und Entspannung stehen im Mittelpunkt.
Der Einstieg ist angenehm unkompliziert. Vor dem Bau wählt man eine von fünf Jahreszeiten, die das Gesamtbild durch angepasste Farbpaletten und passende Musik prägen. Danach eröffnet sich eine leere Wasserfläche, die als Leinwand für die eigenen Ideen dient. Mit über 300 Objekten – darunter Häuser, Brücken, Wälder, Felder oder Burgen – lässt sich fast jede erdenkliche Landschaft gestalten. Besonders charmant: Viele Objekte besitzen mehrere Varianten, sodass Wälder, Dörfer oder Stadtteile nie wie einfache Copy-and-Paste-Lösungen wirken. Auf Knopfdruck lassen sich Variationen durchschalten, wodurch eine lebendigere Gestaltung entsteht.
Die Steuerung erfolgt blockweise, was zunächst etwas starr wirkt, sich aber schnell als präzises Werkzeug herausstellt. Wer geübt ist, legt verschlungene Bahnstrecken, Tunnel durch Berge oder Brücken über Flüsse. Der eigentliche Zug – aktuell noch immer ein einzelnes Gefährt – lässt sich anschließend auf die Strecke setzen und mit eigener Geschwindigkeit durch die Welt steuern. Gerade das Beobachten des fahrenden Zuges, während die selbst gebaute Miniaturwelt vorbeizieht, hat eine ungemein beruhigende Wirkung.
Inhaltlich legt Islands & Trains den Fokus auf Basteln ohne Druck. Manche Spieler:innen tüfteln tagelang an verschlungenen Netzen aus Brücken und Kurven, andere konzentrieren sich lieber auf detailverliebte kleine Dörfer. Mit den verschiedenen Biomen lassen sich zudem stimmige Szenen wie winterliche Schneelandschaften oder frühlingshafte Felder erschaffen. Allerdings zeigen sich hier auch die Grenzen: Trotz vieler Objekte fehlt es noch an Abwechslung bei bestimmten Assets, was bei längeren Bauprojekten zu Wiederholungen führen kann.
Trotz dieser Limitierungen bietet das Spiel eine erstaunliche Langzeitmotivation – allerdings stark abhängig von der eigenen Kreativität. Wer Spaß daran hat, immer neue Landschaften zu erschaffen, wird hier viele Stunden versenken. Wer hingegen klare Ziele oder komplexere Simulationen erwartet, dürfte schneller das Interesse verlieren. Ein Undo-Button, mehr Züge oder zusätzliche Funktionen wie Stoppsignale oder Kreuzungen wären wünschenswert, um den Sandbox-Charakter langfristig zu erweitern. Dennoch gelingt es dem Spiel, ein wohliges Gefühl von Ruhe zu erzeugen, das man sonst nur selten in Games findet – eine kleine Auszeit vom Alltag, vergleichbar mit Titeln wie Dorfromantik, Townscaper oder Islanders.
Grafik
Optisch setzt Islands & Trains auf eine reduzierte, stilisierte Darstellung, die perfekt zum Diorama-Konzept passt. Die klare Farbgebung und die an Jahreszeiten angelehnten Paletten verleihen den Szenen Abwechslung, ohne je aufdringlich zu wirken. Besonders schön: Mit jedem platzierten Objekt wirkt die Welt stimmiger, da sämtliche Bauteile sauber ineinandergreifen. So entsteht trotz minimalistischer Technik ein überzeugender Gesamteindruck.
Noch stärker wird dieser Effekt durch kleine Details wie den optionalen Regen, der den Dioramen zusätzliche Stimmung verleiht. Im Zusammenspiel mit der Beleuchtung – etwa durch erleuchtete Fenster oder die Reflexionen im Wasser – entsteht eine charmante Miniaturwelt, die man gerne einfach beobachtet. Islands & Trains zeigt eindrucksvoll, wie wirkungsvoll einfache, klare Grafik sein kann, wenn sie konsequent auf Stimmung und Harmonie ausgelegt ist.
Sound
Die akustische Seite unterstreicht den meditativen Charakter. Sanfte, unaufdringliche Melodien begleiten das Bauen und wechseln je nach gewähltem Biom. Oft bleibt die Musik so unaufdringlich, dass man sie auch im Hintergrund weiterlaufen lassen möchte, selbst wenn man gerade gar nicht baut. Sie trägt entscheidend zur entspannten Atmosphäre bei.
Auch die Soundeffekte wurden liebevoll umgesetzt. Jeder Klick beim Platzieren von Objekten erzeugt ein sanftes „Plopp“, während das leise Rattern des Zuges beim Fahren eine fast nostalgische Stimmung aufkommen lässt. Zusammen ergibt sich ein akustisches Erlebnis, das das visuelle Diorama-Gefühl harmonisch ergänzt und verstärkt.
Fazit
Auf lange Sicht hätte das Spiel allerdings noch Potenzial, etwa durch mehr Bauteile, erweiterte Tools oder eine Sharing-Funktion für die Community. Dennoch überzeugt Islands & Trains schon jetzt als stimmiger Rückzugsort für alle, die nach Feierabend oder zwischendurch in eine kleine, selbst gestaltete Welt eintauchen möchten. Wer Freude an Titeln wie Dorfromantik oder Townscaper hat, wird hier garantiert viele Stunden gemütlicher Bauzeit verbringen.






