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Review: Deep Sleep: Labyrinth of the Forsaken

von Andreas · ca. 3 Min. Lesezeit
Deep Sleep: Labyrinth of the Forsaken

Deep Sleep: Labyrinth of the Forsaken ist der neueste Streich von Scriptwelder, dem polnischen Entwickler, der schon mit der ursprünglichen Deep-Sleep-Trilogie und Don’t Escape: 4 Days to Survive bewiesen hat, dass atmosphärischer Horror nicht von großen Budgets abhängt. Statt auf Hochglanz setzt er auf einen eigenwilligen Mix aus Point-and-Click-Rätseln, rundenbasierten Kämpfen und einer Traumlogik, die gleichermaßen fasziniert wie verstört.

Die Geschichte beginnt ruhig: Wir lernen Amy kennen, eine junge Veterinärin, die gemeinsam mit ihrem Bruder Thomas eine Zugfahrt unternimmt. Schon der Einstieg dient als Tutorial, doch schnell bricht die vermeintliche Normalität zusammen. Thomas ist plötzlich verschwunden – oder gar tot? Mysteriöse Nachrichten auf dem Anrufbeantworter, Stimmen im Traum und die bedrohliche Präsenz der sogenannten Shadow People treiben Amy dazu, mit Hilfe eines Elektrodenhelms in die Traumwelt einzutauchen. Dort, zwischen Bahnhöfen, Hotels und anderen verzerrten Orten, sucht sie nach Antworten – und nach ihrem Bruder.

Spielerisch bewegt sich Labyrinth of the Forsaken zwischen vertrautem Adventure-Design und neuen Experimenten. Wer klassische Rätsel mag, wird mit Mini-Escape-Rooms, clever versteckten Symbolen und Inventar-Kombinationen belohnt. Doch die Traumwelt hält auch Konfrontationen bereit: Kämpfe laufen rundenbasiert ab, wobei jedes Objekt – vom Knochen bis zum Schraubenschlüssel – zur Waffe werden kann, allerdings mit begrenzter Haltbarkeit. Das sorgt für ständige Abwägungen, wann man welche Ressource einsetzt. Besonders spannend ist Amys Fähigkeit der Imagination: Mit Focus-Punkten lassen sich zerbrochene oder verlorene Gegenstände zurück ins Inventar träumen, was oft über Sieg oder Niederlage entscheidet. Ergänzt wird das Ganze durch Echoes, eine Währung, mit der Upgrades freigeschaltet werden – sei es ein größeres Inventar, mehr Geschwindigkeit oder neue Traumfähigkeiten.

Nicht alle Systeme greifen perfekt ineinander. Während die Puzzle-Struktur überzeugt, wirkt das Kampfsystem stellenweise unausgegoren. Manche Begegnungen sind unnötig frustrierend, weil die Flucht-Mechanik nicht immer zuverlässig funktioniert. Auch die zufällige Verteilung von Items und Räumen sorgt zwar für Abwechslung, kann aber den Spielfluss ausbremsen. Trotzdem entsteht gerade dadurch ein permanentes Gefühl der Unsicherheit, das hervorragend zur Traumlogik passt: Man weiß nie, ob man gut vorbereitet ist oder gleich alles schiefgeht.

Grafik

Optisch bleibt Labyrinth of the Forsaken dem Stil der Serie treu und setzt auf detaillierte Pixel-Art. Auf den ersten Blick wirkt die Präsentation simpel, doch die groben Kanten erweisen sich schnell als Stilmittel: Viele Szenen leben davon, dass die Fantasie die Lücken füllt, sei es ein Schatten im Flur, eine dunkle Ecke oder eine Silhouette im Nebel. Gerade diese Andeutungen machen den Horror intensiver, als es eine realistische 3D-Grafik je könnte.

Trotzdem ist die Welt nicht arm an Details. In jedem Raum lassen sich Gegenstände untersuchen, Möbel und Kulissen verraten Geschichten, und die Traumsequenzen verwandeln bekannte Orte wie Bahnhöfe oder Hotels in surreal verzerrte Albträume. Auf großen Bildschirmen fällt die grobe Auflösung etwas stärker auf, doch in der Handheld-Variante entfaltet die Grafik ihre volle Wirkung: intim, dicht und beunruhigend.

Sound

Akustisch ist Labyrinth of the Forsaken eine Wucht. Der Soundtrack von Christopher Carlone mischt dezente Ambient-Flächen mit unheilvollen Melodien, die sich oft nur langsam ins Bewusstsein schleichen. Mal ist es ein dumpfer Bass, der die Spannung steigert, dann wieder ein kaum hörbares Flüstern, das die eigene Paranoia füttert. So entsteht eine Klangkulisse, die subtiler wirkt als laute Schockeffekte, aber viel länger nachhallt.

Hinzu kommen prägnante Soundeffekte: Schritte hallen auf leeren Fluren, Telefone klingeln unvermittelt, Türen knarren, als würden sie gleich aus den Angeln fallen. Auch wenn es keine Sprachausgabe gibt, wirken Dialogzeilen durch die Geräuschkulisse lebendig. Die Soundebene trägt entscheidend dazu bei, dass man sich nie wirklich sicher fühlt – selbst in Räumen, die eigentlich harmlos erscheinen.

Fazit

Andreas
Andreas
YouGame Redaktion
Deep Sleep: Labyrinth of the Forsaken ist ein kleiner, eigenwilliger Albtraum in Pixeloptik. Die Mischung aus Point-and-Click-Rätseln, rundenbasierten Kämpfen und surrealem Storytelling mag nicht jedem gefallen, doch wer sich darauf einlässt, erlebt ein atmosphärisches Abenteuer voller Unvorhersehbarkeiten. Die Stärken liegen klar in der dichten Atmosphäre, den cleveren Rätseln und der Fähigkeit, aus simplen Mitteln intensiven Horror zu erzeugen.

Kritik gibt es beim Kampfsystem, das manchmal holprig wirkt, und bei der Balance, die gerade jüngere Spieler überfordern könnte. Doch genau diese Ecken und Kanten machen den Reiz aus: Labyrinth of the Forsaken ist kein poliertes AAA-Spektakel, sondern ein rauer, verstörender Trip, der lange im Gedächtnis bleibt. Für Fans von Indie-Horror und surrealem Storytelling ist es ein Geheimtipp – und vielleicht das beste Spiel, das Scriptwelder bisher geschaffen hat.
Grafik
7/10
Sound
8/10
Gameplay
7/10
Spielspaß
8/10