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Review: Goosebumps – Terror in Little Creek

von Andreas · ca. 4 Min. Lesezeit
Goosebumps – Terror in Little Creek

Goosebumps (Gänsehaut) gehört zu den bekanntesten Kinderbuchreihen weltweit. Über 400 Millionen verkaufte Bücher, mehrere Spin-offs, Filme und zuletzt eine Disney+-Serie zeigen, dass R. L. Stines Gruselmärchen auch heute noch eine Marke sind, die viele sofort mit leichtem Schauer und nostalgischem Schmunzeln verbinden. Nun wagt sich Entwickler PHL Collective gemeinsam mit GameMill Entertainment an eine neue Videospiel-Adaption: Goosebumps: Terror in Little Creek. Anders als Survival-Horror-Größen wie Resident Evil oder Silent Hill setzt der Titel aber nicht auf Albträume und gnadenlosen Terror, sondern versteht sich als Einstieg ins Genre, gruselig, aber nicht verstörend, spannend, aber stets kindgerecht.

Die Handlung dreht sich um die Teenagerin Sloane Spencer, die zusammen mit ihren drei Freunden trotz Ausgangssperre das kleine Städtchen Little Creek erkundet. Gerüchte über Monster machen die Runde, Erwachsene wie Polizisten oder eine geheimnisvolle Bibliothekarin verharmlosen die Vorfälle und so liegt es an der Clique, die Wahrheit herauszufinden. Bald stoßen sie auf gespenstische Kreaturen, ein uraltes Buch voller Runen und dunkle Geheimnisse, die den Ort heimsuchen.

Die Story ist eine originelle Neuschöpfung, greift aber zahlreiche Anspielungen auf die Bücher auf: Horrorland-Pamphlete, bösartige Gnome oder ein Glas voller Würmer sind nur einige der Easter Eggs. Die Atmosphäre trifft dabei genau den typischen Goosebumps-Ton: „spooky but not scary“. Für Kinder und Jugendliche ist das genau richtig, Erwachsene werden die Figuren allerdings oft zu flach und die Dialoge zu hölzern finden. Schwach ist leider der Einstieg, das Intro erklärt kaum, warum es die Ausgangssperre gibt oder wie sich die Gruppe gebildet hat. Man wird hier ohne große Erklärungen ins Spiel geworfen.

Das Gameplay kombiniert Erkundung, Rätsel und leichte Stealth-Mechaniken. Die Stadt öffnet sich Stück für Stück, neue Bereiche wie Bibliothek, Friedhof, Museum oder Theater werden nach und nach zugänglich. Typische Aufgaben: Symbole ausrichten, Münzen an Statuen einsetzen, versteckte Gegenstände finden oder mit dem Zauberbuch Runen kopieren, um Türen zu öffnen.

Die Rätsel sind abwechslungsreich, aber qualitativ schwankend. Manche sind clever und passen zur Zielgruppe, andere wirken unlogisch oder zu schwer, sodass sogar Erwachsene ins Grübeln geraten. Hilfskristalle sollen Tipps geben, sind aber nicht immer hilfreich. Kinder dürften hier teils überfordert sein, auch weil die Wegfindung schwach kommuniziert wird.

Neben den Puzzles steht das Schleichen im Vordergrund. Gegner patrouillieren unberechenbar, man kann sich in Mülltonnen, unter Tischen oder hinter Hecken verstecken. Wird man entdeckt, heißt es rennen, verstecken, tief durchatmen. Kleinere Gegner lassen sich mit der Steinschleuder ausschalten, inklusive Spezialmunition wie Feuerwerkskugeln oder Rauchpellets. Größere Monster müssen dagegen umgangen werden, bis die Story anderes vorgibt. Die KI ist jedoch oft träge, Stealth-Segmente lassen sich durch simples Wegrennen austricksen. Das Kampfsystem wirkt dadurch halbgar, die Steinschleuder ist zwar vielseitig, fühlt sich aber selten befriedigend an.

Trotzdem gelingt es dem Spiel, die Atmosphäre eines kindgerechten Horrors einzufangen. Besonders das Sounddesign sorgt für Gänsehaut, wenn man ein Monster zuerst hört, bevor es auftaucht. Die Entwickler wollten spürbar die Klassiker des Genres zitieren, wie zum Beispiel Resident Evil und das Speichern an Schreibmaschinen.

Grafik

Optisch setzt Goosebumps: Terror in Little Creek auf eine cartoonhafte 3D-Grafik, die bewusst nicht fotorealistisch wirkt. Monster lösen sich in grünen Wolken auf, Blut und explizite Gewalt fehlen. Das passt zur Zielgruppe, nimmt den Szenen aber etwas Intensität. Besonders jüngere Spieler können so ohne Angst die Schauplätze erkunden, während Erwachsene sich eher über den veralteten Look wundern werden. Auf Next-Gen-Konsolen wie PS5 oder Xbox Series X fällt der Detailmangel besonders auf.

Die Schauplätze selbst, Bibliothek, Friedhof, Theater oder Museum, sind zwar abwechslungsreich, wirken aber stellenweise leer und wiederholen Assets deutlich sichtbar. Manche Umgebungen haben ihren Charme, etwa durch Kerzenlicht oder neblige Friedhofsszenen, doch insgesamt bleibt der Eindruck: technisch solide, künstlerisch ordentlich, aber nicht herausragend.

Sound

Die akustische Gestaltung ist zweischneidig. Auf der einen Seite gibt es eine abwechslungsreiche Musik, die zwischen gespenstischen Chorpassagen, spannungsvollen Synth-Stimmungen und rockigen Boss-Themes wechselt. Besonders in Bosskämpfen trägt die Musik stark zur Atmosphäre bei und sorgt für die gewünschte Gänsehaut, kindgerecht, aber wirkungsvoll.

Auf der anderen Seite schwächeln Effekte und Abmischung. Treffergeräusche sind zu dumpf, Blocken klingt nach Pappkarton statt nach einem wuchtigen Schlag. Hinzu kommt, dass in Zwischensequenzen der Ton teils abrupt abreißt oder unsauber eingespielt wird. Immerhin: Die englische Sprachausgabe ist komplett vorhanden, deutsche Untertitel sauber übersetzt. Insgesamt ist der Sound stark genug, um Spannung zu erzeugen, verschenkt aber Potenzial bei den Details.

Fazit

Andreas
Andreas
YouGame Redaktion
Goosebumps: Terror in Little Creek ist ein Einsteiger-Horrorspiel, das seine Stärken in Atmosphäre, Nostalgie und zugänglichen Rätseln hat. Fans der Bücher werden sich über die vielen Easter Eggs freuen, Kinder und Jugendliche bekommen ein spannendes Abenteuer mit leichter Gänsehaut, ohne echten Schrecken. Gleichzeitig kämpft das Spiel mit unausgereiftem Gameplay, schwacher KI und technischen Schwächen. Erwachsene werden schnell merken, dass Tiefe und Anspruch fehlen, die Rätsel sind oft zu simpel oder zu unlogisch, das Kampfsystem nie wirklich befriedigend.

Wer Goosebumps liebt oder ein jüngeres Familienmitglied an Horror heranführen möchte, findet hier das passende Spiel. Alle anderen sollten sich bewusst sein: Terror in Little Creek ist kein Ersatz für große Genrevertreter, eher ein sanfter Einstieg mit Charme.
Grafik
7/10
Sound
7/10
Gameplay
6/10
Spielspaß
7/10