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Review: Ground of Aces

von Andreas · ca. 3 Min. Lesezeit
Ground of Aces

Ground of Aces entführt dich in eine bislang kaum beackerte Nische der Strategiesimulation: den Aufbau und Betrieb eines RAF-Flugplatzes mitten im Zweiten Weltkrieg. Seit dem 10. Juli 2025 im Early Access bei Steam erhältlich, kombiniert das Spiel tiefgehendes Ressourcen- und Personalmanagement mit historischen Missionen und einem charmanten Comic-Art-Style. Wir haben geprüft, ob Ground of Aces im aktuellen Entwicklungsstadium schon überzeugt oder ob ihm noch wichtige Inhalte und Feinschliff fehlen.

In Ground of Aces übernimmst du das Kommando über einen vernachlässigten Luftwaffenstützpunkt, wahlweise RAF Lichfield oder RAF Perranporth, und verwandelst Boden und Bäume in eine Operationsbasis für die Schlacht um Großbritannien. Deine erste Aufgabe: Start- und Landebahn planen, Hangars errichten und die ersten Flugzeugeinsätze vorbereiten. Später sendest du deine Piloten auf Aufklärungs- und Abfangeinsätze, gewinnst Sieg-punkte und verbesserst so schrittweise deine Infrastruktur.

Das Herzstück des Spiels ist das Ressourcenmanagement. Du hackst Holz, schürfst Erz, sammelst Ton und stattest mehrere Werkbänke aus: Sägewerke produzieren Bretter, Ziegeleien backen Ziegel, Zementmischer stellen Beton her. Parallel dazu versorgst du deine Crew mit Nahrung, Schlaf und Freizeit, fällt die Moral unter 70, droht der Game-Over-Bildschirm. Diese dynamische Balance zwischen Arbeit, Erholung und Kampfhandlungen verleiht Ground of Aces eine selten gesehene emotionale Tiefe im Genre.

Werfen wir einen genaueren Blick auf Tutorial und Onboarding: Ein umfassendes Handbuch fehlt, manche Tipps bleiben vage. Doch eine Reihe von Anfangsmissionen und kontext-sensitiven Tool-Tips erleichtern den Einstieg. So entsteht das Gefühl eines „Learning by Doing“, für Neulinge motivierend, Hardcore-Strategen aber mitunter zu locker geführt.

Die Missionen selbst sind abwechslungsreich, aber in der aktuellen Version teils zu simpel. Schickst du mehrere Flugzeuge auf einmal los, wirken selbst riskante Aufträge wenig fordernd. Während die Intensität der Luftangriffe der deutschen Luftwaffe im Spielverlauf ansteigt, lässt die taktische Tiefe auf Dauer nach, da Fortschritt und Endgame kaum definiert sind. Schnell erreichst du die zweite und dritte Bahn-Stufe, ohne ernsthafte Ressourcenknappheit oder langanhaltende moralische Krisen zu erleben. Ein klarer Hinweis auf den Early-Access-Charakter: Die Mechaniken sind solide angelegt, benötigen aber weiteren Ausbau und komplexere Progressionsziele.

Grafik

Visuell sticht Ground of Aces durch seinen frankobelgischen „Ligne Claire“-Stil hervor. Kräftige Konturen, leuchtende Farben und detailverliebte Umgebungen lassen das Geschehen wie ein interaktives Comic-Album erscheinen. Die Unreal Engine 5 liefert scharfe Texturen und realistische Lichteffekte: Neon-Rohrlampen, kaltes Mondlicht und frostige Schatten in den Hangars vermitteln eine dichte Noir-Atmosphäre. Die Charaktermodelle sind ausdrucksstark und fangen die raue Stimmung eines RAF-Stützpunkts perfekt ein. Technisch läuft der Titel im Early Access weitgehend stabil, ab und zu treten jedoch Musikaussetzer und kleinere KI-Blockaden auf (Crewmitglieder bleiben mal in Türen stecken), die den Spielfluss unterbrechen.

Sound

Der Klangkosmos von Ground of Aces setzt auf subtile, stimmungsvolle Untermalung: vereinzelte Klaviersoli und dezente Ambient-Geräusche von tropfendem Wasser, mahlenden Maschinen und kreischenden Propellern, die je nach Tageszeit wechseln. Radiosignale warnen rechtzeitig vor Luftangriffen, Sirenen und Explosionen erzeugen Spannung – zugleich bleibt das Sounddesign zurückhaltend genug, um nicht zu überfordern. Einziger Wermutstropfen ist die Wiederholung einzelner Musikstücke, die nach einigen Stunden monoton wirken können. Eine Sprachausgabe fehlt gänzlich; knappe Text-Dialoge vermitteln alle wichtigen Informationen.

Fazit

Andreas
Andreas
YouGame Redaktion
Ground of Aces liefert ein erfrischend anderes Strategiespiel, das dich mit seinem innovativen Moral-System und der engen Verzahnung von Ressourcen- sowie Personalplanung sofort in den Bann ziehen wird. Die Mischung aus Aufbau-Management, historischen Missionen und emotionalem Spielfluss hebt den Titel deutlich von Konkurrenzprodukten ab. Gerade das Balancing von Arbeit, Erholung und Gefahrenmomenten erzeugt Spannung und fordert dich kontinuierlich heraus.<p>

Dennoch merkt man dem Spiel den Early-Access-Status an: Langzeitziele fehlen weitgehend, Missionen wirken nach einiger Spielzeit zu simpel und der Fortschrittsbogen verliert an Drive, sobald die Basis stabil läuft. Feinschliff beim Tutorial, weitere komplexere Ziele und abwechslungsreichere Missionstypen wären nötig, um Ground of Aces wirklich zum Dauerbrenner zu machen.
Grafik
8/10
Sound
7/10
Gameplay
8/10
Spielspaß
7/10