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Review: The Rogue Prince of Persia

von Andreas · ca. 6 Min. Lesezeit
The Rogue Prince of Persia

Nach Jahren der Stille rund um die traditionsreiche Reihe meldet sich Prince of Persia wieder mit bemerkenswerter Energie zurück. Nach dem starken Metroidvania The Lost Crown wagt Ubisoft mit The Rogue Prince of Persia den Schritt ins Roguelite-Genre und verbindet die DNA der Serie mit einem modernen, fordernden Gameplay-Loop. Entwickelt wurde das Spiel von Evil Empire, dem Studio hinter Dead Cells, und schon nach kurzer Zeit merkt man, wie viel Erfahrung im Umgang mit Tempo, Wiederholbarkeit und präziser Bewegung in dieses Projekt eingeflossen ist. Da seit dem 10. April nun auch die physische Version erhältlich ist, lohnt sich ein erneuter Blick auf eines der spannendsten Prince-of-Persia-Experimente der letzten Jahre.

Die Handlung bleibt bewusst schlank, erfüllt ihren Zweck aber erstaunlich gut. Persien wird von den Hunnen überfallen, der Prinz fällt früh im Kampf und erwacht dank eines magischen Anhängers immer wieder in einer Oase. Diese Schleife bildet den narrativen Rahmen für das Roguelite-Prinzip. Nach jedem Tod beginnt ein neuer Versuch, ausgestattet mit der Hoffnung auf bessere Waffen, stärkere Medaillons oder genau jenen Fortschritt, der im vorherigen Durchlauf noch gefehlt hat. Die Geschichte wird größtenteils über Textboxen erzählt und besitzt nicht die epische Tiefe eines Hades, fügt sich aber organisch in die Spielmechanik ein. Mit jeder befreiten Figur, jeder gelösten Aufgabe und jedem besiegten Boss erweitert sich die Welt ein Stück, wodurch langsam ein Gefühl von Zugehörigkeit entsteht.

Das Herzstück von The Rogue Prince of Persia ist aber eindeutig das Gameplay. Schon nach wenigen Minuten fühlt sich die Steuerung flüssig, direkt und präzise an. Wandläufe, Dashes, Kettensprünge und akrobatische Kombinationen gehen schnell in Fleisch und Blut über. Bewegung ist hier kein schmückendes Beiwerk, sondern die zentrale Mechanik. Genau darin liegt die größte Stärke des Spiels. Viele Abschnitte lassen sich auf unterschiedliche Weise bewältigen. Ein riskanter Sprung, ein perfekt gesetzter Dash, ein Wandlauf im richtigen Moment oder ein Tritt, der einen Gegner in eine Stachelfalle befördert, erzeugen jenen Flow, der immer wieder zum nächsten Versuch motiviert.

Die Kämpfe bauen direkt auf diesem Bewegungssystem auf. Unterschiedliche Waffen wie Schwerter, Dolche, Äxte oder Speere verändern Tempo, Reichweite und Spielgefühl spürbar. Ergänzt werden sie durch Sekundärwaffen wie Bögen oder Chakrams, die taktisch eingesetzt werden müssen, weil sie nur begrenzt verfügbar sind. Besonders spannend sind die Medaillons, die pro Run zufällig verteilt werden und teils deutliche Vor- und Nachteile mitbringen. Manche verstärken die eigene Angriffskraft, erhöhen aber gleichzeitig das Risiko. Andere entfalten ihre Wirkung erst in Kombination mit bestimmten Waffen oder Spielweisen. Dadurch entsteht viel Abwechslung, auch wenn nicht jeder Durchgang die perfekte Synergie liefert. Genau dieser Unsicherheitsfaktor gehört aber zum Reiz des Genres.

Die Gegnerpalette reicht von einfachen Soldaten über Bombenwerfer und Schamanen bis hin zu teleportierenden Assassinen, die besonders in gemischten Gruppen schnell gefährlich werden. Höhepunkte sind die Bosskämpfe, die stark inszeniert und fordernd ausfallen. Manchmal verlangen sie allerdings etwas zu viel Durchhaltevermögen, weil einzelne Lebensleisten zu groß geraten sind. Trotzdem gehören sie zu den intensivsten Momenten des Spiels. Wer einen Boss nach mehreren gescheiterten Versuchen endlich bezwingt, bekommt genau jenes befriedigende Erfolgserlebnis, das gute Roguelites auszeichnet.

Was The Rogue Prince of Persia von vielen Genrekollegen abhebt, ist der Fortschritt zwischen den Runs. Zwar verliert man nach jedem Tod Waffen, Amulette und Gold, doch permanente Verbesserungen wie zusätzliche Heiltränke, mehr Lebenspunkte oder neue Waffenoptionen bleiben erhalten. Hinzu kommen kleine Missionen, die im Verlauf freigeschaltet werden. Gefangene müssen befreit, Hebel gefunden oder bestimmte Gebiete erkundet werden, um neue Biome zugänglich zu machen. Diese Aufgaben geben der Endlosschleife Struktur und sorgen dafür, dass sich auch gescheiterte Durchläufe selten völlig nutzlos anfühlen.

Besonders clever ist das Awakening-System. Nach einem vollständigen Durchlauf lassen sich Modifikatoren aktivieren, die Gegner stärker machen, dafür aber bessere Belohnungen ermöglichen. Dadurch bleibt The Rogue Prince of Persia auch für erfahrene Spielerinnen und Spieler interessant. Wer den Flow des Spiels beherrscht, kann sich gezielt neue Herausforderungen setzen und wird dafür belohnt, tiefer in die Systeme einzusteigen.

Grafik

Visuell schlägt The Rogue Prince of Persia eine mutige Richtung ein, die sich klar von früheren Serienteilen unterscheidet. Statt fotorealistischer Schauplätze oder opulenter 3D-Welten setzt Evil Empire auf einen handgezeichneten, frankobelgisch inspirierten Comicstil. Gerade zu Beginn wirkt das ungewohnt, besonders wenn man die stilistisch völlig andere Präsentation aus The Lost Crown im Kopf hat. Nach einigen Spielstunden entfaltet der Look aber seine Stärke. Er ist klar, übersichtlich und sorgt selbst in hektischen Kämpfen dafür, dass die Action gut lesbar bleibt.

Die Biome reichen von Hunnenlagern über Minen und Bibliotheken bis hin zu prachtvollen Gärten, die einst von der Mutter des Prinzen gepflegt wurden. Jeder Schauplatz besitzt eine eigene Stimmung, mal bedrohlich, mal melancholisch, mal hell und weitläufig. Besonders gelungen sind die Übergänge zwischen unterschiedlichen Jahreszeiten, wenn bekannte Orte durch neue Farbpaletten oder veränderte Details frisch wirken. Zwar wiederholen sich einzelne Versatzstücke innerhalb der Biome nach mehreren Runs, doch die stilvolle Präsentation kaschiert diese Schwäche zumindest teilweise.

Auch die Animationen tragen viel zum Spielgefühl bei. Der Prinz bewegt sich flüssig, elegant und mit genau jener Leichtigkeit, die man von Prince of Persia erwartet. Gleichzeitig bleibt die Darstellung bewusst reduziert genug, um an klassische orientalische Zeichnungen zu erinnern. Kleine Effekte wie Staubwolken bei Landungen, Funken beim Aufprall einer Waffe oder kurze visuelle Rückmeldungen bei Treffern verleihen den Bewegungen zusätzliche Dynamik. The Rogue Prince of Persia sieht nicht aus wie ein traditioneller Teil der Reihe, fühlt sich in Bewegung aber sehr wohl nach Prince of Persia an.

Sound

Wenn die Grafik das Auge anspricht, ist es der Soundtrack, der Herz und Tempo des Spiels bestimmt. Komponiert von ASADI, verbindet die Musik traditionelle persische Instrumente wie Daf oder Setar mit modernen elektronischen Beats. Das Ergebnis ist ein eigenwilliger Persian-Trap-Mix, der hervorragend zur Spielmechanik passt. In ruhigen Momenten dominieren weiche, fast melancholische Klänge, während in Kämpfen harte, treibende Rhythmen übernehmen. Diese Dynamik zwischen Durchatmen und Anspannung passt perfekt zur Struktur aus Oase, Run, Tod und Neustart.

Besonders gelungen ist, wie sich die Musik an die jeweilige Spielsituation anpasst. In Bosskämpfen wird der Rhythmus aggressiver, die Bässe drücken stärker und die Dramatik steigt spürbar. In der Oase wirkt die Musik dagegen fast meditativ und unterstreicht den Moment der kurzen Ruhe zwischen zwei Versuchen. Dadurch bekommt das Spiel eine akustische Identität, die lange im Kopf bleibt und sich klar von vielen anderen Roguelites abhebt.

Die Soundeffekte sind solide, aber effektiv. Schwertschläge klingen wuchtig, Dashes besitzen einen klaren, dynamischen Ton, und auch Tritte gegen Wände, Gegner oder Stachelfallen sind akustisch befriedigend umgesetzt. Gegnergeräusche wiederholen sich mit der Zeit etwas zu stark und hätten mehr Varianz vertragen können, erfüllen aber ihren Zweck. Insgesamt verstärkt die Audiokulisse Atmosphäre und Spielfluss deutlich. Mit Kopfhörern wirkt das Spiel noch intensiver, weil Musik, Effekte und Rhythmus stärker zu einem endlosen Tanz aus Bewegung und Kampf verschmelzen.

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Fazit

Andreas
Andreas
YouGame Redaktion
The Rogue Prince of Persia ist kein perfektes Spiel, aber eines, das die traditionsreiche Reihe in eine spannende neue Richtung führt. Evil Empire übersetzt die akrobatische Bewegung, das präzise Timing und den Abenteuergeist von Prince of Persia überzeugend in ein Roguelite-Gewand. Der Flow aus Laufen, Springen, Kämpfen, Scheitern und erneutem Ansetzen funktioniert hervorragend und sorgt dafür, dass man nach jedem Tod sofort wieder in den nächsten Run starten möchte.

Schwächen gibt es dennoch. Die Story bleibt eher oberflächlich, manche Levelstrukturen wiederholen sich nach mehreren Durchläufen spürbar, und einzelne Bosskämpfe hätten etwas straffer ausfallen dürfen. Der starke Spielrhythmus, die präzise Steuerung, der eigenständige Look und der hervorragende Soundtrack gleichen das aber weitgehend aus. Wer Roguelites mag, findet hier ein forderndes, stilvolles und motivierendes Spiel. Fans der Reihe bekommen eine mutige Neuinterpretation, die den Kern von Prince of Persia nicht vergisst, sondern ihn auf überraschend frische Weise weiterdenkt.

Mit der seit dem 10. April erhältlichen physischen Version ist The Rogue Prince of Persia nun auch für alle interessant, die ihre Spiele lieber im Regal stehen haben. Inhaltlich bleibt es ein starkes, flowgetriebenes Roguelite mit kleinen Schwächen, aber großer Spielfreude. Ubisoft beweist mit diesem Projekt Mut, und Evil Empire zeigt erneut, wie man ein Genre mit Feinsinn, Tempo und spielerischer Eleganz ausfüllt.
Grafik
8/10
Sound
8/10
Gameplay
9/10
Spielspaß
8/10