Mit Star Wars Outlaws wagt Ubisoft den Sprung in eine neue Galaxie und präsentiert das erste große Open-World-Actionspiel im legendären Sci-Fi-Universum. Die Erwartungen sind riesig – nicht zuletzt, weil nach Jahren mit Electronic Arts nun erstmals das erfahrene Studio Massive Entertainment das Lichtschwert gegen Blaster und Diebesgut tauscht. Herausgekommen ist ein Abenteuerspiel, das viel Star Wars-Atmosphäre versprüht, klassische Ubisoft-Formeln bedient und seine eigenen Akzente setzt. Aber reicht das für einen echten Hit?
Die Handlung des Spieles findet zwischen "Das Imperium schlägt zurück" und "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" statt. Wir schlüpfen in die Rolle der jungen Gaunerin Kay Vess, die mit ihrem tierischen Begleiter Nix nach einem missglückten Raubzug durchs halbe Universum gejagt wird. Die Flucht aus dem heimischen Canto Bight setzt die turbulente Geschichte in Gang: Um ein hohes Kopfgeld loszuwerden, muss Kay für Syndikate Aufträge erfüllen, ein Team zusammenstellen und immer wieder ihre Loyalitäten neu ausloten. Besonders gelungen: Das Spiel nimmt die Star Wars-typische Perspektive eines Underdogs ein, fernab von Jedi-Pfaden, Imperium und Rebellion. Stattdessen regiert die Unterwelt – Macht, Geld und das Gesetz der Straße.
Die Story entfaltet sich über rund 20 bis 30 Stunden Spielzeit, glänzt mit pointierten Dialogen, einigen wendungsreichen Momenten und einer angenehm erdigen Gauneratmosphäre. Dabei bleibt Kays Crew zwar etwas blass, doch ihre Beziehung zu Nix sorgt für charmante Szenen und emotionale Ankerpunkte. Auch abseits der Hauptstory gibt es viel zu tun: Nebenmissionen, Minispiele wie Sabacc oder Arcade-Automaten, und kleine, organische Aufgaben, die oft beiläufig beim Erkunden der Spielwelt entdeckt werden.
Gameplay: Viel Bekanntes, wenig Innovation
Im Kern ist Star Wars Outlaws ein typisches Open-World-Actionspiel mit starkem Third-Person-Fokus. Die Missionen wechseln zwischen Stealth, Schießereien, Klettereinlagen und kleinen Rätseln – eine Mischung, die deutlich an Assassin´s Creed, Uncharted oder Watch Dogs erinnert. Kay schleicht durch Lager und imperiale Anlagen, nutzt Nix als hilfreichen Sidekick zum Ablenken, Klauen und Knopfdrücken und kann jederzeit auf ihren Blaster zurückgreifen. Das Gunplay ist solide, profitiert von verschiedenen Feuermodi und temporär nutzbaren Spezialwaffen. Dank Skillsystem über „Lehrmeister“ lassen sich zudem Blaster, Speeder und Fähigkeiten Stück für Stück verbessern.
Leider zeigt das Gameplay auch typische Ubisoft-Krankheiten: Die KI agiert oft dämlich und vorhersehbar, Schleichen verkommt spätestens im späteren Spielverlauf zur Routine, und manch Mechanik – etwa das Klettern – fühlt sich hakelig oder zu automatisiert an. Gerade bei Missionen, die bestimmte Herangehensweisen erzwingen, kommt Frust auf, wenn unklare Sichtkegel oder Wegfindung den Spielfluss stören. Viele Aufgaben sind Variationen bekannter Ubisoft-Kost und wirken teils repetitiv, etwa das Ausräumen von Syndikatslagern oder das Sammeln von Ressourcen. Positiv fällt auf, dass die zahlreichen Nebenbeschäftigungen optional bleiben und die eigentliche Story selten ausbremsen.
Die Open World: Klasse statt Masse
Statt auf eine endlose Galaxis wie in No Man´s Sky setzt Outlaws auf fünf handgebaute, kompakte Planeten mit je eigenen Biomen, Städten und Orbits. Von Tatooine bis Toshara, von verschneiten Gassen auf Kijimi bis zum Dschungel von Akiva – die Spielwelten sind liebevoll gestaltet, mit vielen kleinen Details und atmosphärischen Hotspots. Gerade in den Städten pulsiert das Star Wars-Leben: Aliens feilschen, Droiden wuseln herum, und an jeder Ecke gibt es Referenzen für Fans zu entdecken.
Allerdings bleibt das Open-World-Design überschaubar. Die Gebiete sind bewusst kleiner gehalten, wirken in den Außenarealen manchmal leer und dynamikarm. Viele NPCs stehen einfach herum, echte Lebendigkeit bleibt oft auf die Kulissen beschränkt. Die Schnellreise und das Speeder-Bike sorgen für flotte Wege, auch wenn das Fahrgefühl (insbesondere anfangs) schwammig wirkt und das Schießen vom Sattel nur eingeschränkt möglich ist.
Raumschiff-Action und Rufsystem
Natürlich geht es auch ins All: Die Trailblazer dient als Transportmittel und Schauplatz für vereinfachte Raumkämpfe im Arcade-Stil. Dogfights und Weltraummissionen sorgen für Abwechslung, sind aber weder sonderlich komplex noch inhaltlich herausragend. Besonders spannend: Das Rufsystem mit vier Syndikaten – Crimson Dawn, Pykes, Hutten und Ashiga. Je nachdem, für wen man Aufträge erfüllt oder wen man hintergeht, ändern sich Zugänge, Preise bei Händlern und das Verhalten der NPCs in bestimmten Gebieten. Die Konsequenzen bleiben aber oft überschaubar und beeinflussen das Spiel weniger nachhaltig, als man es sich wünschen würde.
Grafik
Grafisch präsentiert sich Star Wars Outlaws als stimmungsvolles, teils beeindruckendes Erlebnis, das besonders durch sein authentisches Worldbuilding, die liebevoll animierten Kreaturen (Nix!), das Design der Cantinas und markanten Orte punktet. Die Charaktermodelle wirken jedoch außerhalb der Zwischensequenzen oft grob, Texturen sind nicht immer auf Topniveau, und in actionreichen Arealen oder bei vielen NPCs kommt es zu Einbrüchen der Bildrate – besonders auf Konsolen im Performance-Modus. Die Planetenoberflächen sind abwechslungsreich und bieten tolle Lichtstimmungen, aber wirkliches Next-Gen-Feeling bleibt eher punktuell.
Sound
Soundtechnisch überzeugt das Spiel mit einer gelungenen Untermalung aus John Williams-inspirierten Motiven, stimmungsvollen Cantina-Klängen und authentischen Soundeffekten. Blaster, Droiden, das Summen von Speederbikes und die Atmosphäre in den Städten sorgen für echtes Star Wars-Feeling. Auch die Sprachausgabe ist gelungen, die deutsche Synchronisation überzeugt, und besonders die kleinen akustischen Details – von alienartigen Hintergrundgesprächen bis zum Musikwechsel in Bars – bereichern das Spielgeschehen. Die Musik trägt enorm zur Stimmung bei, auch wenn die Ohrwurm-Momente aus den Filmen nur selten erreicht werden.
Fazit
Trotzdem bleibt der große Wow-Effekt aus. Viele Mechaniken und Systeme kennt man in ähnlicher Form aus anderen Ubisoft-Spielen – und oft besser umgesetzt. Kays Geschichte ist kurzweilig, aber nicht überragend, das Gameplay abwechslungsreich, aber nicht besonders tief. Wer Innovation oder erzählerischen Tiefgang erwartet, wird nur bedingt fündig. Dafür überzeugt das Spiel als solide, stimmungsvolle Popcorn-Action, die ihre größten Stärken dann ausspielt, wenn sie sich einfach treiben lässt – und Nix im Mittelpunkt steht.






