Das Entwicklerstudio Techland dürfte vor allem Fans der Untoten ein Begriff sein, haben sie uns Spieler doch mit Dead
Island beschenkt, welches massig gute Elemente mit sich brachte und in vielen Bereichen unheimlich atmosphärisch war.
Nachdem sich Yager um Dead Island 2 kümmert, war Techland für ein neues Projekt offen. Da man sich jedoch nicht ganz
von der Zombie-Thematik trennen wollte, liegt uns nun mit Dying Light ein von der Thematik zwar ähnlicher Titel vor,
der sich vom Gameplay dann aber doch deutlich unterscheidet. Wir haben uns für euch in die Stadt Harran begeben und
das Spiel ausgiebig getestet.
Wir übernehmen im Spiel die Rolle von US-Spezialagent Kyle Crane, dessen jüngste Aufgabe es ist, in der halbfiktiven
Stadt Harran in der Türkei eine wertvolle Datei für die Hilfsorganisation GRE zu bergen dank dem die Herstellung
eines Heilmittel möglich sein soll. Dies wäre ja grundsätzlich einfach, wäre die Stadt nicht seit zwei Monaten
vollständig abgesperrt und von einem Zombie-Virus befallen. Als ob dies nicht schon schwierig genug für uns wäre die
richtige Person in der Stadt zu finden, werden wir dann kurz nach unserer Fallschirm-Ankunft in der Stadt zuerst von
Räubern überfallen und dann noch von einem Zombie gebissen. Dank der Medizin Antrazin sind wir jedoch fürs erste vor
einer Verwandlung zum Zombie sicher. Unser weiteres Glück ist, dass wir von einem Überlebendentrupp rund um Anführer
Brecken, Rahim und Jade gerettet, die uns im sogenannten Turm aufnehmen. Von hier aus brechen wir in weiterer Folge
zu den Missionen in der Stadt auf.
Im Laufe des Spieles stehen wir immer vor der Wahl, ob wir uns der Hauptstory oder doch den vielen Nebenmissionen
widmen. Die Geschichte klappert dabei fleißig ein Zombieklischee nach dem anderen ab, da wäre zum Beispiel der
dramatische Tod von wichtigen Personen, Aufträge, die nicht wie geplant im Chaos enden und die Organisation, die ein
ganz anderes Interesse am Virus hat, als sie ursprünglich vorgibt. Die Spielzeit beträgt rund 15 Stunden, widmet man
sich den Nebenmissionen kann man jedoch schon rund 40 Stunden in Harran verbringen.
Dying Light ist auf keinen Fall ein Hack & Slay-Titel, wo man sich durch die Gegner-Massen metzelt, sondern genau das
Gegenteil. Viele Gegner sind übermächtig und stellen eine große Gefahr für uns dar. Oftmals ist taktisches Vorgehen
wichtig, wie auch eine feige Flucht. Wichtig ist vor allem den dynamische Tag- und Nacht-Wechsel zu beachten, da die
Tageszeit einen großen Unterschied im Gameplay ausmacht. Bei Tag seid Ihr der Jäger, sucht nach Vorräten und Zubehör
und eliminiert ein paar verirrte Untote. Bei Nacht wendet sich jedoch das Blatt, die Zombies tauchen in Massen auf
der Suche nach Nahrung auf und jagen deshalb euch. Die Zombies in der Nacht sind auch um vieles agiler und wendiger
und verfolgen euch ziemlich unerbitterlich und klettern euch auch schon einmal hinterher. Zudem tauchen sie meistens
in Horden auf deshalb bleibt das spiel bis zu Schluss sehr dynamisch. Am besten man sucht sich dabei ein Safehouse
und wartet die Nacht ab oder man ist mutig und stellt sich der Herausforderung.
Vom Spielaufbau ähnelt Dying Light eindeutig dem letzten Techland-Spiel Dead Island. So gilt es überall die Augen
offen zu halten und alles einzusammeln, was ihr findet um so neue Gegenstände zu basteln. Ebenso könnt ihr nahezu
alles als Waffe benutzen, seien es Bretter, Rohre oder Schraubenschlüssel. Aufpassen muss man jedoch auf seine
Ausdauer, die einem Anfangs nur wenige Schläge zulässt, wie auch die schwache Haltbarkeit nahezu aller Gegenstände.
Eine offene Konfrontation mit mehreren Zombies solltet ihr somit möglichst immer aus dem Weg gehen. Wenigstens ist
Dying Light sehr spendabel mit seinen Gegenständen, die nahezu überall rumliegen. Im weiteren Spielverlauf findet ihr
dann auch Handfeuerwaffen, die um einiges wirksamer sind, dafür über den Lärm auch weitere Zombies anlocken. Gewürzt
wurde das ganze mit dem neuen Parkour-Spielelement, wie man es aus Mirror´s Edge kennt. Es macht dabei auch richtig
Spass über die Dächer zu hüpfen und so schneller voranzukommen ohne dabei Zombies direkt über den Weg zu laufen.
Wieder mit dabei ist auch die Charakterentwicklung und könnt so im Talentbaum neue Fähigkeiten freischalten.
Grafik
Die Grafik ist richtig schön geworden und überzeugt mit seiner Details. Es war eine gute Entscheidung sich nur auf
die Next-Gen-Konsolen zu konzentrieren, hier dafür auch wirklich alles herauszuholen. Schade ist dennoch, dass die
Xbox One-Version dann doch nur mit einer Auflösung von 1536x1080 Pixeln aufwarten kann, während die Playstation 4
volle 1080p schafft. Wer jetzt hofft ein vollkommen flüssiges Spiel zu erleben, wird jedoch enttäuscht werden, denn
einzelne Ruckler, Tearing und Clipping-Fehler sind zwar selten, treten jedoch manchmal auf. Die Zombies selbst wurden
zwar nicht sehr unterschiedlich designet, wissen aber dennoch mit ihrem Aussehen zu überzeugen. Absolut lobenswert
ist dafür das Leveldesign, sowohl mit seinem Detailreichtum, wo es überall etwas zu sehen gibt, wie auch den
wunderschönen Licht- und Schattenelementen, die gerade beim Tag-/Nacht-wechsel eindrucksvoll zur Geltung kommen.
Sound
Auch bei der Sound-Umsetzung gibt es leider Licht und Schatten. Die Soundeffekte sind richtig gut umgesetzt worden
und das Geschrei der Zombies stellt uns die Nackenhaare auf und verursacht ein richtig mulmiges Magengefühl. Hier
passt auch perfekt die Hintergrundmusik dazu, welche die Szenen perfekt untermalt. Schade ist dafür, dass die
Synchronisation dann doch so schwach umgesetzt wurde und weder die Synchronsprecher, noch die technische Umsetzung,
wie die Lippensynchronisation wirklich passen. Ob hier eingespart wurde, weil der Titel dann doch für Deutschland
gestrichen wurde, ist uns nicht bekannt. Es ist jedoch ratsam auf die englische Sprachausgabe auszuweichen.
Multiplayer
Ein Spiel, wie Dying Light bietet sich natürlich für einen Multiplayer-Modus an. Dies hat auch Techland erkannt und
hat für die Story einen Koop-Modus integriert. Schön, dass dies nicht nur zu zweit möglich ist, sondern auch vier
Spieler gemeinsam spielen können. Dabei spielen wir aber alle den selben Charakter, die nur optische Unterschiede im
Outfit besitzen. Die Missionen werden dabei um einiges einfacher, da die Zombieanzahl nicht erhöht wird. Negativ
anmerken muss man jedoch, dass es nicht möglich ist Items untereinander zu tauschen. Man muss sich also gut
absprechen, wer was einsammelt.
Natürlich gibt es auch einen Vs-Modus, wo man gegeneinander antreten darf. Ein Spieler darf dann in die Rolle eines
Nachtjägers schlüpfen und die Spieler schnell und einfach ausschalten. Vor allem, da man dank den zwei Tentakeln noch
einmal schneller unterwegs ist, als schon die Menschen. Diese haben dafür einen anderen Vorteil, denn dank der
menschlichen UV-Lampfen sind wir als Monster schwer verwunderbar, da uns das Licht Kraft und Energie raubt. Das
Spielprinzip von ungleichen Gegnern ist im Moment ja stark in Mode, wie man ja auch zum Beispiel bei Evolve sieht.
Fazit
wir die ganze Zeit gut überlegen müssen, was wir machen, da es teilweise gar nicht so einfach ist, zu überleben. Die
Brutalität des Spieles ist dabei nicht zu unterschätzen, weshalb eine Indizierung in Deutschland nur eine Frage der
Zeit war. Uns Österreichern macht dies natürlich nicht aus, weshalb für uns durchaus jede Menge Spielspass wartet.
Als Open-World Spiel kann es sich sowohl von Story als auch Technik nicht mit Spielen, wie zum Beispiel Far Cry
messen, schafft es aber dennoch mehrere Stunden für Spielspass und Spannung zu sorgen. Gerade die Parcour-Elemente
sind eine gelungene Abwechslung im Genre der Zombiespiele, aber auch sonst schafft es Dying Light mit vielen
Kleinigkeiten ein vollkommen neues Spielerlebnis zu liefern. Es bleibt Luft nach oben, weshalb wir uns durchaus einen
Nachfolger wünschen, der uns noch ein wenig mehr Abwechslung liefert und vielleicht auch eine etwas bessere
Geschichte mit sich bringt. Das Spiel hat es sich trotzdem verdient, angespielt zu werden.






