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Preview: Kiipluu

von Andreas · ca. 5 Min. Lesezeit
Kiipluu

Unter mir knistert ein Lagerfeuer zwischen Knochen, Felsen und schiefen Zelten. Zwei Wachen reden, ein dritter zieht seine Runde, und irgendwo dahinter wartet das Mädchen, das ich finden soll. Kiipluu braucht in der Preview-Version nur wenige Minuten, um klarzumachen, was es sein will, nämlich kein prähistorisches Actionspiel mit Keule und Gebrüll zu sein, sondern ein raues Schleichabenteuer, in dem jeder Fehler sofort wehtut. Gerade dann, wenn ich Patrouillen beobachte, mich durch hohes Gras taste und jeden nächsten Schritt abwägen muss, wirkt das Spiel am stärksten und genau deshalb bleibt es schon nach kurzer Zeit deutlich mehr im Kopf, als es die Steinzeit-Prämisse zunächst vermuten lässt.

Schon der Einstieg wirft einen ohne große Umwege in die Situation. Der eigene Stamm wurde von den menschenfressenden Na’ush überfallen, Überlebende sind verstreut oder gefangen, und als junger Jäger macht man sich auf den Weg, Verbündete zu finden und eine verschleppte Stammesgefährtin zu retten. Viel mehr braucht Kiipluu zunächst gar nicht, um Spannung aufzubauen. Die Preview-Version lebt nicht davon, dass sie ihre Welt ausführlich erklärt, sondern davon, dass sie einen direkt in feindliches Gebiet schickt und dort mit jedem Busch, jeder Felswand und jedem Lager signalisiert, dass man hier besser nicht auffällt.

Genau darin liegt die größte Stärke des Spiels. Kiipluu will nicht, dass man sich wie ein unaufhaltsamer Krieger fühlt. Zwar gibt es Messer, Äxte, Speere und Bögen, man kann blocken, kontern, Gegner ausschalten und im Zweifel auch offen kämpfen. Aber fast alles im Spiel vermittelt, dass das eigentlich die schlechteste Lösung ist. Waffen halten nicht lange, Heilung ist begrenzt, Gegner teilen ordentlich aus und schon zwei oder drei Feinde gleichzeitig können eine Situation sofort kippen lassen. Dadurch bekommt das Schleichen genau das Gewicht, das ein Spiel wie dieses braucht.

Das Schleichsystem selbst ist dabei angenehm direkt. Man nutzt hohes Gras und Büsche als Deckung, beobachtet Patrouillen, wirft Steine zur Ablenkung, schleicht sich von hinten an Feinde heran und kann Körper danach verstecken. Die Sichtbarkeit wird verständlich kommuniziert, und schon nach kurzer Zeit stellt sich dieses typische Stealth-Gefühl ein, bei dem man nicht mehr bloß einen Weg abläuft, sondern ein Gebiet liest. Wo bewegt sich die Wache als Nächstes hin, wer schaut wohin, wo ist der sichere Rückzugsort, wo könnte ein toter Winkel liegen. Kiipluu ist genau dann am besten, wenn es diesen Denkmodus erzwingt.

Erfreulich ist auch, dass die Gebiete nicht komplett starr wirken. Die Preview-Version ist klar geführt, aber sie fühlt sich in vielen Momenten offener an, als man zunächst erwarten würde. Es gibt alternative Wege über Felsen, kleine Umgehungen durch Höhlen, höher gelegene Pfade und Situationen, in denen man ein Lager von mehreren Seiten angehen kann. Mal schaltet man einzelne Gegner nacheinander aus, mal nutzt man die Umgebung, mal findet man einen versteckten Zugang, der einen ein Stück des gefährlichsten Bereichs überspringen lässt. Gerade diese Struktur gibt Kiipluu mehr Reiz als ein reines Korridor-Stealthspiel.

Auch abseits des Schleichens deutet die Preview-Version an, dass hier mehr drinsteckt als bloßes Anschleichen. Ressourcen spielen eine Rolle. Nahrung dient als Heilung, aus Stöcken, Flint und Federn lassen sich Pfeile herstellen, Waffen verschleißen und können an bestimmten Werkbänken repariert werden. Dazu kommen kleine Save-Spots, die in dieser gefährlichen Welt schnell zu willkommenen Ruhepunkten werden. Das alles ist kein tiefes Survival-System, aber es reicht, um dem Abenteuer eine zusätzliche Ebene zu geben. Man zieht nicht einfach nur von Takedown zu Takedown, sondern achtet ständig darauf, womit man den nächsten Abschnitt überhaupt noch übersteht.

Interessant ist außerdem, dass Kiipluu zumindest im Kleinen mit Entscheidungen arbeitet. In der Preview gibt es Momente, in denen man verletzte Feinde verschonen oder töten kann, man bekommt Informationen auf unterschiedliche Weise und manche Situationen legen nahe, dass das Spiel mehr sein will als ein lineares Durchschleichen. Noch ist zu früh, um daraus ein großes Konsequenzsystem abzuleiten, aber der Ansatz ist da. Gerade in einem Setting wie diesem, das stärker über Stammesleben, Feindschaften und Überleben definiert ist als über große Politik oder bekannte Fantasy-Motive, könnte genau das später viel tragen.

Atmosphärisch macht Kiipluu ebenfalls einen guten Eindruck. Die Welt ist stilisiert, aber nicht verspielt, und sie hat genau die richtige Mischung aus Schönheit und Bedrohung. Feuerstellen leuchten in der Dunkelheit, enge Pfade und Schluchten erzeugen Druck, und die Ego-Perspektive macht das Ganze unmittelbarer, als es in einer Third-Person-Ansicht vermutlich wäre. Besonders gelungen sind jene Momente, in denen man von einem erhöhten Punkt auf ein Lager hinabblickt und sich langsam einen Plan zurechtlegt. Dann versteht man sehr schnell, warum dieses Spiel in der ersten Person spielt. Es macht die Welt nicht größer, aber deutlich nervöser.

Ganz rund wirkt die Preview-Version aber noch nicht. Am deutlichsten merkt man das im Kampf. Der erfüllt seinen Zweck, ist aber klar die schwächere Seite des Spiels. Treffer fühlen sich nicht immer sauber an, das Wechseln zwischen Waffen wirkt in hektischen Situationen sperrig, und manche Konfrontationen kippen eher ins Hakelige als ins Spannende. Das ist zum Teil wohl gewollt, weil offener Kampf riskant und unangenehm sein soll. Gleichzeitig merkt man aber auch, dass hier noch Feinschliff fehlt.

Ähnliches gilt für die KI. Oft funktioniert sie überzeugend genug, damit Spannung entsteht. Manchmal reagieren Gegner aber seltsam, entdecken einen zu abrupt oder verhalten sich in Momenten überraschend passiv, in denen man eigentlich mit mehr Aufmerksamkeit rechnen würde. Für ein Stealth-Spiel ist das natürlich ein sensibler Punkt, denn gerade dort lebt viel vom Gefühl, dass Regeln nachvollziehbar und fair sind. Sobald man beginnt, sich bei Entdeckungen zu fragen, ob das jetzt clever vom Gegner oder einfach nur etwas ungenau war, verliert das System sofort an Stärke.

Auch technisch ist noch nicht alles ganz glattgezogen. Kleinere Ruckler, etwas steife Animationen, nicht immer überzeugende Lippenbewegungen und einzelne Momente, in denen die Steuerung ruppiger wirkt als nötig, passen zu einer frühen Preview-Version, fallen aber eben auf. Gleichzeitig ist wichtig, dass darunter ein Kern sichtbar bleibt, der funktioniert. Und genau das ist hier der Fall. Kiipluu hat bereits jetzt eine klare Idee davon, was es sein möchte, und diese Idee trägt durch weite Teile der Vorschau erstaunlich gut.

Was mir dabei besonders gefällt, ist, dass das Spiel seine Steinzeitwelt nicht bloß als exotische Tapete verwendet. Totems, Amulette, Opferplätze, Höhlen, verstreute Stammesmitglieder und die Bedrohung durch die Na’ush geben dem Ganzen genug Eigenständigkeit, damit es sich nicht wie ein beliebiges Survival-Projekt mit Speeren anfühlt. Kiipluu wirkt vielmehr wie ein Spiel, das aus seinem Setting echte Spannung und Identität ziehen will. Genau deshalb bleibt von dieser Preview-Version mehr hängen als nur ein netter erster Eindruck.

Gut

Fazit

Andreas
Andreas
YouGame Redaktion
Kiipluu hat seine stärksten Momente genau dann, wenn es sich auf Beobachtung, Nervosität und präzises Schleichen konzentriert. Dann ist das hier ein wirklich stimmungsvolles Stealth-Abenteuer mit ungewöhnlichem Setting, starker Perspektive und genug spielerischen Ideen, um neugierig auf mehr zu machen. Weniger überzeugend ist es im offenen Kampf und überall dort, wo KI und Technik noch zu unfertig wirken.

Trotzdem ist das Gesamtbild klar positiv. Die Preview-Version zeigt schon jetzt ein Spiel, das Atmosphäre hat, das sich spielerisch von der typischen Steinzeit-Fantasie absetzt und das vor allem dann überzeugt, wenn es den Spieler klein, verletzlich und ständig einen Fehler vom Scheitern entfernt fühlen lässt. Wenn die Entwickler Kampf, KI und Feinschliff noch sauber nachschärfen, kann Kiipluu ein richtig spannendes Indie-Spiel werden, das nicht nur wegen seines Settings auffällt, sondern wegen der Art, wie es Spannung erzeugt.