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Preview: Narco Check

von Andreas · ca. 4 Min. Lesezeit
Narco Check

Der Ventilator rattert, draußen kreischen Vögel, irgendwo flackert eine Leuchtröhre, und vor dem Eingang sitzt ein Mann, der hier offenbar schon länger wartet als der Flughafen geöffnet war. Drinnen ist der Boden dreckig, die Wände bröckeln, der Snackautomat ist leer und auf dem Schreibtisch liegt mehr Provisorium als System. Narco Check wirft dich nicht in einen glänzenden internationalen Airport, sondern in einen heruntergekommenen Außenposten irgendwo in Kolumbien, an dem alles gleichzeitig nach Alltag, Korruption und Improvisation aussieht. Genau darin liegt schon nach wenigen Minuten ein großer Teil des Reizes.

Was danach folgt, ist auf den ersten Blick vertraut, bekommt durch dieses Setting aber sofort einen anderen Ton. Du räumst auf, schaltest den Strom wieder an, richtest den Wartebereich ein, bestellst ein paar Stühle, hängst ein Poster auf und befüllst den Snackautomaten, bevor überhaupt der erste Passagier bedient wird. Das klingt erst einmal banal, ist aber ein kluger Einstieg. Der Flughafen ist hier nicht bloß die Oberfläche für ein paar Kontrollmechaniken, sondern ein Ort, den du erst einmal wieder benutzbar machen musst. Dadurch fühlt sich Narco Check von Beginn an kleiner, schmutziger und persönlicher an als viele andere Spiele dieser Art.

Sobald der Betrieb startet, zeigt sich dann recht schnell, worauf das Spiel eigentlich hinauswill. Im Kern ist das Ganze klar von Papers, Please und ähnlichen Kontrollspielen inspiriert. Du vergleichst Namen, Fotos, Ausweisnummern und Nationalität, verkaufst die passenden Tickets und entscheidest, wer durchgewunken wird und wer nicht. Später kommen gefälschte Dokumente, Ticketklassen, Rückflüge, Gepäckkontrollen, Röntgenscans, physische Durchsuchungen und verbotene Gegenstände dazu. Dieser Ablauf funktioniert schon in der Preview erstaunlich gut, weil er schnell in einen Rhythmus kippt. Du lernst, schneller zu lesen, Gesichter nur noch als Muster wahrzunehmen und Fehler früher zu erkennen. Genau in diesen Momenten hat Narco Check diesen Sog, den gute Kontrollspiele brauchen.

Spannend wird es dort, wo das Spiel mehr sein will als bloß Dokumentenprüfung. Es gibt beschlagnahmte Ware, Gefangene, dubiose Anrufe und die klare Aussicht, dass du eben nicht nur der brave Beamte sein musst. Die aktuelle Version deutet sehr deutlich an, dass Narco Check mit dieser moralischen Schieflage spielen will. Bleibst du loyal und arbeitest sauber, oder fängst du an, dir nebenher etwas dazuzuverdienen, Deals mit zwielichtigen Figuren zu machen und Schmuggelware eben nicht nur aus dem Verkehr zu ziehen, sondern selbst in Umlauf zu bringen. Genau dieser Konflikt ist das eigentlich Interessante am Spiel, weil der Flughafen dadurch nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch Versuchung wird.

Dazu kommt, dass das Spiel seine Welt trotz aller Schlichtheit recht gut verkauft. Da lungern Gestalten herum, werfen Müll auf den Boden, kaufen Chips aus dem Automaten, während draußen der Hund durch die Gegend streift und der ehemalige Obdachlose plötzlich als Wachmann durch die Halle läuft. Es ist alles ein bisschen zu schmutzig, ein bisschen zu laut und ein bisschen zu kaputt, aber genau das gibt Narco Check seine Identität. Es wirkt weniger wie eine sterile Simulation und mehr wie ein kleiner, korrumpierbarer Mikrokosmos, in dem du jeden Tag versuchst, irgendwie Kontrolle zu behalten.

Ganz rund ist das Spiel aktuell aber noch nicht. Manche Übergänge wirken zu sprunghaft, einige Tutorials erklären nicht sauber genug, warum du etwas gerade tun musst, und vor allem die Gepäckkontrolle fühlt sich an manchen Stellen noch unnötig sperrig an. Dazu kommen technische Macken, seltsame NPC-Abläufe, Übersetzungsfehler und Soundeffekte, die stellenweise viel zu laut aus dem Spiel herausknallen. Auch das ständige Putzen und Wegwerfen von Müll ist ein Gag, der anfangs noch charmant ist, aber schnell in Arbeit umkippen kann. Gerade weil die Kontrollschleife an sich gut funktioniert, fallen solche Reibungen stärker auf, als sie es in einem beliebigeren Spiel würden.

Und dann ist da noch der Humor, der noch nicht immer ganz sitzt. Narco Check hat durchaus ein Gespür für absurde Momente und diese leicht kaputte Flughafenwirklichkeit, aber manche Einfälle wirken eher wie lose Witze als wie organischer Teil des Ganzen. Das ist nicht dramatisch, aber es ist genau die Art Detail, die später darüber entscheiden wird, ob der Ton des Spiels charmant schräg bleibt oder ins Beliebige kippt. Im Moment schwankt es noch zwischen beidem.

Gut

Fazit

Andreas
Andreas
YouGame Redaktion
Narco Check hat schon jetzt genug Persönlichkeit, um aus der Masse ähnlicher Spiele herauszustechen. Der heruntergekommene Flughafen, die Mischung aus Kontrolle, Aufbau und Korruption und die allmählich dichter werdende Routine am Schalter ergeben zusammen ein Spiel, das mehr sein will als nur ein weiterer Dokumentenprüfer mit neuem Anstrich. Wenn es am stärksten ist, fühlt es sich an wie eine kleine schmutzige Crime-Geschichte, die sich hinter Formularen, Gepäckscannern und Snackautomaten versteckt.

Noch ist das Ganze aber sichtbar roh. Einige Systeme greifen noch nicht sauber ineinander, das Spiel stolpert noch über seine eigene Struktur, und nicht jeder Einfall ist schon so stark, wie er sein will. Trotzdem ist hier ein Fundament zu sehen, das trägt. Wenn die Entwickler die Abläufe glätten, die moralischen Entscheidungen wirklich gleichwertig ausbauen und das Spiel technisch sauberer aufstellen, dann könnte Narco Check ein richtig guter kleiner Überraschungshit werden.