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Preview: Resident Evil Requiem

von Andreas · ca. 3 Min. Lesezeit
Resident Evil Requiem

Mit Resident Evil: Requiem bringt Capcom den mittlerweile neunten Hauptteil seiner traditionsreichen Horrorreihe auf den Markt und der soll vieles anders machen. Auf der Gamescom 2025 präsentierte sich der Titel nicht nur erstmals spielbar, sondern sicherte sich prompt gleich vier Awards: Best Visuals, Best Audio, Most Epic sowie Best Sony PlayStation Game. Doch wie gut ist das Spiel wirklich?

Die spielbare Demo entführt in ein heruntergekommenes Krankenhaus – das „Rhodes Hill Chronic Care Center“. Spieler:innen schlüpfen in die Rolle der FBI-Agentin Grace Ashcroft, Tochter von Alyssa Ashcroft, bekannt aus Resident Evil Outbreak. Die erste Szene ist bereits verstörend: Grace hängt kopfüber gefesselt, eine Kanüle in ihrem Arm. Während langsam Blut abfließt, beginnt der Spieler die Kontrolle zu übernehmen und wird unmittelbar in eine intensive, bedrückende Atmosphäre geworfen. Was genau mit ihr geschieht, bleibt zunächst unklar. Selbst gefundene Dokumente liefern keine eindeutigen Hinweise, sondern schüren nur weitere Fragen.

Sobald Grace sich befreit, beginnt die eigentliche Herausforderung: In völliger Dunkelheit, lediglich mit einem Feuerzeug ausgestattet, gilt es, einen Ausgang zu finden. Der Weg führt durch enge Flure, verfallene Räume und verschlossene Türen. Die Aufgabe klingt simpel – eine Sicherung finden, um ein Tor zu öffnen – doch der Weg dahin ist alles andere als geradlinig. Gegenstände wie ein Schraubenzieher und zwei separate Sicherungen müssen entdeckt und clever eingesetzt werden. Die Erkundung wird dabei durch die spärliche Beleuchtung, eine begrenzte Ausrüstung und das allgegenwärtige Gefühl der Bedrohung zusätzlich erschwert.

Ein Stalker wie kein anderer
Das größte Highlight und Schrecken der Demo ist ein neues, namenloses Monster. Es tritt nach etwa der Hälfte der Spielzeit auf den Plan und setzt neue Maßstäbe im Resident-Evil-typischen „Stalker“-Konzept. Die Kreatur ist riesig, grotesk, besitzt eine unheimlich menschliche Gestalt mit wuchernden Gliedmaßen, wulstigen Augen und Klauenhänden und sie riecht ihre Beute. Anders als frühere Serienvertreter wie Mr. X oder Lady Dimitrescu bewegt sie sich nicht nur durch Gänge, sondern auch über Decken und durch Schächte. Sie ist aggressiv, lernfähig und kompromisslos.

Einmal aufgescheucht, etwa durch das versehentliche Herunterfallen eines Metalltabletts, beginnt ein gnadenloses Katz-und-Maus-Spiel. Grace bleibt in der Demo wehrlos, es stehen keinerlei Waffen zur Verfügung. Das Spiel zwingt zur Improvisation: Ablenkungen mit Glasflaschen, Verstecken unter Tischen oder hinter Karren, und der gezielte Einsatz von Lichtquellen sind die einzigen Mittel zum Überleben. Besonders clever: Die Kreatur reagiert empfindlich auf grelles Licht – in hell erleuchteten Räumen brennt ihre Haut, was sie in die Flucht schlägt. Eine moderne Interpretation des klassischen „Safe Room“-Prinzips, logisch eingebettet ins Gameplay.

Zwischendurch zeigt das Spiel eindrucksvoll, wie überraschend und tödlich dieses Wesen agiert. In einem Fall schleudert es einen rollbaren Wagen gegen Grace, eine unerwartete Reaktion auf eine bestimmte Spielsituation. Genau solche „What-the-Fuck“-Momente machen den Reiz der neuen Horrorformel aus.

Technisch auf höchstem Niveau
Capcom setzt bei Resident Evil: Requiem erneut auf die hauseigene RE Engine und holt grafisch alles heraus, was moderne Hardware aktuell leisten kann. Die Licht- und Schatteneffekte sind eindrucksvoll, besonders in der Ego-Perspektive, in der das Spiel wahlweise erlebt werden kann. Die first-person-Ansicht sorgt für maximale Immersion, während die ebenfalls verfügbare Third-Person-Ansicht mehr Überblick bietet, aber bewusst mit inszenierten Stolperern oder eingeschränkten Sichtachsen kompensiert wird. Beide Perspektiven wurden sauber integriert und können dynamisch gewechselt werden.

Auch akustisch zeigt sich Requiem in Topform: Das Kratzen von Krallen auf dem Linoleumboden, das dumpfe Röcheln der Bestie, das Knistern des Feuerzeugs, all das trägt zu einer dichten, angespannten Atmosphäre bei. Die englische Synchronisation wirkt hochwertig und emotional, die Soundeffekte setzen gezielt auf Unbehagen.

Sehr gut

Fazit

Andreas
Andreas
YouGame Redaktion
Resident Evil: Requiem fühlt sich an wie eine Rückkehr zu den Wurzeln, aber mit neuen Mitteln, neuer Härte und technischer Brillanz. Die Demo zeigt eindrucksvoll, dass Capcom nicht nur weiß, wie man Spannung erzeugt, sondern auch, wie man sie modern inszeniert. Statt auf Dauerfeuer und Explosionen setzt Requiem auf Unbehagen, Kontrollverlust und das Gefühl, gejagt zu werden, ein klaustrophobisches Erlebnis, das selbst gestandenen Horror-Fans den Puls hochtreibt.

Dabei trägt nicht nur die eindrucksvolle audiovisuelle Inszenierung zur Atmosphäre bei, sondern auch die clevere Entscheidung, die Spieler:innen zeitweise völlig zu entwaffnen. Grace Ashcroft ist kein Supersoldat, sondern eine verletzliche, atmende Figur und genau das macht sie so überzeugend. Ob die fertige Version dieses Niveau über eine gesamte Spielzeit halten kann, bleibt offen. Doch wenn Requiem auch nur annähernd das liefert, was die Vorschau verspricht, erwartet uns 2026 ein neuer Meilenstein des Survival-Horrors.