Die Wolfenstein-Spiele haben eine bewegende Spielegeschichte hinter sich. Die Ursprünge gehen bis zum Apple II zurück, führen
weiter über das beschlagnahmte Wolfenstein 3D bis hin zur nun aktuellen Version Wolfenstein: The New Order. Die Serie konnte
bisher viele Spieler begeistern, ob der neue Teil dies auch schafft, haben wir für euch herausgefunden.
In Wolfenstein ist der Geschichtsverlauf etwas anders abgelaufen, denn der zweite Weltkrieg wurde von den Nazis, oder eigentlich
vom Regime, wie sie in der deutschsprachigen Version heißen, gewonnen und deren Schreckensherrschaft hält die Welt in Atem. Wir
versuchen den weiteren Geschichtsverlauf zu verändern und werden im ersten Level, das uns langsam in die Spielsteuerung
einführt, ins Jahr 1946 verfrachtet. Wir übernehmen wieder die Rolle von US-Soldat Blazkowicz und befinden uns in einem Flugzeug
mitten in einem Fliegerangriff um euch auf die Jagd nach dem verrückten General Totenkopf zu machen. Durch seinen Tod soll der
Kriegsverlauf endlich verändert werden, doch euer Auftrag misslingt und ihr landet schwer verletzt im Spital. Nach jahrelanger
Krankheit geht es im Spiel erst im Jahre 1960 weiter, wo wir mit Erschrecken feststellen mussten, dass unsere Feinde die
Weltherrschaft übernommen haben. Als unsere Anstalt in der wir gepflegt werden sollen dann plötzlich geschlossen werden soll und
alle Patienten nach der Reihe erschossen werden, kommt unser alter Charakter endlich wieder zum Vorschein und wir schwören Rache
für das bisher erlebte. Blazkowicz schließt sich dem Widerstand an und zieht in den Kampf gegen das Regime.
Die Entwickler von MachineGames nehmen sich selbst und die Thematik nicht ganz ernst und versuchen die Szenerie immer wieder ein
wenig durch den sprichwörtlichen Kakao zu ziehen. Dies spiegelt sich einerseits in der ganzen Umgebung mit seinen verrückten
Gegenständen oder Plakaten andererseits in den Sprüchen anderer NPCs wieder. Nicht nur einmal erwischt man sich selbst beim
Schmunzeln.
Auf der anderen Seite schafft es das Spiel jedoch auch unglaublich emotional zu sein, wie selten so manch anderes Spiel zuvor.
So muss man zum Beispiel in einer Szene die schwere Wahl treffen, wer seiner Kameraden sterben muss. Kann man sich nicht
entscheiden, müssen alle, auch wir, sterben und wir dürfen die Szene noch einmal spielen. Dies macht aus einem gewöhnlichen
Shooter jedoch auch ein richtiges Abenteuer mit dem man nach einiger Zeit nicht mehr aufhören kann und will.
Waffentechnisch stehen uns jede Menge unterschiedlicher Kampfgeräte zur Verfügung. Da fast jeder Gegner Munition liegen lässt
und man auch sonst an jeder Ecke Nachschub findet, geht uns hier nie der Nachschub aus, selbst wenn man in beiden Händen mit den
Waffen durch die Level rennt, wird man selten ganz ohne Munition enden. Aber auch Panzerung und Medi-Kits gilt es einzusammeln
um möglichst gesund durchzukommen. Vergessen darf man jedoch nie, dass dies nur per Knopfdruck funktioniert. Wer also gewöhnt
ist, einfach nur über die Waffen und die Munition zu laufen, muss sich erst umgewöhnen.
Schade ist, dass sich teilweise kleinere Fehler im Spiel eingeschlichen haben. So ist die gegnerische KI teilweise richtig dumm
und reagieren auf unsere Anwesenheit nicht, obwohl wir vor deren Augen vorbeigelaufen sind. Werden wir dafür erwischt, kann es
richtig böse werden. Vor allem, wenn uns ein Kommandant erwischt hat und Alarm auslösen schafft. Dann kommt nämlich seine
Verstärkung in Massen angelaufen und man muss sich richtig anstrengen um diese Wellen zu überleben.
Grafik
Technisch ist das Spiel sehr gut umgesetzt worden, das Leveldesign ist abwechslungsreich und die Schauplätze sehr
unterschiedlich gehalten. Vom Flugangriff bis zur U-Boot-Mission, von London bis zum Mond werden wir durch die Geschichte
getragen. Obwohl bei den wichtigen Personen richtig viel Arbeit in die Texturen investiert wurde, so schade ist es, dass die
Standard-Gegner teils verwaschene Texturen besitzen. Die Animationen und Zwischensequenzen sind dafür richtig schön umgesetzt
worden und erzählen uns die Geschichte spannend weiter.
Sound
Richtig gelungen ist die Synchronisation im Spiel, denn es wurden gute Sprecher gewählt, welche die Rollen mit sehr viel Einsatz
zum Leben erwecken. Allen voran General Totenkopf ist ein wahres Highlight. Schade ist, dass ein wenig bei der Feinabstimmung
der Lautstärken geschlampt wurde. Manche Dialoge sind so einfach viel zu leise und werden vom Schlachtlärm übertönt. Dies
spiegelt zwar den Realismus dar, stört aber dennoch beim Spielen. Ebenso wird dem Bass ein wenig zu viel Pause gegönnt, es hätte
für unseren Geschmack ruhig etwas mehr wuchtig sein können. Der Soundtrack hat uns dafür wieder richtig gut gefallen und treibt
uns richtig durch das Spiel.
Fazit
Einzigartigkeit verloren, die seinesgleichen sucht. Viele versuchten das Spielprinzip zu kopieren, selten ist es wem gelungen.
Der Egoshooter kann jedoch nicht nur mit seinem Gameplay überzeugen, sondern vor allem durch seine besondere Geschichte, die
zwar auf der einen Seite sehr humoristisch erzählt ist, aber auf der anderen Seite dennoch immer wieder genug Ernsthaftigkeit
mit
sich bringt. Ein Online-Modus fehlt leider, hier ist sicher Potential liegen gelassen worden, jedoch finde ich den Schritt
richtig lieber auf ihn zu verzichten, statt nur einen halbherzigen mitzuliefern. Kleinere Fehler, wie die teilweise dumme
Gegner-KI, lassen sich durch die unheimlich guten Videosequenzen schnell wieder vergessen. Dank der langen Story ist der Spaß
für viele Stunden garantiert. Shooter-Fans, wenn ihr das Spiel noch nicht besitzt, dann heißt es jetzt endgültig zuzugreifen.
Wolfenstein: New Order darf man nicht verpassen.






