Nach dem Überraschungserfolg von Endzone: A World Apart kehrt Gentlymad Studios mit einer Fortsetzung zurück, die vieles größer, strukturierter und strategischer anlegt. Dabei bleibt das Szenario unverändert trostlos – und doch wohnt dieser Postapokalypse ein merkwürdig beruhigender Reiz inne. Die Frage ist nur: Schafft es Endzone 2, die Stärken des Vorgängers auszubauen, ohne sich in repetitiven Abläufen zu verlieren?
150 Jahre nach einer nuklearen Katastrophe sind große Teile der Erde unbewohnbar. Wasser ist knapp, Böden sind oft verseucht, und nur vereinzelte Plateaus bieten genug Sicherheit, um eine neue Zivilisation aufzubauen. Mit dem Pathfinder, einem multifunktionalen Transportfahrzeug, brecht ihr mit einer Handvoll Überlebender auf, um den Grundstein für eine neue Gemeinschaft zu legen.
Die Ausgangslage erinnert an klassische Aufbaustrategien wie Anno, nur dass hier keine prachtvollen Handelsschiffe, sondern improvisierte Konvois zwischen Siedlungen pendeln. Das Szenario verknüpft typische Survival-Elemente – knappe Ressourcen, Naturkatastrophen, Expansion unter erschwerten Bedingungen – mit einem gemächlicheren, planungsorientierten Spielgefühl. Anders als in Frostpunk oder Surviving the Aftermath gibt es keine ständige Extremsituation, die euch unter Druck setzt. Wer vorausschauend agiert, kann selbst Dürreperioden oder Sandstürme relativ gelassen meistern.
Der Einstieg erfolgt sanft über ein umfangreiches Tutorial. Schritt für Schritt lernt ihr, wie ihr Wohnraum schafft, Wasser aufbereitet, Nahrungsquellen erschließt und erste Produktionsketten aufbaut. Schon bald wird klar: Die Karte ist in Zonen unterteilt, die wie Inseln in Anno jeweils eigene Ressourcen und Eigenheiten besitzen. Ein Plateau könnte fruchtbar, aber mineralarm sein, ein anderes reich an Erz, aber wasserarm.
Dieses Zonensystem ist die größte Neuerung und sorgt für eine organische Ausbreitung eures Einflussbereichs. Mit dem Pathfinder könnt ihr Expeditionen starten, in denen ihr Ruinen erkundet, wertvolle Ressourcen sichert oder stillgelegte Industrieanlagen reaktiviert. Diese Einsätze spielen sich wie kurze Adventure-Passagen: Ihr steuert eine Figur in einer separaten Instanz, löst kleine Rätsel und sammelt Wissenspunkte. Letztere sind essenziell für den Forschungsbaum, der von Basisgebäuden bis zu fortgeschrittenen Produktionsanlagen reicht.
Technisch läuft Endzone 2 stabil, auch wenn die Ladezeiten beim Start spürbar sind. Das Interface ist übersichtlich, die Steuerung präzise, und die Verwaltung mehrerer Siedlungen funktioniert auch im späten Spiel ohne Überforderung.
Grafik
Optisch gibt sich Endzone 2 realistisch, aber farblich zurückhaltend. Dominierende Grau-, Braun- und Beigetöne unterstreichen das karge Setting. Die Plateaus sind detailliert modelliert, Vegetation und Wettereffekte wie Regen, Sandstürme oder wechselnde Tageszeiten tragen viel zur Atmosphäre bei. Besonders gelungen sind die kleinen Animationen in den Produktionsgebäuden – Rauch, Funken, Wasserbewegungen –, die das Gefühl eines funktionierenden Systems vermitteln.
Allerdings fehlt der berühmte „Wuselfaktor“: Bewohner bleiben gesichts- und namenlos, agieren eher als abstrakte Arbeitskräfte denn als individuelle Figuren. Texturen wirken bei näherer Betrachtung teils unscharf, Schatten gelegentlich grobkörnig. Spektakuläre Lichteffekte oder aufwendige Partikelsysteme sucht man vergebens. Wer den Hochglanz-Look eines Anno 1800 erwartet, wird optisch eher ernüchtert, doch die Grafik erfüllt ihren Zweck und unterstützt das raue, zweckmäßige Szenario.
Sound
Akustisch schlägt Endzone 2 leise Töne an. Die Musik bleibt dezent im Hintergrund und setzt auf atmosphärische Flächen, um das Gefühl von Isolation und Weite zu verstärken. Wettereffekte sind authentisch umgesetzt, das Prasseln von Regen, das ferne Grollen eines Sturms oder das Pfeifen des Windes über das Plateau wirken immersiv.
Die Geräuschkulisse in den Siedlungen ist funktional, aber nicht herausragend. Produktionsstätten geben passende Arbeitsgeräusche von sich, doch Gespräche, Rufe oder andere belebende Details fehlen. Die Vertonung beschränkt sich auf wenige gesprochene Texte im Tutorial und in Hinweismeldungen. Insgesamt ist der Sound solide, trägt zur Stimmung bei, bleibt aber selten im Gedächtnis.
Multiplayer
Ein Multiplayer-Modus fehlt komplett. Das ist schade, denn das Zonensystem und die Möglichkeit, Handelsrouten aufzubauen, würden sich geradezu anbieten für kooperative oder kompetitive Szenarien. Gentlymad Studios konzentriert sich jedoch klar auf den Einzelspieler und den Endlosmodus. Das ist konsequent, verschenkt aber Potenzial für einen erweiterten Wiederspielwert, insbesondere bei Spielern, die gerne gemeinsam aufbauen oder gegeneinander wirtschaften.
Fazit
Trotzdem gibt es Abzüge: Die fehlende Kampagne und der Verzicht auf Multiplayer-Modi lassen das Potenzial des Spiels ungenutzt, während die zurückhaltende Präsentation und die teils detailarme Grafik nicht ganz mit Genregrößen wie Anno 1800 mithalten können. Wer jedoch über diese Punkte hinwegsehen kann und sich auf das ruhige, strategische Aufbauen in einer atmosphärischen Endzeit einlässt, findet in Endzone 2 einen starken Genrevertreter, der auch auf lange Sicht motiviert.






