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Review: Mario Kart World

von Andreas · ca. 5 Min. Lesezeit
Mario Kart World

Elf Jahre mussten wir warten, nun ist es endlich soweit: Mario Kart World startet als Launch-Titel auf der Switch 2 und verspricht das bislang größte und verrückteste Abenteuer der Kart-Reihe. Nintendo mischt Bewährtes mit viel Neuem – und liefert dabei nicht weniger als den ambitioniertesten Funracer seiner Geschichte. Doch kann die neue Open World wirklich überzeugen, was taugt der Multiplayer, wie steht es um Technik und Sound – und rechtfertigt das Gesamtpaket wirklich den Kauf einer neuen Konsole?

Schon nach den ersten Minuten merkt man: Mario Kart bleibt Mario Kart – und das ist auch gut so! Wieder sitzen wir mit Mario, Peach, Yoshi und Co. in den knallbunten Karts, fluchen über blaue Panzer und kämpfen um den ersten Platz auf wild designten Strecken. Das Fahrgefühl ist auf Anhieb vertraut, responsiv, spaßig und wird durch neue Stunt-Mechaniken, Wallruns und Grinds sogar noch komplexer und variantenreicher. Neue Items wie Hämmer oder Kameks Zauberkugel sorgen für frischen Wind, und statt auf Einzelteile zu setzen, schalten wir nun direkt komplette Karts frei – eine gute Entscheidung, die die Einstiegshürde gerade für neue Spieler*innen senkt.

Die Open World: Große Ideen, Luft nach oben

Der größte Sprung ist ohne Frage die neue, frei befahrbare Spielwelt. Auf den ersten Blick eine Revolution für die Reihe: Verschiedene Biome, zahlreiche kleine Herausforderungen, versteckte Peach-Medaillen, Fragezeichen-Panels, P-Schalter-Missionen und zahlreiche Easter Eggs laden zum Erkunden ein. Die Open World dient als Hub, verbindet alle Strecken und bietet im Free Roam-Modus viel Raum für Entdeckungen, Sammelobjekte und kleine Experimente, gerade jüngere oder entspannte Spieler*innen werden hier viele Stunden verbringen.

Allerdings wird schnell klar: So charmant und bunt die Welt ist, so wenig bleibt am Ende wirklich im Gedächtnis. Die Herausforderungen wiederholen sich, viele Aufgaben bringen lediglich kosmetische Belohnungen wie Sticker, und gerade für Komplettisten fehlt eine Übersicht, welche Objekte man schon gefunden hat. Was als große Sandbox-Idee gestartet ist, bleibt letztlich eher ein netter Zeitvertreib neben den Rennen. Der Wunsch nach mehr Tiefe, besseren Belohnungen und vor allem mehr Leben in der Spielwelt bleibt offen. Immerhin: Mit Updates ist in Zukunft zu rechnen, und als lockere Abwechslung taugt der Modus allemal.

Grand Prix und Knockout-Tour: Fahrspaß mit kleinen Schwächen

Der bewährte Grand Prix-Modus bleibt das Herzstück: Acht Cups, je vier Strecken, doch Nintendo hat die Formel verändert. Die einzelnen Kurse sind durch (oft breite, geradlinige) Highway-Abschnitte verbunden, sodass man tatsächlich von Rennen zu Rennen fährt. Das bringt zwar ein neues Flow-Gefühl, wird aber rasch etwas eintönig, da die Transitstrecken meist wenig Anspruch bieten. Glücklicherweise bieten die eigentlichen Rennkurse das gewohnt hohe Niveau: Viele neue, einige überarbeitete Klassiker, abwechslungsreiche Biome, zahlreiche Shortcuts und jede Menge Überraschungen. Besonders Rainbow Road sticht als einer der besten Kurse der Seriengeschichte heraus.

Als echtes Highlight entpuppt sich der neue Knockout-Modus: Hier fahren 24 Spieler*innen in einer großen K.O.-Tour, bei der nach jedem Abschnitt die Letztplatzierten rausfliegen. Die Spannung steigt mit jeder Runde, das Adrenalin ist spürbar, und gerade online entsteht ein Sog, wie ihn die Serie lange nicht mehr hatte. Wer Mario Kart liebt, bekommt hier das ultimative Battle-Royale-Gefühl – selten war ein Mehrspielermodus packender.

Mario Kart World motiviert über Münzen, freischaltbare Karts, ein Kostüm- und Charaktersystem, das allerdings etwas undurchsichtig bleibt. Viele Outfits gibt es nur über das Dash-Food-System und gerade bei Nebencharakteren wie Kuh oder Delfin muss man Glück haben, um etwas Neues zu ergattern. Die Sticker-Flut für Karts ist nett, aber motiviert wenig zum Weiterspielen. Hier wäre mehr Übersichtlichkeit und gezieltere Freischaltmöglichkeiten wünschenswert.

Neben der fehlenden Übersicht im Free Roam, den manchmal zu leeren Highway-Abschnitten und der etwas kargen Battle-Mode-Auswahl bleibt vor allem der fehlende 200ccm-Modus ein kleiner Wermutstropfen für Serienveteranen. Nintendo hat aber schon bei 8 Deluxe nachgeliefert, also bleibt Hoffnung. Auch mehr Abwechslung und Leben in der offenen Welt, wie echte Wettbewerbe oder ein Ausbau des kooperativen Online-Gameplays, würden Mario Kart World noch stärker machen. Trotzdem: Kaum ein anderer Funracer bietet auf Anhieb so viele Modi, Strecken, Fahrer*innen, neue Stunt-Mechaniken und so eine perfekte Multiplayer-Erfahrung wie World. Die Zukunft sieht rosig aus, gerade, wenn Updates und DLCs, wie von Nintendo gewohnt, noch nachgereicht werden.

Grafik

Optisch fährt Mario Kart World ganz vorne mit. Die neuen Biome und Strecken strotzen vor Details, egal ob Staubwolken im Canyon, dichte Dschungel mit wilden Lichteffekten, dynamische Wetterwechsel oder der mit Wasser gefüllte Reifenabdruck im Schnee – die Switch 2 zeigt, was sie kann. Charaktere und Karts sind lebendig wie nie, glänzen mit liebevollen Animationen, von der quietschenden Peach bis zum legendären Kuhfahrer, von epischen Stunts bis hin zu filmreifen Jubelposen im Ziel. In den Wiederholungen und im Foto-Modus zeigt sich, wie viel Liebe Nintendo in die Inszenierung gesteckt hat.

Klar: Technisch ist es kein PC-Grafikbrecher, aber Stil, Farbvielfalt und Animationen lassen jede Konkurrenz alt aussehen. Einziger Kritikpunkt: Im lokalen Vier-Spieler-Splitscreen wird die Bildrate halbiert, was auf großen Bildschirmen auffällt, aber nie wirklich den Spielspaß drückt.

Sound

Der Soundtrack ist, wie von Nintendo gewohnt, absolute Spitzenklasse. Über 200 neue und neu arrangierte Stücke begleiten das Geschehen – von fetzigem Jazz, Big-Band-Arrangements bis zu nostalgischen Remixes klassischer Mario-Titel und zeitlosen Ohrwürmern. Jeder Kurs hat seine eigene musikalische Identität, viele Tracks überraschen mit Instrumentierung und Stilvielfalt. Die Charaktere steuern dazu jede Menge Charme und Witz bei, brüllen, kreischen oder freuen sich je nach Rennsituation – und selbst Nebendarsteller wie Gumba, Delfin oder Kuh stehlen regelmäßig die Show. Lediglich das Fehlen einer Jukebox oder die Möglichkeit, gezielt Musik auszuwählen, fällt als kleine Schwäche auf – vielleicht wird auch hier noch nachgebessert.

Multiplayer

Mario Kart World spielt seine Stärken im Multiplayer voll aus. Lokal zu viert auf der Couch, mit bis zu 24 Spieler*innen online oder im lokalen Netzwerk – der Modus bietet für fast jeden Geschmack das richtige Setting. Besonders im Knockout-Modus oder im klassischen Grand Prix ist das Chaos mit so vielen Teilnehmenden perfekt, Item-Schlachten und Foto-Finishes inklusive. Die Steuerung ist zugänglich, Fahrhilfen und Auto-Items sorgen für Einsteigerfreundlichkeit, und Online-Lobbies liefen in unseren Tests stabil. Einziger Wermutstropfen: Der offene Free Roam-Modus ist primär eine Solo-Angelegenheit, Multiplayer-Funktionen darin beschränken sich bislang auf simple Lobbies – echtes gemeinsames Erkunden, kooperative Missionen oder Wettbewerbe fehlen. Auch das Battle Mode-Angebot bleibt etwas hinter früheren Teilen zurück: Es gibt nur wenige, wenig inspirierte Arenen, und die Symmetrie der alten SNES-Zeiten vermisst man schnell.

Was dagegen hervorragend umgesetzt ist, ist das Matchmaking und die technische Stabilität im Rennen selbst – Framedrops, Bugs oder Lags sind selten, die Bildrate bleibt (bis auf Splitscreen zu viert, wo auf 30fps reduziert wird) konstant. Besonders lobenswert: Die Option, sich schnell ins nächste Rennen zu stürzen, kurze Ladezeiten und die Möglichkeit, jederzeit in den Free Roam-Modus zu wechseln, sorgen für einen super Spielfluss.

Fazit

Andreas
Andreas
YouGame Redaktion
Mario Kart World ist ein mitreißender, spaßgeladener und technisch beeindruckender Funracer, der Bewährtes mit neuen Ideen verbindet. Die offene Welt bringt frischen Wind, auch wenn sie ihr Potenzial noch nicht ganz entfaltet. Grafik und Sound setzen Maßstäbe im Genre, der Multiplayer begeistert wie eh und je. Kleine Schwächen bei Freischaltung, Übersicht und Modusvielfalt trüben das Bild nur minimal – der Spielspaß steht wie immer im Mittelpunkt. Für Fans und alle, die es werden wollen, ist Mario Kart World ein Pflichtkauf. Und wer weiß: Mit ein paar Updates und etwas Feinschliff könnte das hier sogar der beste Serienteil aller Zeiten werden.
Grafik
9/10
Sound
9/10
Multiplayer
9/10
Gameplay
9/10
Spielspaß
9/10