Obwohl auf der Xbox 360 mit Halo Wars und Herr der Ringe: Schlacht um Mittelerde II zwei tolle Echtzeit-Strategie-Spiele erschienen sind, konnte das Genre nie wirklich Fahrt auf der Konsole aufnehmen. Da das Spielkonzept und die Steuerung jedoch funktionierten, verwundert es nicht, dass nun 8 Jahre später mit Halo Wars 2 der langersehnte Nachfolger erschienen ist, der abermals beweisen will, dass die Xbox One auch für Strategiespiele geeignet ist. Ob dies gelungen ist?
Halo Wars 2 steigt 28 Jahren nach dem Ende von Halo Wars ein, somit kurz nach dem Ende von Halo 5:Guardians. Das Raumschiff Spirit of Fire, das seit dem ersten Teil als verschollen galt, taucht plötzlich im Orbit der Arche, der Ursprungswelt aller Halos auf. Die auf der Arche stationierte KI Isabel bittet uns um Hilfe, denn Atriox, der Anführer der Banished hat jegliches menschliche Leben auf der Station ausgelöscht und bereitet sich auf einen neuen Krieg vor. Genauer wollen wir gar nicht auf die Story eingehen, da man den ganzen Zusammenhang nur versteht, wenn man ein wahrer Halo-Fan ist und sich mit der ganzen Welt genauer auseinander gesetzt hat. Für Einsteiger kann dies am Anfang durchaus ein wenig verwirrend sein, da im Laufe des Spieles auch nicht alles erklärt wird.
Die Missionen führen den Spieler sanft in die Steuerung ein, sodass man zu Beginn nie überfordert ist. Damit dies jedoch funktioniert, wurde das Spiel in manchen Bereich sehr simpel gehalten. So gibt es nur einen beschränkten Basisbau mit vorgefertigen Baufeldern. Truppen und Gebäude lassen sich verbessern, die Möglichkeiten sind jedoch überschaubar. Ressourcen sammeln wir keine, im Spiel zählt nur Energie und Truppennachschub, beides erledigt sich von selbst.
Einheiten schlagen sich im Kampf nach dem allbekannten Schere-Stein-Papier-Prinzip. So sind Infantristen gegen Flugeinheiten stark, diese wiederum gegen Fahrzeuge, gegen die die Infrantisten dafür keine Chance haben. Die Level und Aufgaben sind sehr vielfältig gehalten, sodass man sich in jeder Mission ein neues Vorgehen überlegen muss, um diese erfolgreich abzuschließen. Die Strategieexperten von Creative Assembly haben sich hier richtig ins Zeug gelegt um den Spieler wirklich zu fordern. Wem die Hauptmissionen zu wenig herausfordernd sind, der kann sich nebenbei auch noch um die Nebenaufträge kümmern und sich so sein Punktekonto nach oben schrauben. Schade ist, dass die spannende Geschichte leider nach wenigen Stunden bereits wieder vorbei ist. Selbst ungeübte Spieler sollten nach maximal zehn Stunden den Abspann des Spieles sehen und die zwölf Missionen bewältigt haben. Wenn man sich die digitale Version kauft, kann man dank der "Xbox Play Anywhere"-Funktion ohne Zusatzkosten sowohl am PC, wie auch auf Xbox One Spielen. Speicherstände, Add-Ons und Erfolge werden gespeichert und synchronisieren sich automatisch zwischen beiden Systemen.
Grafik
Schon aus den bisherigen Halo-Teilen weiß man, dass die Zwischensequenzen ein Highlight der Spiele sind, wo gekonnt mit den Gefühlen gespielt wird und die Geschichte hollywoodreif erzählt wird. Die Entwickler haben auch in Halo Wars 2 unglaublich schöne Zwischensequenzen vorbereitet, die zu den besten aller Halo-Spiele zählen. Auch sonst hat uns das Spiel gefallen, da die Einheiten mit einer riesigen Detailtiefe strotzen und die Welten schön umgesetzt wurden. Alles ist sehr bunt gehalten und bei den Kämpfen kann man sich an den Explosionen nicht satt sehen. Halo Wars 2 rennt dabei vollkommen flüssig ab, uns sind während des Tests keine Fehler untergekommen.
Sound
Die Halo-Reihe ist bekannt für seine gute, musikalische Untermalung und Halo Wars 2 enttäuscht uns hier auch nicht. Die Musik passt perfekt zu den Spielszenen und weiß uns im richtigen Moment Feuer zu machen. Die deutsche Synchronisation ist gut umgesetzt und die Stimmen passen zu den einzelnen Charakteren. Besonders erwähnenswert sind auch die vielen Soundeffekte, wo uns die Stimmen der Soldaten immer wieder zum Schmunzeln brachten.
Multiplayer
Strategiespiele, wie Halo Wars 2, bieten sich natürlich perfekt für lange Multiplayer-Sessions an. So kann man nicht nur gegeneinander antreten, sondern die Story auch im Coop zocken, was richtig Spaß macht. Teamwork ist jedoch dringend gefragt, denn die Truppen und Ressourcen teilt man sich mit seinem Mitspieler. Wen man nicht miteinander redet, landet man schnell in aussichtslosen Lagen. Mehr Zeit wird man hier jedoch wahrscheinlich im Deathmatch oder den zielbasierten Modi verbringen, wo bis zu sechs Spieler gleichzeitig auf einer Karte gegeneinander antreten können. Als Fraktionen stehen uns nur die Menschen und Banished zur Verfügung, dank den unterschiedlichen Commander bleibt es dennoch abwechslungsreich.
Richtig Spaß macht der neue Blitz-Modus, wo ganz auf den Basisbau verzichtet wird und man sich direkt am Schlachtfeld befindet. Als Ausgleich bekommt ihr ein paar Spielkarten in die Hand, die im Spielverlauf über Sieg und Niederlage entscheiden können, da eure Ressourcen und Truppen sehr beschränkt sind. Um diese zu verbessern oder zu erweitern, braucht ihr neue Karten in eurem Deck, die ihr euch entweder per Mikrotransaktion kaufen könnt oder auch durch Hochleveln bekommt. Auch, wenn Creative Assambly meint, dass es kein Pay-to-Win ist, bringt es den Spielern doch Vorteile, wenn sie sich die Karten kaufen und nicht mühsam mit der Ingame-Währung erspielen. Schade, dass man so einen Modus, der wirklich Spaß macht, auf diese Weise ein wenig Glanz nimmt.






