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Review: WRC 5

von Andreas · ca. 5 Min. Lesezeit
WRC 5

Als Rallyefan musste man in den letzten Jahren durchaus leidensfähig sein, denn den richtigen Kracher gab es schon lange nicht mehr. Einzig BigBen Interactive versuchte gemeinsam mit den italienischen Entwicklern von Milestone den Markt zu erobern, spielerisch und technisch konnten sie jedoch nicht überzeugen. Für den neuesten Teil wurde nun von BigBen Interactive das französische Studio KT Games beauftragt. Ob der Neustart dem Spiel gut getan hat oder ob dies wieder ein Schritt zurück war, verraten wir euch im heutigen Review.

Die Spielmodi haben nichts überraschendes, so gibt es das klassische schnelle Rennen, die komplette Rallye eines Landes, wie auch die Rallyeschule, die vor allem für Fahranfänger sehr empfehlenswert ist um Tipps und Tricks zur Steuerung zu bekommen. Was natürlich nicht fehlen darf ist ein Karrieremodus, wo ihr in der unteren J-WRC-Meisterschaft beginnt und einen der euch angebotenen Verträge annehmt. In weiterer Folge kämpft ihr euch durch die einzelnen Klassen um irgendwann in der WRC zu fahren und dort gegen die Besten der Besten um den Rallyethron zu fahren. Da das Spiel die original Lizenzen hat, freut es einen am Ende auch gegen bekannte Rallye-Fahrer anzutreten und auch über bekannte Rennstrecken zu rasen.

Auf eurer Saison kommt ihr rund um die Welt und dürft dreizehn unterschiedliche Länder besuchen, wobei jedes Land aus fünf Etappen plus einer Power Stage besteht. Die Landschaften sind sehr unterschiedlich gehalten und während man im hohen Norden durch Schneelandschaften brettert, bekommt man in Deutschland Asphaltrennen präsentiert. Ergänzend dazu gibt es noch verschiedene Wettereffekte und Tageszeiten, wobei diese nur sehr sanft eingesetzt werden und somit kaum Einfluss auf die Fahrzeugsteuerung haben. Gesamt gesehen sind die Pisten durchaus interessant umgesetzt, teilweise jedoch mit zu wenigen Herausforderungen. Bei den Fahrzeugen gibt es natürlich spürbare Unterschiede, die sich durch die verschiedenen Antriebe und Leistungen ergeben. Die Tuner wird es freuen, dass man einige Körperteile selbst verändern kann, auch wenn die Möglichkeiten überschaubar bleiben.

Die Steuerung selbst geht per Controller gut und präzise von der Hand, was für wahre Rennfans fast schon zu einfach ist. Selbst ohne Fahrhilfen verzeiht einem das Spiel sehr viel und man fährt ohne große Anstrengung sehr gezielt über die Piste. Dies ist zwar sehr einsteigerfreundlich, wahre Rennfans wird jedoch ein wenig die Herausforderung fehlen. Schade ist, dass die Zeiten der anderen Fahrer nicht simuliert werden, sondern diese einfach anhand des Spielerergebnisses berechnet werden. Egal wie schlecht ihr also fahrt, die Gegner werden nur knapp vor euch gewinnen. Eine KI-Berechnung, wie sie im Jahre 2015 wirklich nicht mehr zeitgemäß ist und wo der Spieler sich einfach nur verarscht fühlt. Denn selbst wenn ihr einfach mal 5 Minuten beim Start stehen bleibt, habt ihr zwar keine Chance auf den Sieg, der Sieger wird aber nur knapp vor euch gewonnen haben. Keine Ahnung, wer hier vom Entwicklerteam dachte, dass man so Spieler motivieren kann. Im Grunde müsst ihr nur halbwegs im Rahmen bleiben und schon werdet ihr die Rennen alle gewinnen. Und wenn ihr ein Bombenrennen hinlegt, werdet ihr die Gegner auch nicht abgehängt haben, denn auf magische Weise haben auch die anderen Fahrer plötzlich alle die Rennen ihres Lebens und sind nur knapp hinter euch gelandet.

Wichtig in den Rennen ist es möglichst wenig Schaden mit dem Fahrzeug zu nehmen, denn dies hat deutliche Effekte auf die Fahrleistung. Zwischen den Etappen habt ihr jedoch die Möglichkeit euer Fahrzeug zu reparieren, da ihr jedoch nur beschränkt Zeit habt, müsst ihr euch entscheiden, welche Schäden ihr richten lässt und mit welchen ihr weiter fahren wollt. Überschreitet ihr diese Zeit, gibt es eine Zeitstrafe. Kommt ihr im Rennen von der Strecke ab, könnt ihr euch per Knopfdruck zum letzten Checkpoint zurücksetzen lassen, dies aber nur ein paar Mal pro Rennen.

Grafik

WRC 5 zählt sicher nicht zu den schönsten Rallyespielen, dafür fehlt es dem Spiel vielfach an Details. Dies beginnt bei den Strecken, die teilweise zu eintönig sind, geht weiter zu den Regeneffekten, wo man keine Tropfen auf der Windschutzscheibe sieht bis hin zu den Fahrzeugen, wo die Cockpit-Gestaltung wirklich langweilig ist. Gefallen hat uns dafür das Schadensmodell, wo jegliche Schäden am Fahrzeug deutlich sichtbar sind und so auch Auswirkung auf die Steuerung und die Fahrweise haben. Schade ist, dass das Spiel immer wieder mit leichten Rucklern und auch Tearing zu kämpfen hat, was einen dann auf den Next-Gen-Konsolen doch etwas verwundert. Die Engine ist auf keinen Fall auf der Höhe der Zeit, da hätten wir uns bei einem Neustart echt mehr erwartet, als nur eine Neuauflage der längst veralteten Engine von KT Games.

Sound

Hier hätte das Entwicklerteam einiges mehr an Zeit reinstecken sollen. Die Motorengeräusche sind sehr unrealistisch, erinnern uns auch nur im Entferntesten an Rallye-Fahrzeuge. Irgendwie klingt die ganze Effektkulisse des Fahrzeuges etwas zu künstlich. Gar nicht gefallen hat uns auch die Audioumsetzung des Beifahrers, der gerade beim Rallye-Sport eine wichtige Funktion einnimmt. Dieser wirkt auf Deutsch einfach viel zu monoton und nach der 30 Frage, ob alles ok ist, will man ihn am liebsten einfach nur ruhig stellen. Wer auf den englischen Sprecher hofft, wird auch hier enttäuscht sein, da dieser viel zu schnell redet und verbunden mit der schlechten Aufnahmequalität kommt man oftmals nicht mit und bleibt ratlos.

Multiplayer

Im lokalen Multiplayer-Modus können bis zu acht Spieler gleichzeitig antreten. Man wählt die Strecke und schon fahren die Spieler hintereinander um die Bestzeit. Macht durchaus Spass, wobei es lustiger wäre, wenn immer mehrere Fahrer gleichzeitig fahren würden, da sich so die Rennen mit acht Spielern doch etwas in die Länge ziehen. Auch im Online-Modus treten bis zu acht Spieler gleichzeitig an. Leider werden Spieler wahllos miteinander zusammen geworfen, die Fahrklasse vorauswählen ist nämlich nicht möglich. Die Gegner sieht man in Online-Rennen als Geister auf der Strecke, durchaus ein gutes Feature, wenn sie nicht etwas zu hell wären. Diese Funktion ausschalten geht leider nicht. Schade ist auch, dass es nicht möglich ist, online eine Meisterschaft zu fahren. Des Weiteren ist es nicht immer leicht, genügend Spieler zu finden, hier bräuchte das Spiel noch mehr Käufer. Ergänzend gibt es noch eine weltweite Rangliste, wo man nur die Freunde rausfiltern kann. Ein Vergleich nach Fahrzeugklasse ist z.b. nicht möglich, obwohl dies viel aussagekräftiger wäre, als alle drei Rennklassen in einen Topf zu werfen.

Fazit

Andreas
Andreas
YouGame Redaktion
Schon die letzten WRC-Teile von Milestone waren nie der große Wurf, merkbare Verbesserungen waren jedoch immer spürbar. Milestone arbeitet jedoch an Sebastien Loeb Rally und Bigben Interactive hat WRC 5 in die Hände von KT Games gelegt und einen Neustart gewagt, und das spürt man im Spiel auch. Das Spiel macht grundsätzlich schon Spass, da man schnell einsteigen kann und die Steuerung einem viele Fehler verzeiht. Doch gerade diese Arcadelastigkeit nimmt dem Spiel viel Langzeitspass, da man zu wenig gefordert wird. Der Neustart war ein deutlicher Schritt nach hinten, aber vielleicht bedeutet dies ja auch was gutes, denn manchmal muss man auch einen Schritt zurück machen um dann weiter voran zu kommen. Wir sind deswegen schon jetzt auf WRC 6 gespannt und bis dahin sollten nur wahre Rallye-Fans zugreifen, die unbedingt etwas Neues benötigen und nicht bis 2016 auf Nachschub warten können.
Grafik
5/10
Sound
5/10
Multiplayer
6/10
Gameplay
6/10
Spielspaß
6/10