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Review: Act of Aggression

von Andreas · ca. 5 Min. Lesezeit
Act of Aggression

Bis zum heutigen Tage hat es kein Echtzeitstrategiespiel geschafft ein wahrer Nachfolger für Command & Conquer zu werden. Viele haben es versucht und viele sind gescheitert. Jetzt tritt Eugen Systems mit Act of Aggression in den Ring und möchte die Spieler mit realitätsnahen Schlachten begeistern. Ob sie es besser gemacht haben als ihre Konkurrenz, verraten wir euch in unserem Review.

Anfang der 90er Jahre konnten sich Echtzeitstrategie-Fans noch richtig ausleben. Warcraft und Command & Conquer revolutionierten das Genre und unzählige Titel konnten die Spieler begeistern. Überlebt hat bis auf Starcraft jedoch keine Serie der damaligen Zeit. Eugen System, die schon mit R.U.S.E. begeistern konnten, wollen nun mit Act of Aggression dem Genre neues Leben einhauchen und präsentieren uns ein Spiel mit allen klassischen Bausteinen, Ressourcen sammeln, Basis ausbauen und Armee aufstellen um dann den Gegner zu besiegen.

Dem Spieler stehen im Spiel drei unterschiedliche Fraktionen zur Verfügung, die sich alle auch vollkommen unterschiedlich spielen. Es gibt die US-Armee, das mysteriöse Kartell und die geheime UN-Eingreiftruppe Chimera. Leider gibt es nur für letztere beiden eine Kampagne, die USA darf man nur im Multiplayer und in Skirmish-Missionen spielen. Ein Tutorial für das Spiel gibt es nicht, man bekommt im Laufe der ersten Spiellevel die Funktionen nacheinander vorgestellt. So gilt es zu lernen, welche Ressourcen zum Truppen- und Basisbau man benötigt und wo man sie findet. Man lernt die verschiedenen Truppen samt ihrer Stärken und Schwächen kennen und bekommt schnell mit, dass man immer den Rohstoffabbau, die Basis-Erweiterung, die Verteidigung und sein offensives Vorgehen abstimmen muss, wenn man gewinnen will. Jede Fraktion weiß ihre Spezialfähigkeiten einzusetzen und ihr müsst die richtigen Truppen und Waffen einsetzen um den Gegner am wunden Punkt zu treffen. Act of Aggression bietet hier viel Platz für taktische Spielereien und lässt dem Spiel viele Wege um seine Pläne umzusetzen.

Die Geschichte selbst ist schnell erklärt. Sie spielt in naher Zukunft im Jahre 2019, kurz nach dem großen Shanghai-Crash, wo das chinesische Finanzsystem zerbrach. Nun versucht die böse Geheimorganisation namens Kartell die Weltordnung zu verändern. Auf der Seite der Guten findet sich die US-Armee und eine UNO-Taskforce, die unter dem Namen Chimera agiert. Die Story hätte durchaus Potential spannend zu sein, leider wird diese doch etwas zu langweilig herunter gespult. Die Geschichte zwischen den Missionen wird mit kurzen Nachrichtensendungen und animierten Menüs präsentiert, wodurch nie wirklich Stimmung und Spannung aufkommt. Schade ist auch, dass der Plot kaum dramatische Szenen oder Twists hat. Jede Mission hat noch eine Nebenmission, die ihr erledigen könnt. Einen Bonus oder andere Vorteile bringt euch dies jedoch nicht. In knapp 13 Stunden solltet ihr die Kampagne der Chimera und des Kartells durchgespielt haben.

Sieht man von den Schwächen der Story ab, so weiß Act of Aggression mit seinen Kleinigkeiten aufzufallen. So gibt es neben den Kämpfen am offenen Feld auch Hauskämpfe. Hierfür muss man nur genügend Soldaten in Gebäude schicken, damit diese dann entweder erobert oder verteidigt werden. Erobert man Bankgebäude, so wird dort in weiterer Folge Geld für einen abgehoben, dass man wieder für Truppenkäufe verwenden kann. Wenn man verletzte Soldaten der Gegner einfängt, bekommt man für sie Lösegeld. Es sind die Kleinigkeiten, die dem Spiel eine taktische Tiefe geben. So gilt es auch immer seine Truppen geschickt auszubauen und upzugraden um auch wirklich gegen den Gegner bestehen zu können und auch immer die passende Antwort auf gegnerische Truppen zu haben. Diese agieren nämlich durchaus intelligent und versuchen auch eure Schwächen auszunützen.

Grafik

Die Grafik ist in Act of Aggression solide umgesetzt und ist durchaus schön anzusehen. Die Karte ist zoombar und für die totale Übersicht gibt es auch einen Satellitenmodus, wo man aus der Vogelperspektive die Strukturen der Stadt zu Gesicht bekommt. Die Welt hätte teilweise zwar mehr Details vertragen und den Truppen der Fraktionen würden mehr Detailunterschiede richtig gut tun. Die Städte wissen dafür mit ihrem realistischem Aufbau, den man taktisch gut nutzen kann, dennoch zu gefallen. Wenn man heranzoomt, dann sieht auch jedes Gebäude anders an. Die Effekte rund um Explosionen sehen schön aus, auch wenn sie manchmal nicht ganz realistisch sind, denn Bäume zum Beispiel verschwinden bei Beschuss auf magische Art und Weise. Bei den Animationen mit denen die Geschichte fortgesponnen wird, hätten wir uns jedoch mehr erwartet. Die Handlung wird nämlich nur mit Nachrichtenvideos weitererzählt und die nächste Mission erzählt euch ein Portraitbild eures Vorgesetzten. Dies ist zwar nett umgesetzt, große Emotionen und erzählerische Tiefe wie bei Echtfilm-Sequenzen kommt dabei leider nicht auf.

Sound

Der Soundtrack erinnert uns sofort an ältere Strategiespiele und passt perfekt zum Spielgeschehen. Je nach Situation ist die Musik ein wenig ruhiger oder wird während der Schlacht richtig fetzig. Schade ist jedoch, dass es zu wenige unterschiedliche Stücke gibt und sich diese mit der Zeit zu wiederholen beginnen. Die Soundeffekte und Soldatensprüche sind gut umgesetzt, wiederholen sich jedoch zu schnell. Hier hätte man noch ein paar weitere Aufnahmen tätigen sollen. Ebenso hätte man sich durchaus deutsche Synchronsprecher leisten können. Es gibt im Spiel leider nur deutsche Untertitel und die englischen Sprecher sind zwar bemüht, wissen aber nicht vollständig zu überzeugen.

Multiplayer

Das wahre Highlight in Act of Aggression sind die Schlachten und die kommen im Multiplayer-Modus am besten zur Geltung. Es stehen dem Spieler rund 20 Schlachtfelder in fünf unterschiedlichen Regionen zur Wahl. Bis zu 40 Spieler dürfen dabei gleichzeitig auf einer Karte kämpfen, was zwar im ersten Moment extrem cool erscheint, dann aber doch schnell mit seiner Übersicht zu kämpfen hat. Es ist extrem schwierig sich mit 19 anderen Spielern richtig abzusprechen. Wer nicht soviele Spieler kennt, kann auch die KI die Spielerrolle übernehmen lassen.

Fazit

Andreas
Andreas
YouGame Redaktion
Act of Aggression macht wirklich Spass und weckt die Hoffnung, dass es endlich wieder ein richtig gutes Strategiespiel geben wird. Vieles haben die Entwickler schon jetzt richtig gemacht und in vielen Punkten weiß das Spiel wirklich zu überzeugen. Wenn in der nächsten Version noch die Geschichte verbessert wird und an einigen Ecken und Enden nochmal an kleinen Schrauben gedreht wird, dann steht uns ein würdiger C&C-Nachfolger bevor. Zur Zeit sollte man sich dennoch schon einmal mit Act of Aggression beschäftigen, denn das Spiel wird Genre-Fans stundenlang begeistern. Gerade im Multiplayer-Bereich bietet das Spiel nämlich Spass für viele Stunden und Fans der Echtzeitstrategie können mit einem Kauf nichts falsch machen.
Grafik
8/10
Sound
7/10
Multiplayer
8/10
Gameplay
8/10
Spielspaß
8/10