Mittlerweile sind Kriegsspiele, in denen man in die Rolle von Soldaten schlüpfen muss, nicht mehr zählbar. Der polnische Entwickler
11 bit studios wollte sich nicht in die Reihe dieser Spieler einreihen und lässt uns jetzt den Krieg von einer anderen Seite erleben.
Dafür stecken uns die Polen in die Rolle von Zivilisten, die in einer belagerten Stadt überleben müssen und fürs Überleben nicht nur
einmal in die moralische Zwickmühle geraten. Mit This War of Mine wurde eine richtig interessante Spielidee umgesetzt, die nicht nur
herausfordernd ist, sondern auch zum Nachdenken anregt. Warum, erzählt unser heutiges Review.
Während wir in den meisten Kriegsspielen überlegen müssen, wo wir neue Waffen und Munition einsammeln können, müssen wir in This War
of Mine unser Hauptaugenmerk auf ganz andere Sachen legen. Das wichtigste Ziel ist nämlich einfach zu Überleben, was einfacher
klingt, als man glaubt. Unsere tägliche Hauptaufgabe ist es nämlich Nahrung, Medikamente und sonstige Gegenstände zum Überleben zu
finden. Aber auch sonst haben eure Spielcharaktere unterschiedliche Bedürfnisse, um die ihr euch kümmern müsst. Nicht nur Hunger und
Müdigkeit ist wichtig bekämpft zu werden, sondern auch Verletzungen und andere Aufgaben müssen von euch kreativ gelöst werden. In den
nächtlichen Streifzügen schickt ihr Personen auf Streifzüge um neue Gegenstände zu sammeln, während andere Personen euer Haus
beschützen müssen und wieder andere schlafen.
Was bisher wie eine einfache Simulation klingt, wird recht bald vom Gegenteil überzeugt werden. Denn obwohl jeder Tag euch vor die
selben Grundaufgaben stellt und sich die Grundbedürfnisse euer Schutzlinge nicht verändern, so müsst ihr doch jeden Tag vorsichtig
agieren und ja nichts vergessen. Denn jeder Fehler von euch wird von der Spielmechanik gnadenlos bestraft, denn Entscheidungen sind
nicht umkehrbar. Ihr müsst jeden Tag überlegen, welche Personen ihr in Gefahr bringt und welche Gegenstände euch wichtig sind. Viele
Entscheidungen dabei sind wirklich schwer und je nach Entscheidung entwickelt sich der Spielverlauf anders weiter. Teilweise sind
emotionale Entscheidungen zwischen Leben und Tod zu fällen. Wollen wir das alte Ehepaar überfallen, nur um selbst wieder was zu essen
zu haben? Wollt ihr weitere Personen, die bei euch an die Tür klopfen, aufnehmen und die knappen Ressourcen mit ihnen teilen oder sie
doch in den ziemlich sicheren Tod wegschicken? Ebenso könnt beziehungsweise müsst ihr andere Orte plündern und teilweise andere
Überlebende in der Stadt überfallen und ihnen alles wegnehmen nur um eure eigenen Spielcharaktere zu retten. Ihr werdet immer wieder
vor extreme moralische Entscheidungen gestellt und euch wird unheimlich real vor Augen geführt, wie brutal Kriege wirklich sind.
Natürlich gibt es die Möglichkeiten auch menschlich zu sein und anderen zu helfen, doch wenn ihr das immer macht, dann kommt ihr
leider nicht weit, denn die Ressourcen im Krieg sind nun einmal beschränkt und reichen nicht für alle aus.
This War of Mine ist eigentlich ein extrem schweres Spiel, vor allem auch, weil es keine Möglichkeit gibt einen alten Speicherpunkt
neu zu laden. Ihr müsst also trotz Zeitdruck gut überlegt handeln, was gerade zu Beginn schwer ist, da es keine wirklichen
Erklärungen gibt. Gerade zu Beginn kann es also durchaus passieren, dass euch wichtige Personen durch falsche Entscheidungen sterben
und dadurch das Ende für die ganze Gruppe besiegelt ist. Aber auch sonst geizt das Spiel mit Informationen, denn man weiß nie, wie
lange eine Wunde zum Heilen braucht oder wie ob ein Spielcharakter bald verhundert ist. Der Titel ist frustrierend und das war auch
das Ziel der Entwickler. Sie wollten kein Spiel herausbringen, das Spass macht, es sollt ein Titel werden, der eine Erfahrung ist und
das ist wirklich gelungen.
Grafik
Bei der optischen Umsetzung hat sich das Team richtig Mühe gegeben und haben dem Spiel einen ganz eigenen Stil geschenkt und wirkt
fast wie ein mit Kohle gemaltes Bild. Dabei wird die düstere, leicht depressive Stimmung des Krieges direkt in unsere Spielzimmer
gebracht. Die meiste Zeit des Spieles verbringen wir jedoch in unserem Unterschlupf, ein mehrstöckiges, zerbombtes Haus das mit viel
Liebe zum Detail designed wurde. Auch unsere Spielcharaktere sind deutlich zu unterscheiden und oftmals bemerkt man auch nach derem
Verhalten welches deren größtes Verlangen gerade ist.
Sound
Wer durch die gezeigten Bilder noch nicht in den Krieg gezogen wurde, der wird dies spätestens mit dem Sound sein. Die melancholische
Hintergrundmusik löst oftmals ein Unbehagen aus und die Soundeffekte, wie Gewehrschüsse in der Umgebung, geben uns ein Gefühl mitten
drinnen zu sein. Das Spiel ist im gesamten eher ruhig, was jedoch auch perfekt zum Geschehen passt. Manchmal ist weniger, mehr.
Fazit
unheimlich realistisch und der im Spiel gezeigte Krieg könnte in diesem Moment überall auf der Welt statt finden. Tagtäglich müssen
Menschen weltweit ums nackte Überleben kämpfen und müssen sich Sorgen um Nahrung, Gesundheit und Hoffnungslosigkeit machen. In keinem
anderen Spiel wird einem dies so drastisch vor Augen geführt, wie in This War of Mine, wo wir immer wieder schonungslos vor
moralische Entscheidungen gestellt werden um selbst zu überleben. Zusammengefasst ist es wahrscheinlich das deutlichste Anti-Kriegs-
Spiel seit langer, langer Zeit, dass dennoch aber nie versucht mit dem erhobenen Zeigefinger auf uns zu zeigen. Auf jeden Fall ist
This War of Mine ein Spieltitel, denn man auf keinen Fall verpassen darf und dem wir eine klare Kaufempfehlung geben dürfen.






