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Filmkritik: Ready or Not 2

· ca. 5 Min. Lesezeit Andreas Zommer
Film-Bild: Ready or Not 2

Manche Fortsetzungen wollen größer sein, düsterer, bedeutender. Ready or Not 2 will vor allem eines sein, noch einmal ein verdammt gutes, böses Vergnügen. Und genau deshalb funktioniert dieser Film über weite Strecken so gut. Er versucht gar nicht erst, das Konzept des ersten Teils elegant zu verkleinern oder ihm künstlich Tiefe anzudichten, sondern macht das Naheliegende. Aus einer mörderischen Familie wird ein ganzer satanischer Machtapparat, aus einem perfiden Hochzeitsspiel ein Wettbewerb rivalisierender Dynastien, und aus einer gejagten Braut werden diesmal gleich zwei Frauen, die sich durch eine Welt aus Reichtum, Ritualen und Wahnsinn kämpfen müssen.

Der Film setzt direkt nach dem Ende des Vorgängers ein. Grace hat die Nacht überlebt, ihre mörderische Schwiegerfamilie ist explodiert, und eigentlich müsste jetzt nur noch irgendjemand der Polizei diesen Irrsinn erklären. Stattdessen geht das Grauen sofort weiter. Denn mit dem Untergang der Le Domas ist kein Fluch beendet, sondern nur ein Machtvakuum entstanden. Mehrere Familien wittern ihre Chance auf den Vorsitz in einer globalen Satanisten-Struktur, und wer diesen Posten will, muss Grace töten. Dass ausgerechnet auch noch ihre entfremdete Schwester Faith mit hineingezogen wird, gibt der Fortsetzung den zusätzlichen Antrieb, diesmal nicht nur auf Survival und Splatter zu setzen, sondern auch auf eine zweite Hauptfigur, die den Wahnsinn von außen spiegelt.

Diese Öffnung des Szenarios ist Fluch und Stärke zugleich. Ready or Not 2 ist nicht mehr das kompakte, klaustrophobische Kammerspiel des ersten Teils. Das neue Anwesen ist größer, die Zahl der Jäger deutlich höher, dazu kommen Wald, Golfplatz und ein ganzes Regelwerk voller satanischer Unterparagraphen, die Elijah Wood mit viel todernstem Unsinn verwaltet. Das macht Spaß, weil der Film seinen kompletten Irrsinn mit einer solchen Selbstverständlichkeit serviert, dass man gar nicht erst auf die Idee kommt, nach Logik zu fragen. Natürlich ergibt es keinen echten Sinn, dass jede Familie nur mit Waffen aus der Epoche ihres Teufelspakts jagen darf. Aber gerade dieser Unsinn sorgt für Abwechslung, für absurde Bilder und für die Art von Regelbürokratie, die das Ganze herrlich eskalieren lässt.

Das Problem ist nur, dass die größere Bühne nicht automatisch für stärkere Spannung sorgt. Der erste Film hatte seine Wucht auch deshalb, weil er so eng, so direkt und so klar gebaut war. Hier zerfasert sich das Geschehen gelegentlich. Die Jagd ist noch immer unterhaltsam, oft sehr blutig und mit dem richtigen Gespür für schwarzen Humor inszeniert, aber nicht jede Figur rechtfertigt wirklich ihre Präsenz. Einige der neuen Rival:innen bleiben eher Idee als Charakter, und auch das riesige Gelände macht nicht aus jeder Verfolgung automatisch ein Highlight. Der Film hat gute Einfälle, aber nicht genug davon, um über die komplette Laufzeit das Gefühl zu erzeugen, dass diese Erweiterung wirklich zwingend war.

Samara Weaving bleibt dennoch das Zentrum, und sie trägt auch diese Fortsetzung mühelos. Sie hat genau diese Mischung aus Überlebenspanik, Wut, Trotz und physischer Präsenz, die Grace schon im ersten Teil so stark gemacht hat. Diesmal ist sie härter, misstrauischer und weniger reaktiv, ohne ihre Energie zu verlieren. Kathryn Newton funktioniert an ihrer Seite gut, auch wenn die Schwesternbeziehung erzählerisch ein wenig zu deutlich auf emotionale Relevanz gedrückt wird. Der Konflikt zwischen Grace und Faith ist nicht schlecht, aber man merkt dem Film an, wie sehr er sich eine zusätzliche emotionale Achse wünscht, um nicht nur als zweiter Durchlauf desselben Spiels zu wirken. Ganz überzeugend trägt dieser Strang nicht immer, dafür fehlt den beiden Figuren zunächst ein wirklich greifbares gemeinsames Fundament.

Wirklich Spaß machen dafür die Gegenspieler. Shawn Hatosy legt einen widerwärtigen Psycho hin, der genau die richtige Menge Eskalation mitbringt. Sarah Michelle Gellar genießt jede Sekunde als kontrollierte, eitle, gefährliche Erbin, und Elijah Wood gewinnt mit seinem trockenen Regelwächter-Charme fast jede Szene, in der er auftaucht. Man merkt dem Ensemble an, dass hier viele Leute genau wissen, in was für einem Film sie gelandet sind. Niemand versucht, den Stoff künstlich zu adeln. Ready or Not 2 lebt davon, dass seine Darsteller:innen den Wahnsinn mit Überzeugung und Spielfreude verkaufen.

Auch tonal bleibt der Film erfreulich schmutzig. Er ist wieder sehr daran interessiert, Superreiche, Machtmenschen und ihre perverse Selbstlegitimierung in Stücke zu reißen. Das funktioniert im Jahr 2026 fast noch besser als 2019, weil die Lust, privilegierte Monster scheitern zu sehen, eher größer geworden ist. Ready or Not 2 macht daraus keine tiefschürfende Kapitalismuskritik, aber er versteht, wie sehr sein Publikum daran interessiert ist, dass diese Welt der Intrigen, Regeln und elitären Grausamkeit möglichst schmerzhaft gegen die Wand fährt. Gerade darin liegt viel von seinem Charme.

Trotzdem kommt die Fortsetzung nicht ganz an den Vorgänger heran. Ihr fehlt der enge Griff des Originals, die konsequente Einfachheit der Ausgangslage und die Frische des ersten Durchgangs. Manche Gags zünden nur halb, manche Actionpassagen hätten straffer sein können, und nicht jede Erweiterung des Mythos bringt wirklich einen Mehrwert. Aber auch wenn der Film zu lang und an einigen Stellen etwas aufgeblasen wirkt, verliert er nie ganz den Spaß an seinem eigenen Irrsinn. Und das ist in diesem Fall wichtiger, als es bei vielen anderen Fortsetzungen wäre.

Fazit

Andreas Zommer
Andreas Zommer
YouGame Redaktion
Ready or Not 2 macht genau das, was man von einer Fortsetzung dieser Art erwarten konnte. Er bläst das Konzept größer auf, erweitert die satanische Parallelwelt, erhöht die Zahl der Gegner und schiebt der bewährten Hauptfigur noch eine zweite Frau an die Seite. Das ist nicht immer die klügste Entscheidung, weil dem Film dadurch etwas von der straffen Boshaftigkeit des ersten Teils verloren geht. Aber es ist trotzdem ein verdammt unterhaltsamer Nachschlag geworden.

Samara Weaving ist erneut großartig, das Ensemble hat sichtlich Spaß, und zwischen Splatter, Zynismus und ritualisiertem Reichenhass findet der Film immer wieder zu genau jener teuflischen Freude zurück, die schon den Vorgänger getragen hat. Ready or Not 2 ist nicht besser als Teil eins, nicht einmal wirklich schlauer. Aber er weiß, was er sein will, und genau deshalb geht dieser Höllenritt über weite Strecken ziemlich gut auf.

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