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Filmkritik: Die Ältern

· ca. 3 Min. Lesezeit Andreas Zommer
Film-Bild: Die Ältern

Was bleibt von einem Leben, wenn die Kinder gehen und plötzlich niemand mehr nach einem ruft? Die Ältern setzt genau an diesem Punkt an. Nicht beim großen Knall, sondern bei der leisen Verschiebung, die man zu lange nicht ernst nimmt. Sönke Wortmann erzählt die Geschichte eines Mannes, der dachte, alles im Griff zu haben, und erst merkt, wie sehr er sich getäuscht hat, als ihm nach und nach die Gewissheiten wegbrechen.

Hannes lebt in einer Hamburger Wohlstandsrealität, die kaum Reibung kennt. Erfolgreicher Schriftsteller, schönes Haus, Richterin als Ehefrau, zwei fast erwachsene Kinder. Es ist das Bild einer saturierten Mittelschicht, die sich eingerichtet hat. Dass seine Romanreihe längst stagniert und seine Fürsorge für die Familie mehr Kontrolle als Nähe geworden ist, blendet er aus. Als Tochter Carla auszieht und Sara sich ihr anschließt, verliert Hannes nicht nur seinen Alltag, sondern sein Selbstverständnis. Der Verlag stellt seine Buchreihe ein, der Sohn braucht ihn weniger als gedacht, und plötzlich steht da ein Mann, der nicht weiß, wer er ohne seine Rolle als Vater eigentlich ist.

Sebastian Bezzel spielt diesen Hannes mit einer Mischung aus Phlegma und Verletzlichkeit, die den Film trägt. Er macht aus der Figur keinen tragischen Helden, sondern einen bequemen, oft blinden, aber im Kern nicht unsympathischen Mann. Gerade in den stilleren Momenten funktioniert das sehr gut. Wenn Hannes versucht, Normalität zu simulieren, während ihm alles entgleitet, entsteht eine Komik, die nicht laut sein muss, um zu treffen. Wortmann vertraut hier auf Dialoge und kleine Beobachtungen. Das gelingt besonders dann, wenn der Film nicht beweisen will, wie aktuell er ist, sondern einfach Figuren sprechen lässt.

Allerdings konzentriert sich die Perspektive fast ausschließlich auf Hannes. Sara und Carla bleiben streckenweise erstaunlich blass, obwohl gerade ihre Entscheidung der Auslöser der Krise ist. Dadurch wirkt die Trennung weniger wie eine emotionale Eskalation, sondern eher wie eine erzählerische Setzung. Auch einige Nebenepisoden kippen ins Alberne und unterlaufen die sorgfältiger aufgebauten Momente. Wo es schärfer und unbequemer werden könnte, bleibt der Film lieber freundlich.

Visuell bewegt sich Die Ältern in einem sehr aufgeräumten Hamburg, das mehr Kulisse als Konflikt ist. Die schöne Umgebung unterstreicht das zentrale Thema sogar unfreiwillig. Hier zerbricht kein Leben in existenzieller Not, sondern ein komfortables Selbstbild. Das ist interessant, weil es eine Krise zeigt, die aus Bequemlichkeit entsteht und nicht aus Mangel. Gleichzeitig fehlt manchmal der Mut, diese Bequemlichkeit wirklich zu entlarven.

Fazit

Andreas Zommer
Andreas Zommer
YouGame Redaktion
Die Ältern ist kein radikaler Film über Generationskonflikte oder Midlife-Krisen. Er ist eine solide, stellenweise treffende Tragikomödie über einen Mann, der lernen muss, dass Stabilität nicht automatisch Entwicklung bedeutet. Sebastian Bezzel überzeugt mit einer nuancierten Performance, die viele Schwächen des Drehbuchs auffängt. Wortmann inszeniert sauber und routiniert, verzichtet aber auf echte Zuspitzung. Am Ende bleibt ein warmherziges, gut gespieltes Vaterporträt, das mehr Potenzial hatte, als es ausschöpft.

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