Wenn man an Polen denkt, fallen einem vermutlich viele Dinge ein. Videospiele und E-Sport gehören für viele aber noch immer nicht zu den ersten Assoziationen. Genau das ändern Intel und die Electronic Sports League seit einigen Jahren mit Nachdruck. In Katowice fand erneut eines der größten E-Sport-Turniere der Welt statt, und wir waren vor Ort, um uns die Intel Extreme Masters World Championship genauer anzusehen.
„Welcome to the Grand Final of the Intel Extreme Masters World Championship“ hallte durch die Spodek-Arena, und mehr als 10.000 Besucherinnen und Besucher antworteten mit lautem Jubel. Schon um sechs Uhr früh standen die ersten Fans vor der Halle, um später möglichst gute Plätze zu bekommen. Kein Wunder, schließlich trafen hier einige der bekanntesten E-Sport-Teams der Welt aufeinander und spielten um insgesamt 500.000 US-Dollar Preisgeld.
Der Eintritt zur Veranstaltung war grundsätzlich kostenlos. Wer aber sicher früh in die Arena wollte, konnte sich im Vorfeld online Early-Entrance-Pässe sichern. Platz gab es auf dem Gelände dennoch reichlich, denn neben der Spodek-Arena war auch die angrenzende Expo-Halle Teil des Events. Über drei Tage hinweg kamen insgesamt 104.000 Besucherinnen und Besucher auf das Veranstaltungsgelände. Damit wurde schnell klar, dass die IEM Katowice längst mehr ist als ein einzelnes Turnier. Das Event ist eine Mischung aus E-Sport-Finale, Community-Treffen, Messe und Hardware-Schaufenster.
Besonders die Messe in der neu errichteten Halle zog viele Fans an. Dort konnten aktuelle Hard- und Software ausprobiert, getestet und vielfach direkt gekauft werden. Wer an die gamescom oder die Game City denkt, kann sich kaum vorstellen, mit einem neuen PC oder größerem Gaming-Zubehör direkt vom Event nach Hause zu gehen. In Katowice war genau das aber Teil des Erlebnisses. Viele Hersteller hatten spezielle Angebote für die IEM mitgebracht, und kaum jemand verließ die Halle ohne zumindest irgendeinen Einkauf oder ein Give-away.
Der erste Eindruck war entsprechend stark. Die Show wirkte professionell, die Arena war beeindruckend, und die Begeisterung der Fans war vom ersten Moment an spürbar. Gleichzeitig zeigten sich im Laufe des Wochenendes auch Schwächen in der Organisation. Dass Pressevertreter:innen trotz Akkreditierung nicht immer die direkten Wege nutzen konnten, sondern teils lange Umwege um die Halle nehmen mussten, war eher ein ärgerliches Detail. Andere Entscheidungen hatten deutlich größere Auswirkungen auf das Publikum.
Ein besonders bitterer Punkt war der Umgang mit der Intel Challenge. Im Vorfeld wurde betont, dass man Frauen im E-Sport fördern wolle. Dafür wurde ein eigenes Counter-Strike-Turnier für Frauenteams angekündigt. Umso unverständlicher war es, dass die Gruppenspiele hinter verschlossenen Türen stattfanden und nicht öffentlich für alle Besucher:innen sichtbar waren. Wer Sichtbarkeit schaffen will, darf ein solches Turnier nicht an den Rand des Programms drängen. Förderung sieht anders aus.
Auch die gastronomische Versorgung war ein Schwachpunkt. Die polnische Spezialität Zapiekanka, eine Art überbackenes Sandwich, schmeckte zwar gut, doch die Auswahl an Alternativen war vor Ort überschaubar. Viele Gäste versuchten deshalb bereits am Freitag, rund um die Arena etwas zu essen zu bekommen. Tagsüber war das kein großes Problem, weil man das Gelände verlassen und wieder betreten konnte. Am Abend wurde daraus jedoch ein ernstes Ärgernis.
Ab 22 Uhr wurden die Eingänge ohne ausreichende Vorankündigung geschlossen. Zahlreiche E-Sport-Fans standen enttäuscht vor der Halle und kamen nicht mehr hinein, obwohl im Inneren noch das Counter-Strike-Finale lief. Selbst Besitzer:innen von Premium-Tickets mussten wieder abziehen. Das Finale dauerte bis 3.30 Uhr, fand am Ende aber vor einer deutlich leereren Halle statt, als es diesem Spiel angemessen gewesen wäre. Ausgerechnet der Höhepunkt des Abends hätte eine große Party werden können, wurde durch die Einlassentscheidung aber spürbar ausgebremst.
Wie stark die Stimmung in Katowice sein konnte, zeigten die folgenden beiden Tage. Die Halle war über weite Strecken bis auf den letzten Platz gefüllt, und die Atmosphäre übertraf so manches Fußballspiel. Der Jubel, die Sprechchöre und die Reaktionen auf starke Spielzüge machten deutlich, wie tief E-Sport in dieser Community bereits verankert ist. Hier wurde nicht einfach nur zugesehen. Hier wurde mitgefiebert, gezittert, gefeiert und gelitten.
Sportlich lieferten die Teams genau jene Geschichten, die ein großes Turnier braucht. Besonders im Counter-Strike-Turnier stand Fnatic im Mittelpunkt. Das Team wirkte nicht in jeder Phase souverän und schenkte Luminosity Gaming im Finale mehrfach größere Vorsprünge. Doch gerade in den entscheidenden Momenten drehte Fnatic auf. Mit beeindruckender Nervenstärke und spielerischer Klasse sicherte sich das Team am Ende mit einem klaren 3 zu 0 den Titel.
In League of Legends führte wiederum kein Weg an SK Telecom T1 vorbei. Das koreanische Team zeigte einmal mehr, warum es zur absoluten Weltspitze gehört. Die Spieler lasen ihre Gegner oft schon früh, bestraften Fehler konsequent und ließen viele Partien leichter aussehen, als sie tatsächlich waren. Gerade diese kontrollierte Dominanz machte den Auftritt so beeindruckend.
Auch in den weiteren Disziplinen gab es starke Sieger. In Heroes of the Storm gewann Team Dignitas und ließ im Finale kaum Zweifel daran, warum dieses Team den Titel verdient hatte. In StarCraft II zeigte Polt erneut seine Klasse. Mit einem 4 zu 2 gegen Snute sicherte er sich bereits seinen vierten Titel und unterstrich, warum er zu den besten Spielern der Welt zählt.
Insgesamt bot die Intel Extreme Masters World Championship in Katowice ein beeindruckendes Turnier mit enormer Strahlkraft. Die Stimmung in der Arena war großartig, die Spiele lieferten zahlreiche Höhepunkte, und die Mischung aus Messe, Community und E-Sport-Finale funktionierte über weite Strecken hervorragend. Gleichzeitig darf man die organisatorischen Schwächen nicht kleinreden. Gerade der Umgang mit dem Frauenturnier, die Einlasssituation am Freitagabend und die Verpflegung trübten den ansonsten starken Gesamteindruck.
Dennoch zeigte Katowice eindrucksvoll, welches Potenzial in Polen als E-Sport-Standort steckt. Wenn die Rahmenbedingungen rund um das Event weiter verbessert werden, spricht wenig dagegen, dass sich die Stadt dauerhaft als eines der wichtigsten E-Sport-Zentren Europas etabliert. Die Fans sind da, die Atmosphäre ist da, die internationale Aufmerksamkeit ist da. Jetzt muss nur noch die Organisation in allen Bereichen mit dem sportlichen Niveau mithalten.
Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Reise zur Intel Extreme Masters World Championship nach Katowice erfolgte auf Einladung von Intel. Die Kosten wurden von Intel übernommen.
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