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Piatnik Herbstneuheiten 2025

Piatnik brettspiel von YouGame Redaktion ca. 5 Min. Lesezeit

Während halb Österreich am 18. November auf das entscheidende WM-Qualifikationsspiel der österreichischen Fussballnationalmannschaft blickte, lud Piatnik eine kleine Runde von Journalist:innen in die traditionsreiche Fabrik in der Hütteldorfer Straße. Zwischen Druckmaschinen, Kartenschneidern und Lagerregalen präsentierte der Wiener Verlag seine Spiele-Herbstneuheiten 2025. Gleichzeitig gab der Abend einen ungewöhnlich offenen Einblick in die aktuelle Lage einer Branche, die sich längst nicht mehr nur über große Klassiker und Familienspiele definiert.

Geschäftsführer Dieter Strehl skizzierte zu Beginn die Rahmenbedingungen, unter denen Verlage derzeit arbeiten. Internationale Messen seien enorm kostspielig, während Werbebudgets vieler Häuser schrumpfen. Auch das Wiener Spielefest habe nicht mehr jene Strahlkraft, die es früher einmal besessen habe. Umso wichtiger werde es für einen Verlag wie Piatnik, das eigene Profil klar zu schärfen und Produkte zu entwickeln, die schnell verständlich sind, aber dennoch unterschiedliche Zielgruppen erreichen.

Auf die Frage nach großen Trends in der Brettspielwelt hatte Strehl eine nüchterne Antwort. Nicht ein einziges Thema dominiere den Markt, sondern eine immer stärkere Ausdifferenzierung. Für jede Altersgruppe, jedes Zeitfenster und jede Vorliebe gibt es mittlerweile passende Spiele. Das reicht vom kleinen Fünf-Minuten-Mitnehmspiel bis zur abendfüllenden Strategierunde. Besonders auffällig sei weiterhin die Stärke von Titeln, bei denen niemand lange Regeln lesen muss. Spiele, die direkt am Tisch erklärt werden können oder sich schon beim Auspacken erschließen, haben es im Handel und im Familienumfeld deutlich leichter.

Piatnik Herbstneuheiten 2025

Diese Beobachtung erklärt auch, warum Klassiker im Piatnik-Programm nach wie vor eine zentrale Rolle spielen. Smart 10 hat sich mit rund einer Million verkauften Exemplaren allein bei Piatnik zu einem modernen Evergreen entwickelt. Auch Activity und Tick Tack Bumm werden kontinuierlich gepflegt, überarbeitet und erweitert. Parallel dazu boomen sehr einfache Partyspiele für Erwachsene sowie kompakte Pocketspiele, die wenig kosten, wenig Platz brauchen und schnell erklärt sind. Anspruchsvolle Familien- und Strategiespiele sowie klassische Kinderspiele bleiben wichtige Säulen im Programm, bilden mengenmäßig aber kleinere Segmente.

Aus dieser Gemengelage heraus entstanden die acht Herbstneuheiten, die Spieleredakteur Severin Strehl im Anschluss vorstellte. Den Anfang machte wenig überraschend Smart 10. Neben einem neuen, klar erwachsenen Fragenpaket mit dem Titel 18+ bringt Piatnik mit Smart 10 Spotlight eine Variante, deren beleuchtete Smartbox auch bei gedimmtem Licht, in der Bar oder bei einer späteren Spielerunde gut funktionieren soll. Am bewährten Prinzip ändert sich dabei nichts. Eine Frage, zehn Antwortmöglichkeiten, unterschiedliche Antworttypen und jede falsche Entscheidung kann wertvolle Punkte kosten.

Im Quiz- und Partybereich setzt der Verlag mit Smart Ass, Otto Normalo, Pass the Word und Letter Hunt deutlich auf Zugänglichkeit, Tempo und Humor. Smart Ass, im englischen Sprachraum bereits ein Bestseller, erscheint erstmals auf Deutsch. Die Spielenden müssen mit möglichst wenigen Hinweisen gesuchte Begriffe erraten. Dadurch entsteht ein schnelles Tempo-Quiz, bei dem weniger langes Grübeln als Reaktionsvermögen und ein gutes Gespür für Hinweise gefragt sind.

Otto Normalo dreht den klassischen Quizansatz augenzwinkernd um. Alle tippen eine Zahl zwischen 1 und 99. Wer der richtigen Lösung am nächsten kommt, geht jedoch ebenso leer aus wie jene Person, die am weitesten entfernt liegt. Gefragt ist also nicht das beste Wissen, sondern wohldosierte Mittelmäßigkeit. Gerade diese kleine Verschiebung macht den Reiz des Spiels aus, weil plötzlich nicht mehr der klügste Tipp gewinnt, sondern derjenige, der am besten einschätzt, wo die anderen liegen könnten.

Pass the Word überträgt das Prinzip der Stillen Post auf Wortassoziationen. Ein Begriff wandert über mehrere Personen und verändert sich bei jeder Station, bis am Ende erraten werden muss, was ursprünglich gemeint war. Letter Hunt wiederum variiert das bekannte Stadt-Land-Fluss-Prinzip. Zu einer Kategorie müssen passende Begriffe gefunden werden, deren Anfangsbuchstabe durch die eigene Sitzposition bestimmt wird. Alle spielen gleichzeitig, aber nicht alle lösen dieselbe Aufgabe. Dadurch entsteht ein hektischer, leicht chaotischer Suchmoment, der gut zu schnellen Runden in größerer Besetzung passt.

Auf der anderen Seite des Programms positioniert Piatnik Waldland als große Herbstneuheit für Strategie-Fans. Über drei Saisonen bauen die Spielenden ein Ökosystem im nordamerikanischen Küstenregenwald auf. Sie sammeln Karten über ein Drafting-System, errichten dreidimensionale Bäume und versuchen, Nahrungsketten, Tierpopulationen und Bedrohungen in ein sinnvolles Gleichgewicht zu bringen. Wer möchte, kann sich in der Solo-Variante Einsamer Fuchs auch alleine durch den Wald knobeln. Damit richtet sich Waldland deutlich an ein Publikum, das mehr Planung, mehr Verzahnung und mehr Spieltiefe sucht als bei den schnellen Partyspielen des Programms.

Für Familien rücken zwei weitere Titel in den Vordergrund. In Elixirus treten die Spielenden als Zauberlehrlinge an, die im Wald Pilze, Eicheln und Kräuter sammeln, Zutaten tauschen oder auch einmal frech stehlen, um anschließend auf ihren Brautafeln Zaubertränke in verschiedensten Flaschen zu vollenden. Spezialzutaten, verfluchte Komponenten und das richtige Timing beim Verschließen der Flaschen sorgen dafür, dass trotz einfacher Regeln genügend taktische Entscheidungen übrig bleiben. Der Zugang bleibt leicht, doch unter der freundlichen Oberfläche steckt genug Spielraum für kleine Gemeinheiten und clevere Züge.

Team Adlerauge zielt stärker auf Kinder und Familien ab und setzt auf einen optischen Kniff. Erst mit Hilfe stilisierter Taschenlampen, die ohne Elektronik auskommen, werden auf den Suchtafeln bestimmte Symbole sichtbar. Alle spielen gleichzeitig, schätzen, wie oft bestimmte Motive im nächtlichen Wimmelbild vorkommen, und versuchen kooperativ, rechtzeitig wieder nach Hause zu kommen. Im kompetitiven Modus können sich die Spielenden hingegen gegenseitig ausstechen. Das Spiel lebt damit von Aufmerksamkeit, Schnelligkeit und dem einfachen Reiz, in einer scheinbar dunklen Szene doch noch das entscheidende Detail zu entdecken.

Am Ende des Abends wurde deutlich, was Piatnik mit seinem Herbstprogramm 2025 anvisiert. Es geht nicht um eine radikale Neuausrichtung, sondern um ein feines Nachjustieren des eigenen Profils. Der Verlag bleibt seinen massentauglichen Quiz- und Partyformaten treu, ergänzt diese aber um ein markantes neues Strategiespiel und familienfreundliche Konzepte mit hohem Aufforderungscharakter. In einem Markt, in dem jede Nische bereits besetzt scheint und Aufmerksamkeit teuer erkauft werden muss, setzt Piatnik auf Verlässlichkeit, Zugänglichkeit und Spiele, die möglichst selten mit einem Regelheft beginnen.

Fotocredits: Andreas Zommer

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