YouGame Logo

Spielefest Wien und Esports Festival 2026 feiern das Spielen in all seinen Formen

Eventbericht von YouGame Redaktion ca. 7 Min. Lesezeit
Spielefest Wien und Esports Festival 2026 feiern das Spielen in all seinen Formen

Wenn Würfel über Tische rollen, wenige Stockwerke darüber League-of-Legends-Profis vor einem voll besetzten Saal gegeneinander antreten und dazwischen Cosplayer, Indie-Entwickler, Familien und Sammelkartenfans durch die Gänge ziehen, wird deutlich, wie breit die Welt des Spielens inzwischen geworden ist. Am 11. und 12. Juli 2026 verwandelten das Spielefest Wien und das Esports Festival das Austria Center Vienna erneut in einen Treffpunkt für nahezu alle Bereiche der Spielekultur.

28.700 Besucherinnen und Besucher kamen an den beiden Veranstaltungstagen nach Wien und sorgten damit für einen neuen Rekord. Das ist umso bemerkenswerter, da das Esports Festival sein fünfjähriges Jubiläum erstmals ohne einen großen Hauptsponsor feiern musste. Statt dadurch kleiner oder vorsichtiger zu werden, präsentierte sich die Veranstaltung jedoch umfangreicher denn je. Rund 250 Aussteller, knapp 2.000 Spieltische, mehrere Hallen und vier bespielte Ebenen machten aus dem Austria Center ein Wochenende lang eine eigene kleine Spielewelt.

Die größte Stärke des Konzepts blieb dabei die Verbindung zweier Bereiche, die auf den ersten Blick unterschiedlich wirken, in der Praxis aber hervorragend zusammenpassen. Ein gemeinsames Ticket öffnete den Zugang zum digitalen Esports Festival, zum analogen Spielefest Wien und zum ergänzenden Food Festival auf dem Vorplatz. Dadurch entstanden keine voneinander getrennten Veranstaltungen, sondern ein großes Festival, bei dem sich das Publikum immer wieder vermischte.

Vom Brettspiel direkt zur E-Sport-Bühne

Wer den Tag zwischen den verschiedenen Ebenen verbrachte, konnte innerhalb weniger Minuten vollkommen unterschiedliche Formen des Spielens erleben. Unten wurde konzentriert an komplexen Strategiespielen getüftelt, Sammelkarten wurden getauscht und Miniaturen bemalt. Weiter oben liefen Indie-Spiele auf den Bildschirmen, Besucher traten bei Community-Turnieren an und auf der großen Bühne kämpften bekannte Teams vor einem begeisterten Publikum.

Gerade diese Übergänge machten den besonderen Charakter der Veranstaltung aus. Familien, die ursprünglich wegen des Spielefests gekommen waren, konnten auch einen Blick auf moderne E-Sport-Wettkämpfe werfen. Gaming-Fans wiederum entdeckten zwischen zwei Bühnenprogrammen vielleicht ein neues Brettspiel, ein Tabletop-System oder eine der zahlreichen Kartenrunden. Die beiden Welten konkurrierten nicht um Aufmerksamkeit, sondern ergänzten einander.

Trotz des starken Andrangs funktionierte die räumliche Aufteilung besser als noch in den Vorjahren. Zusätzliche Flächen im Untergeschoss boten mehr Platz für Spieltische und den deutlich ausgebauten Trading-Card-Bereich. Dadurch verteilte sich das Publikum besser über das Gebäude. Bei besonders beliebten Ständen und Programmpunkten ließ sich Gedränge natürlich nicht vollkommen vermeiden, insgesamt blieb die Veranstaltung angesichts der hohen Besucherzahl aber erstaunlich gut begehbar.

Wer tatsächlich alle Bereiche sehen wollte, musste dennoch Zeit mitbringen. Zwischen der großen E-Sport-Halle, den Brettspielbereichen, der Indie Area, den Turnierflächen, dem Cosplay Village und der zusätzlichen Erlebnishalle ließ sich problemlos ein kompletter Tag verbringen. Selbst ein Wochenendticket garantierte noch nicht, dass jedes Spiel ausprobiert und jeder Programmpunkt gesehen werden konnte.

Fast 5.000 Spiele warten auf neue Mitspieler

Das Herzstück des Spielefests blieb die große Spielothek. Aus einem Bestand von fast 5.000 Brett- und Kartenspielen konnten Besucher kostenlos Titel ausleihen und direkt vor Ort ausprobieren. Neben bekannten Klassikern standen aktuelle Neuheiten, kleinere Produktionen und weniger bekannte Spiele zur Verfügung. Wer unsicher war, welches Spiel zur eigenen Gruppe passte, oder Hilfe beim Einstieg benötigte, konnte sich an die zahlreichen Spieleerklärer wenden.

Dieses Konzept machte das Spielefest erneut angenehm zugänglich. Niemand musste ein Spiel kaufen, nur um herauszufinden, ob es tatsächlich gefällt. Stattdessen konnte man sich an einen freien Tisch setzen, die Regeln erklären lassen und gemeinsam losspielen. Dadurch funktionierte die Veranstaltung gleichermaßen für erfahrene Brettspielfans, neugierige Einsteiger und Familien mit Kindern.

Auch abseits der Spielothek gab es viel zu entdecken. Große Verlage präsentierten ihre Programme, während unabhängige Spieleautoren eigene Ideen und Prototypen vorstellten. Gerade an diesen kleineren Tischen entstanden oft besonders interessante Gespräche, da die Menschen hinter den Spielen selbst erklärten, wie ihre Projekte entstanden sind und woran sie noch arbeiten.

Positiv fiel außerdem auf, dass sich das Spielefest trotz zahlreicher Verkaufsstände nicht wie eine reine Einkaufsmesse anfühlte. Natürlich konnten Spiele, Erweiterungen, Zubehör und Merchandising direkt mitgenommen werden. Im Mittelpunkt standen aber weiterhin das Ausprobieren, das gemeinsame Spielen und der persönliche Austausch.

Sammelkarten und Miniaturen erobern das Untergeschoss

Deutlich gewachsen war der Bereich für Trading Card Games. Auf rund 3.000 Quadratmetern wurde gespielt, gehandelt und gesammelt. Turniere und Nebenveranstaltungen deckten unter anderem Magic The Gathering, Disney Lorcana, Riftbound, Sorcery und One Piece ab. Neben erfahrenen Turnierspielern fanden auch Neulinge Möglichkeiten, sich mit den verschiedenen Systemen vertraut zu machen oder einfach eine lockere Partie zu spielen.

Die Größe dieses Bereichs zeigte, welchen Stellenwert Sammelkartenspiele inzwischen erreicht haben. Es ging längst nicht mehr nur um einige Verkaufstische am Rand der Messe. Die Turniere zogen teils mehrere Hundert Teilnehmer an, während Händler, Sammler und Spieler für eine eigene lebendige Atmosphäre sorgten.

Ähnlich eindrucksvoll präsentierte sich der Tabletop-Bereich. Beim Summer Tabletop Major traten mehr als 250 Spieler in unterschiedlichen Systemen gegeneinander an. Gespielt wurden unter anderem Warhammer 40.000, Age of Sigmar, Blood Bowl, Shroudfall und das Middle-earth Strategy Battle Game. Die langen Tischreihen mit aufwendig gestalteten Landschaften und bemalten Armeen waren auch für Besucher sehenswert, die mit den Regeln der einzelnen Spiele bisher wenig anfangen konnten.

Demo-Tische und eine öffentliche Painting Area senkten zugleich die Einstiegshürde. Dort konnten Interessierte Miniaturenspiele kennenlernen oder sich zeigen lassen, wie aus einer grauen Kunststofffigur mit Farbe, Geduld und der richtigen Technik ein kleines Kunstwerk entsteht.

Volle Ränge auf der großen Bühne

Während beim Spielefest meist Konzentration und gemeinsame Entscheidungen dominierten, sorgte die Mainstage des Esports Festivals für deutlich lautere Momente. Das Bühnenprogramm begann bereits mit einem Speedrun von Super Mario 64 und bot an beiden Tagen eine Mischung aus Wettkämpfen, Shows, Community-Programmen und Cosplay.

Das sportliche Highlight war die erste Begegnung der offiziellen League-of-Legends-Nationalteams aus Österreich und Deutschland. Deutschland entschied das Freundschaftsspiel mit 2 zu 0 für sich. Für beide Teams diente die Partie zugleich als Vorbereitung auf den Esports Nations Cup, der im November 2026 ausgetragen wird. Das Ergebnis fiel aus österreichischer Sicht zwar ernüchternd aus, die Premiere zeigte aber, welches Potenzial in einem regelmäßigen Ländervergleich steckt.

Für einen ebenfalls gut gefüllten Saal sorgte das Aufeinandertreffen von Eintracht Spandau und G2 Nord. Eintracht Spandau setzte sich am Ende durch und bestätigte damit seinen Ruf als eines der bekanntesten deutschsprachigen League-of-Legends-Teams. Ergänzt wurde das sportliche Programm unter anderem durch die TFT-DACH-Meisterschaft, das Finale eines Tekken-8-Turniers und die Festival-eWM.

Auch Fortnite spielte eine wichtige Rolle. Besucher konnten eine Spielrunde mit dem amtierenden Weltmeister vic0 verfolgen und erhielten am Stand von Red Bull Reshuffle einen Vorgeschmack auf das kommende Fortnite-Event im Austria Center. Dazu kamen zahlreiche Community-Turniere, bei denen nicht nur Profis, sondern auch das Publikum selbst antreten konnte.

Damit vermied das Esports Festival einen Fehler vieler vergleichbarer Veranstaltungen. Gaming fand nicht ausschließlich auf einer weit entfernten Bühne statt. Zahlreiche frei zugängliche Spielstationen, Retro-Konsolen, Arcade-Automaten und kleinere Wettbewerbe machten die Besucher selbst zu einem aktiven Teil des Wochenendes.

Heimische Spiele bekommen eine große Bühne

Besonders wichtig für die österreichische Games-Branche war der gemeinsame Auftritt unter dem Titel Games from Austria. Auf mehr als 1.000 Quadratmetern präsentierten sich rund 50 Aussteller aus unterschiedlichen Bereichen der heimischen Spieleentwicklung.

Ein zentraler Bestandteil war die vergrößerte FM4 Indie Area. Dort konnten 31 Spiele aus Österreich und der näheren Umgebung ausprobiert werden. Das Angebot reichte von bereits veröffentlichten Titeln über spielbare Demos bis zu frühen Prototypen. Die Entwickler waren größtenteils selbst anwesend, beantworteten Fragen und konnten unmittelbare Rückmeldungen zu ihren Projekten sammeln.

Gerade diese direkte Begegnung gehört zu den wertvollsten Teilen eines solchen Festivals. Kleine Studios verfügen selten über große Marketingbudgets oder auffällige Messestände. Hier konnten sie ihre Spiele dennoch einem breiten Publikum vorstellen und beobachten, wie Menschen ohne lange Vorbereitung darauf reagieren.

Der Game Dev Campus ergänzte diesen Bereich um den Blick auf Ausbildung und Berufseinstieg. Universitäten, Fachhochschulen und Ausbildungsstätten informierten über Studiengänge rund um Programmierung, Game Design, Grafik, Animation, interaktive Medien und Games Business. Damit zeigte das Festival nicht nur fertige Spiele, sondern auch mögliche Wege, selbst Teil der Branche zu werden.

Mehr als Gaming und Brettspiele

Das übrige Programm machte deutlich, dass sich das Festival längst zu einem breiten Popkultur-Treffen entwickelt hat. Im Cosplay Village konnten Besucher aufwendig gefertigte Kostüme und Requisiten bestaunen. Bei den täglichen Catwalks wurden zahlreiche Kreationen auf der großen Bühne präsentiert, während Prop Maker und Kostümdesigner Einblicke in ihre Arbeit gaben.

In der Artist Alley boten Kunstschaffende Drucke, Figuren, Schmuck und selbst gefertigte Produkte an. Workshops luden dazu ein, nicht nur zuzusehen, sondern selbst kreativ zu werden. Ergänzt wurde das Angebot durch Lasertag, Virtual-Reality-Sportspiele, Hüpfburgen und eigene Spielmöglichkeiten für jüngere Kinder.

Auch der LEGO- und Modellbaubereich passte gut in dieses Konzept. Eigenentwickelte Gebäude, Landschaften, Eisenbahnen, Mosaike und eine große Kugelbahn zeigten, wie fließend die Grenzen zwischen Spielzeug, Hobby und Kunsthandwerk sein können.

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte die Live-Enthüllung des Schauplatzes der nächsten Staffel des österreichischen YouTube-Formats Manhunt. Vor Publikum wurde bekannt gegeben, dass die kommende Staffel in Saigon in Vietnam spielen wird. Der Programmpunkt füllte die Bühne und zeigte zugleich, wie stark Online-Unterhaltung inzwischen mit klassischen Live-Veranstaltungen verbunden ist. Das Food Festival vor dem Austria Center bot währenddessen die notwendige Gelegenheit für eine Pause. Besonders bei einem Programm, das sich über viele Stunden und mehrere Ebenen erstreckte, war der Außenbereich eine willkommene Ergänzung.

Eventbericht teilen