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Vienna Comic Con 2015 - Nachbericht

Messe Wien game von YouGame Redaktion ca. 7 Min. Lesezeit
Vienna Comic Con 2015 - Nachbericht

Am 21. und 22. November 2015 fand in der Messe Wien erstmals die Vienna Comic Con statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von Reed Exhibitions Messe Wien in Zusammenarbeit mit ReedPOP, dem Unternehmen hinter Formaten wie der New York Comic Con und den PAX Video Game Shows. Für Wien war das mehr als nur eine weitere Convention. Die erste VIECC sollte zeigen, ob eine professionell aufgezogene Popkulturmesse in Österreich funktionieren kann. Nach zwei intensiven Messetagen lässt sich sagen, dass dieser Versuch geglückt ist.

In den Jahren davor waren in Österreich zahlreiche Conventions entstanden, viele davon mit viel Herzblut, aber oft auch mit sichtbar begrenzten Mitteln und organisatorischen Schwächen. Gerade in Wien wirkten manche Veranstaltungen eher wie größere Fanevents als wie professionell geplante Messen. Das muss nichts Schlechtes sein, doch der Unterschied zur Vienna Comic Con war von Beginn an spürbar. Hier wurde nicht improvisiert, hier wurde ein Format mit internationalem Anspruch nach Wien gebracht.

Schon im Vorfeld gelang es der Messe, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die Tickets für den Samstag waren früh ausverkauft, und am Ende kamen mehr als 17.000 Besucher:innen zur ersten Ausgabe. Bereits von außen war die Messehalle mit großflächiger Jessica Jones-Werbung sichtbar gebrandet. Das sorgte für jenen ersten Eindruck, der bei einer Comic Con nicht unterschätzt werden darf. Noch bevor man die Halle betrat, war klar, dass diese Veranstaltung größer gedacht war als vieles, was Wien bis dahin in diesem Bereich gesehen hatte.

Der wichtigste Pluspunkt war die Organisation. Die Wege funktionierten, das Personal war freundlich und hilfsbereit, die Hallen wirkten sauber, und größere Engstellen blieben weitgehend aus. Auch bei beliebten Programmpunkten und Attraktionen entstand selten das Gefühl, dass der Besucher:innenstrom außer Kontrolle geriet. Durch Lautsprecherdurchsagen blieb man über kommende Programmpunkte informiert, ohne ständig den Zeitplan studieren zu müssen. Für eine Premiere war das bemerkenswert souverän.

Auch die Pressebetreuung hinterließ einen starken Eindruck. Interviews mit Stargästen wurden professionell organisiert, Ansprechpersonen waren greifbar, und der Umgang war freundlich und zuvorkommend. Gerade bei einer neuen Messe ist das nicht selbstverständlich. Wenn ein Format wachsen will, braucht es nicht nur Besucher:innen, Aussteller und Stargäste, sondern auch Abläufe, auf die sich Medien verlassen können. In diesem Punkt wirkte die VIECC bereits erstaunlich eingespielt.

Ein echtes Highlight war das Artist Valley. Dort konnte man Comic-Künstler:innen über die Schulter schauen, Zeichnungen signieren lassen, kleinere Arbeiten entdecken und direkt mit Kreativen ins Gespräch kommen. Neben bekannten Namen bekamen auch Nachwuchskünstler:innen eine Bühne, was für die Entwicklung einer lebendigen Comicszene wichtig ist. Der Bereich lud zum Stöbern ein und wirkte nicht wie ein reiner Durchgangsbereich, sondern wie ein eigenständiger Teil der Messe.

Besonders positiv fiel die räumliche Gestaltung auf. Die Wege zwischen den Tischreihen waren breit genug, damit Besucher:innen stehen bleiben, zeichnenden Künstler:innen zusehen oder Ausstellungsstücke betrachten konnten, ohne den gesamten Bereich zu blockieren. Das klingt nach einem kleinen Detail, macht aber auf einer vollen Messe einen großen Unterschied. Gerade das Artist Valley lebt von Nähe, Gesprächen und spontanen Entdeckungen. Dafür braucht es Platz.

Auch Shopping spielte erwartungsgemäß eine große Rolle. In der Halle gab es zahlreiche Verkaufsstände, die grundsätzlich gut verteilt waren. Einige Aussteller nutzten ihre Flächen nicht nur zum Verkaufen, sondern boten zusätzlich kleinere Programmpunkte oder Präsentationen. Gerade Stände von großen Händlern wie Libro oder Media Markt wirkten dadurch lebendiger als reine Verkaufsflächen.

Nicht überall war die Umsetzung gelungen. An manchen Stellen war die Musik an den Ständen deutlich zu laut. Wenn Besucher:innen gleichzeitig von mehreren Seiten mit unterschiedlichen Songs beschallt werden, geht schnell jede Gesprächsatmosphäre verloren. Eine Comic Con darf laut, bunt und energiegeladen sein, aber auch hier braucht es Maß und Abstimmung. Musik am Stand ist kein Problem, solange sie nicht andere Programmpunkte oder Verkaufsgespräche überdeckt.

Bei der Händlerauswahl blieb ebenfalls Luft nach oben. Zwar gab es mehrere Stände mit Manga-Angebot, doch eine wirklich große Auswahl an US-Comics war kaum vertreten. Für eine erste Ausgabe ist das verständlich, denn manche Händler:innen werden den Erfolg zunächst abgewartet haben. Gerade nach dieser Premiere dürfte es in Zukunft leichter werden, weitere Aussteller zu gewinnen und das Angebot breiter aufzustellen.

Bei den großen Ständen gab es deutliche Höhepunkte. Ubisoft brachte einen der auffälligsten Auftritte mit. Der Leap-of-Faith-Sprungturm und das Diorama zu Assassin’s Creed Syndicate waren starke Fotomotive. Dazu kamen Rick Boer und Dominique Esmeralda Sallé als Jacob und Evie Frye, mit denen sich Besucher:innen fotografieren lassen konnten. Nintendo wiederum setzte auf einen liebevoll gestalteten Stand, an dem kommende Titel ausprobiert werden konnten. Sky Österreich sorgte mit einem der originalen Eisernen Throne aus Game of Thrones für einen weiteren Publikumsmagneten.

Daneben gab es aber auch Stände, die weniger überzeugten. Manche Auftritte wirkten lieblos oder hatten nur einen sehr losen Bezug zur Comic- und Popkulturwelt. Besonders bei einer neuen Messe, die sich ein klares Profil erarbeiten will, ist Standqualität entscheidend. Eine Comic Con lebt nicht nur von vermieteter Fläche, sondern davon, dass die einzelnen Aussteller zum Gesamtbild beitragen. Positiv herausgestochen ist hier etwa der Auftritt von Wienerland, der eigenständig, passend und erfreulich anders wirkte.

Über die Auswahl der Stargäste wurde im Vorfeld durchaus diskutiert. Für eine erste Ausgabe war das Line-up allerdings stark. Gäste aus Breaking Bad, Game of Thrones und Doctor Who, Comic-Größen und mit LeeAnna Vamp eine international bekannte Cosplayerin ergaben eine Mischung, die für Wien alles andere als selbstverständlich war. Auch kurzfristige Absagen wurden sichtbar bemüht aufgefangen. Für eine Premiere war das ein solides und stellenweise beeindruckendes Zeichen.

Vor Ort wirkten die Gäste freundlich, zugänglich und gut eingebunden. Viele nahmen sich Zeit für Autogramme, Fotos und kurze Begegnungen. Man hatte nicht das Gefühl, dass hier Stars nur durchgeschleust wurden. Gerade für ein österreichisches Publikum, das solche Gäste bislang nur selten in einem professionellen Comic-Con-Rahmen erleben konnte, war das ein wichtiger Teil des Messegefühls.

Die Panels boten ein breites Spektrum. Besucher:innen konnten erfahren, wie Comics übersetzt werden, wie man ein Cosplay plant und baut oder in Gesprächen mit Stargästen mehr über deren Arbeit und Projekte hören. Das Interesse war groß, die Schlangen vor manchen Programmpunkten entsprechend lang. Teilweise war die große Panelbühne für den Andrang sogar zu klein. Das ist bei einer Premiere ein Luxusproblem, aber eines, das man für kommende Ausgaben ernst nehmen sollte.

Schwieriger war die Situation bei der kleineren Bühne. Dort störte stellenweise der Lärm umliegender Verkaufsstände, wodurch es in den hinteren Reihen nicht immer leicht war, den Vorträgen zu folgen. Panels sind aber kein Nebenprogramm, das einfach irgendwo stattfinden kann. Sie brauchen akustisch und räumlich genug Gewicht, wenn sie als inhaltlicher Teil der Messe funktionieren sollen.

Beim Nebenprogramm zeigte sich ein gemischtes Bild. Es gab mehrere Aktivitäten, doch insgesamt hätte die Messe noch mehr Möglichkeiten zur aktiven Teilnahme vertragen. Gerade zwischen Shopping, Panels, Autogrammen und Fotopunkten braucht eine große Popkulturmesse Flächen, an denen Besucher:innen selbst etwas ausprobieren, gestalten oder erleben können. Hier könnten Veranstalter und Aussteller künftig noch stärker zusammenarbeiten.

Ein besonderer Höhepunkt war der Cosplay-Contest. Der Andrang war enorm, die Halle hätte gefühlt mehrfach gefüllt werden können, und die Qualität vieler Kostüme war beeindruckend. Der Sieger im Transformers-Kostüm sorgte für einen der stärksten Momente des Wochenendes und wurde mit Standing Ovations gefeiert. Solche Szenen zeigen, warum Cosplay für eine Comic Con nicht nur dekoratives Beiwerk ist, sondern einer ihrer emotionalen Motoren.

Auch österreichische Projekte bekamen sichtbaren Raum. Die Weltpremiere der Serie Wienerland und der Star-Wars-Fanfilm Regrets of the Past zeigten, wie viel kreative Energie auch in der heimischen Szene steckt. Gerade für solche Produktionen ist eine Messe wie die Vienna Comic Con wichtig, weil sie Aufmerksamkeit, Publikum und im besten Fall neue Unterstützung bringen kann.

Die Stimmung auf der Messe war an beiden Tagen ausgesprochen positiv. Viele Cosplayer:innen waren unterwegs, und der Umgang miteinander wirkte freundlich und offen. Besucher:innen machten Fotos, kamen ins Gespräch und nahmen sich Zeit füreinander. Auch bei Attraktionen wie dem Ubisoft-Sprungturm blieben die Wartezeiten überraschend erträglich, weil die Abläufe im Hintergrund gut funktionierten.

Je länger die Messe dauerte, desto stärker entstand ein gemeinschaftliches Gefühl. Man begegnete denselben Personen mehrfach, sah bekannte Kostüme wieder, kam ins Gespräch und hatte zunehmend den Eindruck, dass hier nicht nur eine Messe besucht, sondern eine Szene zusammengeführt wurde. Das ist vielleicht der wichtigste Erfolg dieser ersten Vienna Comic Con. Sie machte sichtbar, dass es in Wien ein großes Publikum für Comics, Games, Film, Serien, Cosplay und Popkultur gibt und dass dieses Publikum eine professionell organisierte Plattform verdient.

Natürlich war nicht alles perfekt. Die Lautstärke einzelner Stände, die teils noch ausbaufähige Händlerauswahl, die Lage kleinerer Bühnen und das noch etwas dünne Mitmachprogramm sind Punkte, an denen die Messe arbeiten kann. Entscheidend ist aber der Gesamteindruck, und der fiel bei der Premiere sehr positiv aus. Die Vienna Comic Con war die professionellste Popkulturmesse, die Wien bis dahin gesehen hatte.

Mit über 17.000 Besucher:innen, starkem organisatorischem Fundament, einem guten ersten Stargast-Line-up, einem lebendigen Artist Valley und einer sehr positiven Grundstimmung hat die VIECC ihre Feuertaufe bestanden. Platz für Wachstum ist in der Messe Wien vorhanden, das Interesse des Publikums ebenfalls. Wenn die Veranstaltung auf diesen Stärken aufbaut und die kleineren Schwächen konsequent angeht, kann sie sich dauerhaft als einer der wichtigsten Popkulturtermine im deutschsprachigen Raum etablieren. Nach dieser Premiere war klar: Wir sehen uns 2016 wieder.

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Für den Besuch der Vienna Comic Con 2015 wurde eine Presseakkreditierung bereitgestellt.

Fotocredits: Kiki Heindl

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