In der modernen Wohnung sollen immer mehr Geräte miteinander kommunizieren. Ziel ist es, Inhalte flexibler verfügbar zu machen und Nutzer mehr Freiheit zu geben. Auch Sony hat in den vergangenen Jahren versucht, Spieler mehr Möglichkeiten zu bieten. Schon bisher konnten PlayStation-4-Spiele auf ein Tablet oder die PlayStation Vita gestreamt werden. Mit PlayStation TV geht Sony nun einen Schritt weiter und bringt eine kleine Box auf den Markt, mit der Inhalte auf einen weiteren Fernseher im Haushalt übertragen werden sollen. Streit um den Hauptfernseher sollte damit eigentlich der Vergangenheit angehören. Ob das in der Praxis wirklich funktioniert, haben wir in den vergangenen Wochen getestet.
Was sofort für PlayStation TV spricht, ist die Größe. Die Box ist angenehm klein und lässt sich nahezu unauffällig neben jedem Fernseher platzieren. Dennoch sollte man den Standort mit Bedacht wählen, denn das Gerät ist so leicht, dass es schnell verrutschen kann. Auch das verhältnismäßig große Netzteil kann die Box hinter den Fernseher oder das TV-Möbel ziehen, wenn das Kabel ungünstig liegt.
An Anschlüssen bietet PlayStation TV neben dem notwendigen HDMI-Ausgang einen Ethernet-Port, einen USB-Anschluss sowie Slots für PS-Vita-Spiele und Speicherkarten. Der interne Speicher fällt mit einem Gigabyte allerdings sehr knapp aus. Wer mehr als nur die Grundfunktionen nutzen möchte, sollte daher direkt eine Speicherkarte einplanen. Ohne zusätzlichen Speicher kommt man nicht besonders weit.
Die Einrichtung ist in wenigen Schritten erledigt. Nach dem Anschließen kann man sich direkt mit seinem bestehenden PlayStation-Konto anmelden. PS-Vita-Spiele lassen sich sofort auch online nutzen. Wer hingegen gestreamte PS4-Spiele online spielen möchte, benötigt wie gewohnt ein PS-Plus-Abo.
Leider merkt man der kleinen Box schnell ihre technischen Beschränkungen an. Wie schon die PS4 unterstützt auch PlayStation TV keine 5-GHz-WLAN-Netzwerke. Der LAN-Anschluss schafft zudem maximal 100 MBit. Auch bei der Bildausgabe muss man Abstriche machen: 1080p wird nicht unterstützt, maximal sind 720p oder 1080i möglich. Das sieht man dem Bild auch an. Es wirkt teilweise etwas blass und unscharf, bei schnellen Bewegungen treten gelegentlich Schlieren auf. Auch beim Ton ist PlayStation TV eingeschränkt, denn Surround-Sound wird nicht unterstützt. Es gibt lediglich Stereo-Sound. Die Erklärung dafür ist simpel: Im Kern ist PlayStation TV im Grunde eine PlayStation Vita in Box-Form und übernimmt dadurch auch viele ihrer technischen Grenzen.
Als Betriebssystem kommt dieselbe Oberfläche zum Einsatz, die man von der PS Vita kennt. Die Apps werden mit runden Symbolen dargestellt, wirken auf dem Fernseher allerdings etwas unscharf. Was auf der Vita dank Touchscreen und Wischgesten gut funktioniert, fühlt sich auf PlayStation TV umständlicher an. Man muss sich mit dem Controller durch die Apps bewegen und dabei immer erst eine Seite durchscrollen, bevor man zur nächsten gelangt. Das ist nicht unbenutzbar, aber deutlich komplizierter, als es sein müsste.
Ärgerlich ist außerdem, dass sich die Box bestimmte Grundeinstellungen nicht zuverlässig merkt. Wird PlayStation TV vom Strom getrennt, müssen einige Einstellungen beim nächsten Start erneut vorgenommen werden. Das ist unnötig mühsam und passt nicht zu einem Gerät, das eigentlich unkompliziert funktionieren soll.
In der Theorie kann PlayStation TV sowohl mit einem PS3- als auch mit einem PS4-Controller genutzt werden. Beide lassen sich über den USB-Anschluss laden. Maximal vier Controller können gleichzeitig verbunden werden. Beim PS4-Streaming gibt es jedoch Einschränkungen: Hier werden nur zwei Controller unterstützt, und es müssen PS4-Controller sein.
Gestreamt werden können grundsätzlich alle Spiele, die auf der PS4 installiert sind oder als Disc eingelegt wurden. Wird man also aus dem Wohnzimmer verdrängt, kann man im anderen Raum weiterspielen, sofern Remote Play auf der Konsole aktiviert ist. Die Idee ist hervorragend: Die PS4 bleibt im Wohnzimmer, gespielt wird aber dort, wo gerade Platz ist. In der Praxis hängt das Erlebnis jedoch stark von der Netzwerkqualität ab.
Bei hoher Videoqualität sieht das Bild zwar ordentlich aus, bleibt aber sichtbar schwächer als direkt an der PS4. Schaltet man die Qualität auf „normal“, fällt der Unterschied noch deutlicher aus. Das Bild wirkt dann so stark reduziert, dass der Spielspaß spürbar leidet. Bei PS-Vita-Spielen fällt der Qualitätsverlust dagegen kaum ins Gewicht. Hier spielt PlayStation TV seine größte Stärke aus. Kompatible Vita-Titel sehen auf dem Fernseher überraschend gut aus und lassen sich wahlweise aus dem PlayStation Store herunterladen oder über den vorhandenen Spielkarten-Slot starten. Wer zusätzlich seine PS-Vita-Speicherkarte nutzt, kann sogar mit bestehenden Spielständen weiterspielen.
Allerdings sind nicht alle PS-Vita-Spiele kompatibel. Titel, die zwingend Touchscreen- oder Rückseiten-Touchpad-Funktionen verwenden, lassen sich mangels passender Eingabemöglichkeiten nicht oder nur eingeschränkt spielen. Dennoch ist PlayStation TV gerade für Vita-Spieler interessant, die ihre Sammlung auf dem Fernseher erleben möchten.
Die größten Probleme treten beim PS4-Streaming mit zunehmender Distanz auf. Befindet sich PlayStation TV mehrere Meter vom Router und der PS4 entfernt, wird eine Eingabeverzögerung spürbar. Bei manchen Spielen lässt sich damit leben, weil man sich nach kurzer Zeit daran gewöhnt. Bei Spielen, die schnelle Reaktionen verlangen, ist die Verzögerung aber deutlich störender. Besonders Sport- und Rennspiele leiden darunter und können dadurch nahezu unspielbar werden.
Hinzu kommen mögliche Verbindungsprobleme und Bildausfälle, wenn das WLAN-Signal schwächer wird. Die Datenmenge, die beim Streaming übertragen werden muss, ist hoch. Je weiter die Box vom Router entfernt steht, desto anfälliger wird das Erlebnis. Eine Verbesserung erreicht man nur, wenn man die Grafikqualität reduziert – dann sehen die Spiele aber deutlich schlechter aus. Die zuverlässigste Lösung bleibt eine direkte Verbindung per LAN-Kabel zwischen Netzwerk, PS4 und PlayStation TV. In größeren Wohnungen oder Häusern ist das allerdings oft unpraktisch.
Schade ist auch, dass sich PlayStation TV stark auf Spielestreaming beschränkt. Wer gehofft hat, eine DVD oder Blu-ray in die PS4 einzulegen und sie dann in einem anderen Raum über PlayStation TV anzusehen, wird enttäuscht. Auch Streaming-Apps wie Netflix und Co. lassen sich nicht verwenden. Zugriff auf andere Medieninhalte erhält man nur über einen Medienserver im Heimnetzwerk, der über die App „Network Media Player“ angesprochen werden kann. Externe Festplatten, USB-Sticks oder eine direkte Verbindung mit einem PC werden nicht unterstützt.
Fazit
Am stärksten präsentiert sich die Box bei kompatiblen PS-Vita-Spielen, die auf dem Fernseher meist problemlos laufen. Wer PlayStation TV hauptsächlich dafür nutzen möchte, erhält eine interessante Ergänzung. Als Erweiterung der PS4 überzeugt das Gerät dagegen nur eingeschränkt und bleibt insgesamt hinter seinen Möglichkeiten zurück.












