The Mandalorian and Grogu ist im Grunde die denkbar sicherste Art, Star Wars zurück ins Kino zu bringen. Kein neues Held:innenensemble, keine weitere Skywalker-Altlast, kein Größenwahn. Stattdessen ein Duo, das längst funktioniert, eine Welt, die das Publikum kennt, und ein Abenteuer, das sich bewusst kleiner hält, als man es von einem Leinwand-Comeback vielleicht erwarten würde. Genau das macht den Film einerseits sympathisch und andererseits ein wenig enttäuschend.
Inhaltlich knüpft Jon Favreau nicht an ein großes galaktisches Schicksalsdrama an, sondern an die vertraute Abenteuermechanik seiner Serie. Din Djarin arbeitet inzwischen für die Neue Republik und jagt imperiale Überreste. Grogu ist weiterhin an seiner Seite, mal Sidekick, mal emotionaler Anker, mal niedlichstes Verkaufsargument dieser ganzen Marke. Ein Auftrag führt die beiden zu den Hutten, die nur dann mit Informationen über einen gesuchten imperialen Kriegstreiber herausrücken wollen, wenn Mando im Gegenzug Rotta, den Sohn von Jabba, aus einer heiklen Lage befreit. Daraus entwickelt sich eine Reise durch Arena, Unterwelt, Sumpflandschaften und allerlei Begegnungen mit Monstern, Söldnern und zwielichtigen Verbündeten.
Genau hier zeigt sich sehr schnell, was der Film kann und was nicht. Er kann Atmosphäre. Schon die Eröffnungssequenz hat Wucht und ein Gespür für Bildräume, das der Serie nicht immer zur Verfügung stand. Favreau weiß, wie man Mando als gefährliche, fast mythische Figur in Szene setzt, wie man Grogu mit wenigen Gesten zum Publikumsliebling macht und wie sich diese Welt mit Puppen, Animatronics, digitalen Effekten und gebauten Sets greifbar anfühlen kann. Gerade die Haptik vieler Kreaturen und Schauplätze ist ein echter Pluspunkt. Star Wars lebt hier wieder mehr von Oberfläche zum Anfassen als von sterilem LED-Bühnengefühl.
Was dem Film dagegen fehlt, ist erzählerischer Druck. The Mandalorian and Grogu wirkt nicht wie ein eigenständiger Kinofilm, sondern wie mehrere Folgen einer nie gedrehten vierten Staffel, die mit etwas mehr Budget zusammengeschoben wurden. Das ist nicht völlig verkehrt, weil The Mandalorian schon immer dann am besten war, wenn die Serie gar nicht so tat, als müsse sie gleich die ganze Galaxis neu sortieren. Aber im Kino fällt diese episodische Struktur stärker auf. Kaum ist ein Abschnitt abgeschlossen, geht es weiter zur nächsten Station. Vieles fühlt sich nach Zwischenabenteuer an, nach einem Fall der Woche mit etwas mehr Laufzeit, aber ohne die erzählerische Wucht, die man für die große Leinwand eigentlich braucht.
Pedro Pascal profitiert davon nur bedingt. Natürlich funktioniert seine stoische Präsenz weiterhin, und natürlich trägt die Dynamik mit Grogu viele Szenen fast automatisch. Nur entwickelt sich Din Djarin kaum weiter. Er bleibt angenehm, verlässlich, kompetent und ziemlich statisch. Man schaut ihm gern zu, aber am Ende steht er fast genau dort, wo er am Anfang stand. Für eine Serienepisode wäre das kein Drama. Für einen Kinofilm ist es zu wenig.
Interessanterweise ist es ausgerechnet Grogu, der diesmal mehr bekommt als nur niedliche Reaktionsshots und Merchandising-Aura. Favreau nimmt sich in der zweiten Hälfte sichtbar Zeit für ihn und gönnt dem Film ruhige, fast wortlose Passagen, die mehr hängen bleiben als manche Actionsequenz. Da blitzt etwas von jener spielbergschen Magie auf, die Star Wars im besten Fall immer besitzt. Nicht die große Überforderung, sondern Staunen, Wärme und ein Gefühl dafür, dass auch ein kleines Wesen in einem riesigen Universum Gewicht haben kann. Dass Grogu hier tatsächlich als Figur und nicht nur als Accessoire funktioniert, ist vielleicht die angenehmste Überraschung des Films.
Weniger gut kommen viele Nebenfiguren weg. Sigourney Weaver ist eine schöne Besetzung, bekommt aber wenig Material, das über reine Funktion hinausgeht. Rotta the Hutt ist als Idee deutlich interessanter, als man erwarten würde, weil der Film ihn nicht einfach als Witzfigur behandelt. Trotzdem bleibt auch er eher Episode als wirklicher Motor. Der eigentliche Gegenspieler wiederum ist so blass angelegt, dass man ihn fast schon wieder vergessen hat, sobald die nächste Kreatur oder das nächste Setpiece auftaucht. Das ist symptomatisch für den ganzen Film. Ständig passiert etwas, aber erstaunlich wenig davon hinterlässt wirklich Spuren.
Ein echter Gewinn ist dafür Ludwig Göransson. Sein Score ist eine der stärksten Qualitäten des Films, weil er sich eben nicht ehrfürchtig an klassischer Star-Wars-Musik festklammert, sondern eigene Texturen und Rhythmen einbringt. Mal sphärisch, mal treibend, mal fast ungewohnt modern, hält diese Musik vieles zusammen, was das Drehbuch nicht immer aus eigener Kraft trägt. Gerade dadurch bekommt der Film eine Eigenständigkeit, die ihm auf der Erzählebene oft fehlt.
Am Ende ist The Mandalorian and Grogu weder peinlicher Franchise-Verzweiflungsakt noch große Sternenkrieg-Wiedergeburt. Der Film ist zu professionell, zu charmant und handwerklich zu sauber, um wirklich zu scheitern. Aber er ist eben auch zu vorsichtig, zu folgenhaft und zu wenig zwingend, um als großes Kino-Comeback in Erinnerung zu bleiben. Man merkt fast in jeder Szene, dass Lucasfilm hier vor allem auf Bekanntes gesetzt hat. Das macht die Sache konsumierbar, aber eben auch kleiner, als sie sein müsste.
Fazit
Als große Rückkehr von Star Wars ins Kino bleibt der Film aber zu episodisch, zu vorsichtig und letztlich zu folgenlos. Er unterhält, ohne zu langweilen, aber er entfaltet selten jene Größe, die man mit dieser Leinwandmarke verbindet. Unterm Strich ist das ein solides Abenteuer, kein peinlicher Rückschritt, aber eben auch kein Film, der das Franchise neu auflädt.
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