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Kino-Kritik: Zu scharf um wahr zu sein

· ca. 5 Min. Lesezeit · Kino · YouGame Redaktion
Filmbild: Zu scharf um wahr zu sein

Kirk ist ein typischer Durchschnittstyp. Er hat einen Job, ein paar enge Freunde, mit denen er über Gott und die Welt lästern kann, und in der Liebe läuft es eher bescheiden. Statt nach vorne zu schauen, hängt er noch immer an seiner Ex-Freundin Marnie, obwohl diese längst einen neuen Freund hat und sich in seiner Familie fast wohler fühlt als er selbst. Als ihm eines Tages ausgerechnet Molly über den Weg läuft, eine Frau, die für ihn unerreichbar scheint, verändert sich plötzlich alles. Doch wie soll eine solche Geschichte gut ausgehen, wenn weder Freunde noch Familie und am Ende nicht einmal Kirk selbst daran glauben?

Kirk arbeitet als Sicherheitsmann am Flughafen. Eigentlich träumt er davon, irgendwann Pilot zu werden, doch konkrete Schritte in diese Richtung unternimmt er nicht. Er ist freundlich, etwas unsicher und hat sich in einem Leben eingerichtet, das deutlich kleiner wirkt als seine Wünsche. In seiner Freizeit verbringt er viel Zeit mit seinen drei besten Freunden, die zwar ständig über Frauen reden, im Umgang mit ihnen aber selbst nicht gerade als Experten gelten. Kirk fehlt vor allem Selbstvertrauen. Genau deshalb klammert er sich noch immer an Marnie, obwohl sie ihn längst verlassen hat.

Erschwerend kommt hinzu, dass Marnie weiterhin Teil seines Umfelds geblieben ist. Sie versteht sich gut mit Kirks Familie und taucht sogar mit ihrem neuen Freund bei Familienessen auf. Für Kirk ist das entsprechend unangenehm, weil er sich innerlich noch immer Hoffnungen macht. Aus Mangel an Alternativen und aus Angst vor Veränderung redet er sich ein, dass eine Rückkehr zu Marnie vielleicht doch möglich wäre. Der Film zeigt damit recht früh, dass Kirks größtes Problem nicht seine angebliche Durchschnittlichkeit ist, sondern sein eigenes Bild von sich selbst.

Dann begegnet er am Flughafen Molly. Sie ist attraktiv, selbstbewusst, erfolgreich und wirkt auf den ersten Blick wie jemand, der in einer völlig anderen Liga spielt. Als sie bei der Sicherheitskontrolle ihr Handy liegen lässt, passt Kirk darauf auf und sorgt dafür, dass sie es zurückbekommt. Molly ist von seiner freundlichen, unaufdringlichen Art überrascht und bedankt sich mit einem Date. Für Kirk beginnt damit eine Situation, die er kaum fassen kann. Er versteht nicht, warum eine Frau wie Molly ausgerechnet an ihm interessiert sein sollte.

Genau daraus zieht Zu scharf, um wahr zu sein seinen Humor. Der Film erzählt weniger vom klassischen Kennenlernen zweier Menschen als von der Frage, ob eine junge Beziehung überhaupt eine Chance hat, wenn alle Beteiligten sie ständig infrage stellen. Kirks Freunde analysieren die Situation gnadenlos und kommen zum Schluss, dass Molly für ihn schlicht zu attraktiv sei. Auch seine Familie kann kaum glauben, dass diese Beziehung ernst gemeint sein könnte. Und Kirk selbst übernimmt diese Zweifel irgendwann so sehr, dass er sich zunehmend selbst im Weg steht.

Die Komödie lebt stark von dieser Unsicherheit. Molly ist nicht das Problem, sondern Kirks Minderwertigkeitsgefühl. Sie mag ihn gerade deshalb, weil er nicht wie die selbstverliebten Machos auftritt, denen sie sonst begegnet. Er ist nett, ehrlich und unbeholfen, aber nicht berechnend. Kirk wiederum kann kaum akzeptieren, dass genau das für Molly reizvoll sein könnte. Dadurch entstehen viele peinliche, aber auch sympathische Momente, weil der Film seine Hauptfigur nicht als großen Verlierer darstellt, sondern als jemanden, der lernen muss, den eigenen Wert nicht ständig von anderen bestimmen zu lassen.

Die Geschichte rund um das junge Paar ist klassisch aufgebaut, funktioniert aber über ihre Situationskomik. Es geht um Dates, Familienbesuche, die Reaktionen der Freunde, alte Beziehungen und jene kleinen Katastrophen, die entstehen, wenn man unbedingt normal wirken möchte und genau dadurch alles schlimmer macht. Der Film setzt dabei stärker auf Komik als auf große Romantik. Selbst in den romantischen Szenen schleicht sich meist ein peinlicher Moment, ein falscher Satz oder eine absurde Reaktion ein.

Nicht jeder Witz ist neu, und manches wirkt bewusst nach bekannten Romantikkomödien-Mustern gebaut. Die unsicheren Freunde, die peinliche Familie, die Ex-Freundin, die plötzlich wieder Interesse zeigt, und der Hauptcharakter, der nicht begreift, dass er sein Glück gerade selbst sabotiert. Das kennt man. Trotzdem hat der Film genug Charme, weil die Figuren sympathisch bleiben und die Komik meistens aus der Unsicherheit der Charaktere entsteht, nicht nur aus reinen Klamauk-Szenen.

Schade ist, dass der Film seinen Figuren manchmal etwas mehr Tiefe hätte geben können. Molly bleibt stellenweise zu sehr die Traumfrau, die Kirk aus seinem Schneckenhaus holt, statt selbst stärker als Figur mit eigenen Unsicherheiten und Konflikten gezeigt zu werden. Auch Kirks Freunde funktionieren vor allem als Stichwortgeber für derbe Sprüche und Beziehungstheorien. Das ist oft witzig, aber nicht immer besonders fein ausgearbeitet.

Trotzdem funktioniert Zu scharf, um wahr zu sein als lockere Komödie überraschend gut. Gerade das Kennenlernen der Familien, die Reaktionen von Kirks Umfeld und die unbeholfenen Versuche, mit der neuen Situation umzugehen, sorgen für viele gelungene Momente. Der Film ist nicht besonders innovativ, aber er besitzt ein angenehmes Tempo und genug Herz, um über seine vorhersehbare Handlung hinwegzutragen.

Interessant ist auch der Unterschied zwischen deutschem und englischem Titel. She’s Out of My League bringt den Kern der Geschichte deutlich besser auf den Punkt, weil es genau um diese vermeintliche Kluft zwischen Kirk und Molly geht. Der deutsche Titel klingt dagegen stärker nach oberflächlicher Klamotte, obwohl der Film im Kern durchaus sympathischer ist. Er erzählt nicht davon, dass ein Durchschnittsmann einfach nur eine schöne Frau erobert, sondern davon, wie sehr man sich selbst im Weg stehen kann, wenn man glaubt, nicht gut genug zu sein.

Fazit

YouGame Redaktion
YouGame Redaktion
Zu scharf, um wahr zu sein erfindet die romantische Komödie nicht neu, besitzt aber einen eigenen, sympathischen Charme. Die Geschichte ist vorhersehbar, viele Witze folgen bekannten Mustern, und manche Figuren hätten mehr Tiefe vertragen können. Dennoch funktioniert der Film über seine Situationskomik, sein gutes Timing und die angenehme Chemie zwischen Kirk und Molly.

Wer eine leichte Komödie über Unsicherheit, Selbstwert und peinliche Beziehungsmomente sucht, wird gut unterhalten. Der Film zeigt auf charmante Weise, dass Liebe nicht immer an äußeren Kategorien scheitert, sondern oft daran, dass man sich selbst zu wenig zutraut. Kein Meisterwerk, aber eine nette, witzige und durchaus empfehlenswerte Romantikkomödie.

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