Neun Jahre sind vergangen, seit Zoomania zum ersten Mal die große Leinwand eroberte. Neun Jahre, in denen Disneys Tiermetropole zu einem festen Bezugspunkt des modernen Animationskinos geworden ist. Bunt, rasend komisch, voller Einfälle und dabei mit einem überraschend ernsten Kern. Schon der erste Film war nie nur ein Abenteuer über sprechende Tiere, sondern auch eine Geschichte über Vorurteile, Macht und darüber, wie schnell eine Gesellschaft bereit ist, einfache Erzählungen zu akzeptieren. Zoomania 2 kehrt nun in diese Welt zurück, nicht lauter und nicht schriller, sondern erstaunlich klug. Der Film stellt eine unbequeme Frage in den Mittelpunkt. Was passiert, wenn eine Stadt ihre eigene Vergangenheit umschreibt?
Judy Hopps und Nick Wilde sind inzwischen offiziell Partner bei der Polizei von Zoomania. Die ehrgeizige Häsin und der lässige Fuchs kennen einander gut genug, um sich blind zu vertrauen, bleiben aber grundverschieden. Genau diese Reibung bildet erneut das Herz des Films. Ihre Zusammenarbeit steht jedoch von Beginn an unter Beobachtung. Nach einem eigenmächtigen Einsatz werden die beiden aus dem aktiven Dienst gezogen und zu einer unfreiwilligen Partnertherapie verdonnert. Das ist zunächst eine komische Idee, zeigt aber schnell, worum es Zoomania 2 wirklich geht. Zusammenarbeit funktioniert nur, wenn man bereit ist, zuzuhören und die Perspektive des anderen ernst zu nehmen.
Ausgerechnet dort beginnt das neue Problem. Im Trubel eines Einsatzes stößt Judy auf eine Spur, die es in Zoomania eigentlich nicht geben dürfte. Sie führt zu Reptilien, die seit der Gründungszeit der Stadt als verbannt gelten. Offiziell heißt es, eine Schlange habe einst ein Säugetier getötet, weshalb Reptilien aus dem Stadtbild verschwanden. Doch je tiefer Judy und Nick nachforschen, desto deutlicher wird, wie brüchig diese Version der Geschichte ist. Die vermeintliche Utopie bekommt Risse, und plötzlich steht die Frage im Raum, wer eigentlich bestimmt, welche Vergangenheit erinnert wird und welche bewusst verdrängt bleibt.
Der Schlüssel zur Wahrheit ist Gary De’Snake, eine Grubenotter, deren bloßes Auftauchen Panik auslöst. Gary behauptet, seine Familie sei systematisch aus der Geschichte Zoomanias gelöscht worden. Die berühmten Wettermauern, die das Zusammenleben unterschiedlichster Tierarten überhaupt erst ermöglichen, seien nicht von der einflussreichen Luchs-Familie erfunden worden, sondern von einer Reptilienvorfahrin. Für die Mächtigen der Stadt ist dieser Vorwurf gefährlich. Judy und Nick geraten zwischen die Fronten, wollen helfen und werden doch selbst zu Verdächtigen. Bald müssen sie nicht nur vor den eigentlichen Drahtziehern fliehen, sondern auch vor den eigenen Kolleginnen und Kollegen.
Was folgt, ist eine temporeiche Reise durch bekannte und neue Viertel der Stadt. Zoomania 2 führt über verschneite Hänge, durch sumpfige Marktplätze und in verborgene Lebensräume, in denen die Metropole plötzlich ganz anders aussieht. Der Film nutzt diese Schauplätze nicht nur für spektakuläre Verfolgungsjagden, sondern auch für visuelle Nebenbemerkungen, die oft mehr erzählen als ein zusätzlicher Dialog. In jeder Ecke der Leinwand passiert etwas. Kleine Gags, absurde Details und liebevoll animierte Hintergrundfiguren verstärken das Gefühl, dass diese Stadt tatsächlich lebt.
Dabei bleibt Zoomania 2 erstaunlich treffsicher im Humor. Die Gagdichte ist hoch, ohne dass der Film hektisch wirkt. Alte Fanlieblinge wie Faultier Flash kehren für punktgenaue Auftritte zurück, neue Figuren wie die investigative Biber-Podcasterin Nibbles ergänzen das Ensemble sinnvoll. Besonders gelungen ist, wie selbstverständlich der Film Humor und Ernst nebeneinander bestehen lässt. Slapstick, Wortwitz und visuelle Einfälle stehen neben Momenten, in denen Diskriminierung, Ausgrenzung und Geschichtsfälschung klar benannt werden, ohne dass der Film seine Leichtigkeit verliert.
Thematisch geht Zoomania 2 einen Schritt weiter als sein Vorgänger. Ging es damals vor allem um Vorurteile im Hier und Jetzt, rückt nun die Frage nach struktureller Ausgrenzung und der Macht über Erzählungen in den Mittelpunkt. Wer schreibt Geschichte? Wer profitiert davon, wenn bestimmte Gruppen unsichtbar gemacht werden? Und wie bequem ist eine Gesellschaft, die sich selbst für gerecht hält, solange niemand zu genau nachfragt? Der Film bleibt dabei zugänglich, verzichtet auf schwere Belehrung und vertraut darauf, dass sein Publikum die Parallelen zur Gegenwart erkennt.
Getragen wird das alles erneut von der Beziehung zwischen Judy und Nick. Ihre Dialoge sind scharf, ihr Zusammenspiel wirkt vertraut, aber nie festgefahren. Kleine Spannungen, unterschiedliche Weltbilder und leise emotionale Verschiebungen geben dem Film Tiefe, ohne ihn auszubremsen. Zoomania 2 versteht es, Charakterentwicklung in Bewegung zu erzählen. Im Laufen, Streiten, Fliehen und Zusammenraufen. Gerade dadurch wirkt die Fortsetzung nicht wie ein bloßes Wiedersehen, sondern wie eine echte Weiterführung.
Fazit
Am Ende überzeugt Zoomania 2, weil der Film seine Welt ernst nimmt, seine Figuren respektiert und seinem Publikum zutraut, zwischen den Zeilen zu lesen. Das Ergebnis ist witzig, spannend und relevanter, als man es von einem Animationssequel erwarten würde. Eine starke Fortsetzung, die daran erinnert, dass selbst die schönste Stadt nur so gerecht ist wie die Geschichten, die sie über sich selbst erzählt.











