Es gibt Fortsetzungen, die nur größer, lauter und hektischer werden wollen. Und dann gibt es Die Gangster Gang 2, der genau das tut, aber mit so viel Tempo, Stilgefühl und Spaß an der eigenen Übertreibung, dass man dem Film seine Maßlosigkeit kaum übelnehmen kann. Pierre Perifel schickt seine tierische Bande erneut auf die Leinwand und zieht alle Register. Halsbrecherische Verfolgungsjagden, anarchischer Humor, eine neue Gegenspielertruppe und am Ende sogar ein Showdown im Weltall. Das klingt nach Overkill, ist es auch, macht aber erstaunlich viel Spaß.
Die Handlung setzt nach den Ereignissen des ersten Films ein. Mr. Wolf, Mr. Snake, Mr. Shark, Mr. Piranha und Ms. Tarantula wollen ein ehrliches Leben führen, doch die Welt macht ihnen diesen Neuanfang nicht leicht. Niemand will ehemalige Gangster einstellen, die Vergangenheit hängt ihnen wie ein Stigma an. Während Mr. Wolf in Bewerbungsgesprächen verzweifelt versucht, ernst genommen zu werden, rutschen seine Freunde immer tiefer in Frust, Langeweile und alte Denkmuster. Genau in dieser Schwächephase schlägt eine neue Bande zu. Die Bad Girls, angeführt von der Schneeleopardin Kitty Kat und unterstützt von Pigtail sowie der Rabendame Doom, stellen den alten Haudegen eine Falle und zwingen sie, bei einem spektakulären Coup mitzumischen.
Von da an geht es Schlag auf Schlag. Ein Phantomräuber lässt die Gangster Gang wieder als Verdächtige dastehen, Gouverneurin Diane Foxington droht enttarnt zu werden, und am Horizont zeichnet sich ein Diebstahl ab, der jede logische Grenze sprengt. Eine Rakete voller Gold, angetrieben von dem seltenen Metall MacGuffinit, wird zum Ziel eines Plans, der irgendwo zwischen Agentenfilm, Heist-Komödie und Cartoon-Wahnsinn liegt. Schon die Einleitung, ein Coup in Kairo mit Autojagd durch Basare und über Dächer, macht klar, in welchem Tempo der Film unterwegs ist. Kaum hat man sich an die Raserei gewöhnt, geht es weiter zu Wrestling-Events, überkandidelten Partys und schließlich auf eine Raumstation, wo Schwerelosigkeit und Explosionen gleichermaßen regieren.
Visuell schöpft DreamWorks wieder aus dem Vollen. Der Animationsstil bleibt ein Hybrid aus Cartoon-Energie und Comic-Ästhetik, der den Figuren eine enorme Dynamik verleiht. Gerade die Actionszenen sind ein Fest. Abrupte Schnitte wirken wie visuelle Punchlines, wilde Perspektiven treiben das Tempo nach oben, und die Inszenierung spielt munter mit Anspielungen auf Bond, Mission Impossible und klassische Looney-Tunes-Physik. Die Gangster Gang 2 sieht nie nach glattpolierter Standardware aus, sondern nach einem Film, der seine Figuren, Bewegungen und Bildideen bewusst überzeichnet.
Auch beim Humor wird breit aufgefahren. Der Film arbeitet mit cleveren Wortgefechten, Filmzitaten, Slapstick und natürlich mit den unvermeidlichen Furz-Witzen von Mr. Piranha, die im Kino zuverlässig die jüngsten Zuschauer zum Lachen bringen dürften. Nicht jeder Gag sitzt, manches ist bewusst sehr laut und sehr direkt, doch die Trefferquote bleibt hoch genug, um den Film über seine volle Laufzeit lebendig zu halten. Besonders schön ist, dass die Figuren trotz aller Übertreibung weiterhin als Gruppe funktionieren. Ihre Freundschaft, ihre Reibereien und ihre alten Muster geben dem Chaos genug emotionalen Halt.
Ganz rund ist die Geschichte allerdings nicht. Die Erpressungshandlung verliert sich zwischendurch etwas im Getöse, einige Figuren geraten phasenweise aus dem Fokus, und nicht jeder neue Einfall bekommt den Raum, den er verdient hätte. Gerade Ben und Snake wirken zeitweise wie Randnotizen, obwohl der Film eigentlich genug Material hätte, um ihre Konflikte stärker auszuspielen. Die Gangster Gang 2 ist so sehr damit beschäftigt, immer noch eine Stufe höher zu schalten, dass kleinere emotionale Momente manchmal unter die Räder kommen.
Das Ensemble gleicht vieles davon wieder aus. Sam Rockwell gibt Mr. Wolf erneut dieses lässige Ocean’s-Eleven-Flair, das die Figur schon im ersten Teil so sympathisch gemacht hat. Awkwafina sorgt als Ms. Tarantula für den nötigen Biss, Craig Robinsons Mr. Shark bleibt eine herrlich absurde Erscheinung, und Marc Marons Mr. Snake bekommt mit seiner kleinen Romanze einige der besten Szenen. Die neuen Figuren fügen sich gut ein, vor allem Kitty Kat bringt als Gegenspielerin genug Charisma mit, um der alten Bande tatsächlich gefährlich zu werden.
Am Ende bleibt ein Sequel, das nicht subtil sein will und auch nicht so tut, als wäre Logik seine größte Stärke. Die Gangster Gang 2 lebt von Bewegung, Witz, Stil und der Bereitschaft, jede halbwegs plausible Grenze irgendwann einfach zu sprengen. Der Film ist chaotischer und unvernünftiger als sein Vorgänger, aber genau dieser Übermut macht einen großen Teil seines Reizes aus. Wer ein elegantes, fein austariertes Animationsabenteuer erwartet, ist hier falsch. Wer Lust auf ein wildes Heist-Spektakel mit Herz, Tempo und einem Finale hat, das buchstäblich abhebt, kommt auf seine Kosten.
Fazit
Gerade die Mischung aus Heist-Elementen, Agentenfilm-Parodie und klassischem Cartoon-Wahnsinn sorgt dafür, dass der Film selten zur Ruhe kommt und dabei doch nie völlig beliebig wirkt. Die Gangster Gang 2 weiß genau, was er sein will: ein lautes, schnelles und bewusst überdrehtes Abenteuer, das seine Zuschauer mitreißen möchte, statt sie mit erzählerischer Perfektion zu beeindrucken. Dass dabei nicht jeder Gag zündet und manche Plotpunkte etwas konstruiert wirken, fällt im Gesamtbild weniger ins Gewicht, weil der Film seine Stärken konsequent ausspielt.
Unterm Strich ist Die Gangster Gang 2 ein wilder Heist-Spaß für alle, die sich auf cartoonhafte Übertreibung, schnelle Gags und große Setpieces einlassen können. Wer den ersten Teil mochte, bekommt hier mehr von allem – mehr Action, mehr Chaos, mehr visuelle Spielereien. Nicht alles sitzt, aber der Film rast mit so viel Lust, Tempo und Selbstbewusstsein durchs Ziel, dass man seine Macken gerne verzeiht und am Ende vor allem eines mitnimmt: richtig gute Unterhaltung.











