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Kino-Kritik: The Fantastic Four: First Steps

· ca. 4 Min. Lesezeit · Kino · Andreas Zommer
Filmbild: The Fantastic Four: First Steps

Zehn Jahre nach dem letzten, krachend gescheiterten Kinoanlauf kehren die Fantastic Four zurück. Diesmal sollen sie endlich den Platz im MCU bekommen, den Marvels First Family seit Jahren verdient hätte. Fantastic Four: First Steps macht dabei einen klugen Schritt und überspringt die bekannte Ursprungsgeschichte. Statt noch einmal zu erzählen, wie Reed Richards, Sue Storm, Johnny Storm und Ben Grimm zu ihren Kräften kommen, wirft uns der Film direkt in ein retrofuturistisches 60er-Jahre-Universum, in dem die vier längst gefeierte Helden sind. Doch das perfekte Leben der Familie gerät ins Wanken, als ein kosmischer Besucher das Ende der Welt ankündigt.

Auf Earth-828, einer alternativen Realität abseits der bekannten MCU-Hauptwelt, genießen die Fantastic Four den Status von Popstars. Reed Richards und Sue Storm erwarten ihr erstes Kind, Johnny Storm lässt sich als charmanter Draufgänger feiern, und Ben Grimm hat sich mit seiner steinernen Erscheinung arrangiert. Die Kameras sind allgegenwärtig, die Fans euphorisch, die Welt scheint an ihre Helden zu glauben. Dann taucht der Silver Surfer auf und bringt eine Nachricht, die alles verändert. Galactus, ein gottähnlicher Weltenverschlinger, ist auf dem Weg zur Erde. Besonders beunruhigend ist dabei, dass ausgerechnet Sues ungeborenes Kind für ihn von besonderem Interesse zu sein scheint.

Statt auf eine reine Materialschlacht zu setzen, gibt Regisseur Matt Shakman dem Film zunächst ein klares Profil. Die stilisierte 60er-Jahre-Ästhetik verbindet nostalgischen Fortschrittsglauben mit futuristischem Design und hebt First Steps deutlich von vielen generisch wirkenden CGI-Welten der jüngeren MCU-Vergangenheit ab. Die Sets sind detailverliebt, die Farbpalette ist satt und lebendig, und das Produktionsdesign wirkt wie eine liebevolle Verbeugung vor alten Science-Fiction-Magazinen, ohne bloß nostalgische Kulisse zu bleiben. Diese Welt fühlt sich greifbar an, verspielt und zugleich eigenständig genug, um den Fantastic Four endlich einen passenden filmischen Raum zu geben.

Davon profitieren auch die Figuren. Vanessa Kirby verleiht Sue Storm mehr Gewicht, als die Figur in früheren Verfilmungen oft bekommen hat. Sie spielt Sue nicht nur als fürsorgliches Zentrum der Familie, sondern auch als entschlossene, kluge und selbstbewusste Heldin, die nicht hinter Reed verschwinden muss. Pedro Pascal legt Reed Richards als ruhigere, abgeklärtere Version des Supergenies an. Weniger exzentrisch als Tony Stark, weniger laut als viele andere MCU-Figuren, aber mit genug Charisma und innerer Anspannung, um als Kopf der Familie zu funktionieren. Ebon Moss-Bachrach bringt als Ben Grimm Herz, trockenen Humor und eine angenehm melancholische Note in den Film, während Joseph Quinn Johnny Storm als übermütigen, aber nicht bloß leichtsinnigen Draufgänger spielt.

Gerade das Zusammenspiel der vier trägt First Steps über weite Strecken. Der Film versteht, dass die Fantastic Four nicht nur durch ihre Kräfte interessant sind, sondern durch ihre familiäre Dynamik. Es geht um Vertrauen, Verantwortung, Angst vor Verlust und darum, was es bedeutet, als Familie in der Öffentlichkeit zu stehen. Der drohende Weltuntergang bleibt zwar das große äußere Problem, doch der emotionale Kern liegt bei Sue, Reed, Johnny und Ben. Ihre Bereitschaft, füreinander einzustehen, gibt dem Film eine Wärme, die dem MCU zuletzt nicht immer selbstverständlich gelungen ist.

Nicht alles funktioniert dabei gleich gut. Galactus wirkt trotz seiner gewaltigen Erscheinung zu eindimensional und reiht sich damit in eine längere Reihe von MCU-Gegenspielern ein, die mehr Bedrohung als Persönlichkeit besitzen. Der Film inszeniert ihn als kosmische Macht, schafft es aber nur bedingt, daraus eine wirklich faszinierende Figur zu machen. Der Silver Surfer hat deutlich mehr Potenzial für Ambivalenz und Tragik, doch auch hier kratzt das Drehbuch eher an der Oberfläche. Julia Garner bringt Präsenz und Schwere in die Rolle, bekommt aber zu wenig Raum, um den inneren Konflikt vollständig auszuspielen.

Trotzdem gelingt First Steps etwas, das im MCU inzwischen nicht mehr selbstverständlich ist. Der Film steht für weite Strecken auf eigenen Beinen. Er verzichtet weitgehend auf Gastauftritte anderer Marvel-Größen und konzentriert sich auf die Figuren, die im Titel stehen. Das tut ihm gut. Statt die Handlung mit Verweisen und Vorbereitungen auf kommende Großereignisse zu überladen, erzählt Shakman eine klar erkennbare Fantastic-Four-Geschichte über Familie, Opferbereitschaft und Zusammenhalt. Unterstützt wird das von Michael Giacchinos kraftvollem Score, der sowohl die kosmische Größe als auch die persönlicheren Momente des Films wirkungsvoll einfängt.

First Steps ist damit kein perfekter Neustart, aber ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die Retro-Optik gibt dem Film ein eigenes Gesicht, das Ensemble funktioniert, und der emotionale Kern ist stark genug, um manche Schwäche im Antagonistenbereich abzufedern. Vor allem fühlt sich dieser Film nicht wie ein weiterer halbherziger Versuch an, eine bekannte Marke irgendwie ins Kino zu bringen. Er wirkt wie ein bewusst gesetzter Neuanfang, der verstanden hat, warum diese Figuren im Comic so lange funktioniert haben.

Fazit

Andreas Zommer
Andreas Zommer
YouGame Redaktion
Fantastic Four: First Steps ist nicht fehlerfrei, aber der bislang überzeugendste Kinoauftritt von Marvels First Family. Die Mischung aus stilvoller Retro-Optik, starker Ensemble-Dynamik und emotionaler Familiengeschichte bringt frischen Wind ins MCU und gibt den Fantastic Four endlich eine Identität, die über bloße Superheldenroutine hinausgeht.

Der schwache Antagonist und einige ungenutzte erzählerische Möglichkeiten verhindern den ganz großen Wurf. Trotzdem bietet First Steps mehr Herz, Stil und Eigenständigkeit, als man nach den bisherigen Fantastic-Four-Filmen erwarten durfte. Für Fans ist das ein hoffnungsvoller Neustart, für das MCU ein solides Fundament für kommende Auftritte. Wer die Fantastic Four im Kino bereits abgeschrieben hatte, bekommt hier einen guten Grund, ihnen noch einmal eine Chance zu geben.

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