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Kino-Kritik: Jurassic World: Die Wiedergeburt

· ca. 6 Min. Lesezeit · Kino · Universal Pictures · Andreas Zommer
Filmbild: Jurassic World: Die Wiedergeburt

Mit Jurassic World: Die Wiedergeburt kehrt das wohl berühmteste Dinosaurier-Franchise der Filmgeschichte auf die große Leinwand zurück. Universal Pictures versucht sich fünf Jahre nach dem viel kritisierten Vorgänger an einem Soft-Reboot, der vieles neu sortiert, aber wenig wirklich riskiert. Neues Team, neue Figuren, neue Insel, neue Bedrohung. Die Grundformel bleibt jedoch vertraut. Menschen betreten einen Ort, den sie besser hätten meiden sollen, die Natur schlägt zurück, und irgendwann wird aus wissenschaftlicher Neugier wieder ein sehr teures Rennen ums Überleben.

Schon die Entstehungsgeschichte zeigt, wie groß der Wunsch war, die Reihe möglichst schnell wieder auf Kurs zu bringen. Nach dem enttäuschenden Abschluss der letzten Trilogie setzte Universal auf prominente Namen, einen neuen Ansatz und zugleich auf vertraute DNA. Scarlett Johansson, Mahershala Ali, Jonathan Bailey und Rupert Friend führen das neue Ensemble an, Gareth Edwards übernimmt die Regie, und mit David Koepp kehrt ausgerechnet jener Autor zurück, der bereits am Original beteiligt war. Das ist ein deutliches Signal. Die Wiedergeburt soll frischen Wind bringen, aber zugleich wieder näher an jenen Spielberg-Geist rücken, der Jurassic Park bis heute unerreicht macht.

Die Handlung setzt fünf Jahre nach den Ereignissen von Jurassic World: Ein neues Zeitalter ein, verzichtet aber weitgehend auf Vorwissen. Die Menschheit hat sich größtenteils wieder von den Dinosauriern zurückgezogen. Die Tiere überleben nur noch auf wenigen, schwer zugänglichen Inseln rund um den Äquator, während die Welt versucht, zu einer neuen Normalität zurückzufinden. Ein Pharmakonzern sieht darin allerdings keine Mahnung, sondern eine Geschäftschance. Im Blut dreier riesiger Saurier soll ein Wirkstoff stecken, der Menschenleben retten und gleichzeitig enorme Gewinne versprechen könnte. Also wird ein Team aus Söldnern, Wissenschaftlern und Konzernvertretern in ein abgelegenes Dino-Territorium geschickt, das sich erwartungsgemäß bald als tödliche Falle entpuppt.

Dass Jurassic World: Die Wiedergeburt komplett neue Hauptfiguren etabliert, ist zunächst eine sinnvolle Entscheidung. Die alte Trilogie hatte ihre Figuren weitgehend auserzählt, und ein Neustart ohne Ballast wirkt auf dem Papier genau richtig. Wirklich nutzen kann das Drehbuch diesen Ansatz jedoch nur bedingt. Scarlett Johansson spielt Zora Bennett als abgeklärte Spezialistin, Mahershala Ali bringt als Duncan Kincaid Präsenz und Charisma mit, und Jonathan Bailey gibt dem Paläontologen Loomis eine sympathische Mischung aus Fachwissen und nervöser Faszination. Trotzdem bleiben die Figuren über weite Strecken funktional. Die taffe Söldnerin, der moralisch zweifelhafte Konzernmann, der vorsichtige Wissenschaftler und die zufällig gestrandete Familie erfüllen ihre Aufgaben, entwickeln aber kaum eine Eigendynamik, die über die nächste Gefahr hinaus Bestand hätte.

Gerade hier zeigt sich ein Problem, das die Reihe seit Jahren begleitet. Die Dinosaurier sind die eigentlichen Stars, die Menschen oft nur Staffage. Zwar stimmt die Chemie in einzelnen Momenten, besonders zwischen Johansson und Ali, doch echte Nähe entsteht selten. Viele Dialoge dienen vor allem dazu, Informationen zu vermitteln, Risiken zu erklären oder die nächste Station der Handlung vorzubereiten. Humor, Reibung und Charaktertiefe bleiben eher angedeutet. Das ist für ein Abenteuer dieser Art nicht tödlich, verhindert aber, dass Die Wiedergeburt emotional wirklich zupackt.

Optisch macht Gareth Edwards vieles richtig. Wie schon in Rogue One und The Creator setzt er auf echte Drehorte, atmosphärische Landschaften und eine Bildsprache, die wieder mehr Dreck, Nebel, Wasser und Dschungel zulässt. Gerade im Vergleich zu den digital überfrachteten Vorgängern ist das eine angenehme Rückkehr zu handgemachter Wirkung und rauerer Textur. Viele Schauplätze haben wieder Gewicht. Man spürt die Feuchtigkeit des Dschungels, die Enge der Boote, die Weite der Insel und die Bedrohung, die in der Umgebung lauert. Auch die Effekte überzeugen meist, wenngleich einzelne CGI-Momente, vor allem bei Flugsauriern und größeren Hintergründen, nicht ganz auf demselben Niveau liegen.

Am stärksten ist der Film, wenn er sich auf klassisches Abenteuerkino verlässt. Der Mosasaurus als Wasserungeheuer sorgt für echte Spannung, eine klar von Der weiße Hai inspirierte Schlauchbootszene gehört zu den gelungensten Momenten, und auch die großen Begegnungen im letzten Drittel sind solide inszeniert. Edwards versteht Größenverhältnisse, und das ist bei einem Jurassic-Film entscheidend. Wenn Menschen plötzlich wieder klein wirken und die Saurier nicht bloß als digitale Hindernisse, sondern als gewaltige, unberechenbare Lebewesen erscheinen, blitzt jene Faszination auf, die diese Reihe einmal groß gemacht hat.

Leider hält der Film diesen Eindruck nicht konsequent durch. Zu oft wirken Szenen wie Variationen bekannter Jurassic-Momente. Die Herdenbegegnung im Tal, Angriffe im Nebel, panische Fluchten durch enge Räume, Laborgeheimnisse und mutierte Bedrohungen erinnern stark an frühere Teile. Das ist nicht immer schlecht, weil einige dieser Motive schlicht funktionieren. Doch Die Wiedergeburt verlässt sich so stark auf die eigene Vergangenheit, dass der angekündigte Neuanfang eher wie ein Remix wirkt. Der Film kennt die ikonischen Bilder des Franchise sehr genau, findet aber nur selten eigene, die ähnlich lange hängen bleiben.

Auf der Strecke bleibt auch die Faszination für Dinosaurier als Lebewesen. Jurassic Park war so stark, weil er Staunen und Schrecken miteinander verband. Die Wiedergeburt bemüht sich zwar um einzelne Momente der Bewunderung, rutscht aber schnell wieder in Verfolgung, Gefahr und Monsterlogik. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse oder ökologische Fragen werden angerissen, aber kaum vertieft. Klimawandel, Profitgier, der Raubbau an der Natur und die moralische Verantwortung gegenüber erschaffenen Lebewesen sind als Themen vorhanden, bleiben jedoch meist Behauptung. Der Film weiß, dass diese Fragen wichtig wären, nimmt sich aber nicht genug Zeit, sie wirklich auszuspielen.

Damit steckt Jurassic World: Die Wiedergeburt in einer Identitätskrise. Einerseits möchte der Film frischer, konzentrierter und etwas bodenständiger wirken als die letzten Beiträge. Andererseits will er den vertrauten Fanservice nicht loslassen. Immer wieder werden Einstellungen, musikalische Motive und Handlungsmuster aus dem Original aufgerufen, mal als Hommage, mal als Sicherheitsnetz. Das ist für Fans angenehm, aber auch ein Zeichen von Zurückhaltung. Statt den Mut zu haben, das Franchise wirklich neu zu denken, bleibt der Film in respektvoller Nähe zu einem Klassiker, den er nie erreicht.

Trotzdem ist Die Wiedergeburt kein Fehlschlag. Dafür inszeniert Edwards die Saurier zu effektiv, dafür funktioniert das Abenteuergefühl in einzelnen Passagen zu gut, und dafür bietet der Film genug Schauwerte, um als großes Popcornkino zu tragen. Wer einfach wieder Dinosaurier auf der Leinwand sehen möchte, bekommt hier genau das, in einer handwerklich sauberen und stellenweise sehr atmosphärischen Form. Nur der große kreative Befreiungsschlag, den der Titel verspricht, bleibt aus.

Fazit

Andreas Zommer
Andreas Zommer
YouGame Redaktion
Jurassic World: Die Wiedergeburt ist solides Blockbuster-Kino mit starken Schauwerten, schönen Abenteuerbildern und einigen gelungenen Spannungsmomenten. Gareth Edwards gibt der Reihe wieder mehr Atmosphäre und Körperlichkeit, besonders wenn Wasser, Dschungel und Nebel die Bedrohung greifbar machen. Die neuen Darstellerinnen und Darsteller sind gut besetzt, bekommen vom Drehbuch aber zu wenig Tiefe, um wirklich im Gedächtnis zu bleiben.

Am Ende ist Die Wiedergeburt eher ein sicherer Remix als ein echter Neuanfang. Der Film unterhält, zitiert die Stärken der Reihe und liefert verlässliches Dino-Spektakel, traut sich aber kaum, das Franchise wirklich weiterzudenken. Für Fans ist das ein sympathisches Wiedersehen mit alten Reizen. Der Zauber des ersten Jurassic Park bleibt jedoch unerreicht.

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