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Kino-Kritik: From the World of John Wick: Ballerina

· ca. 5 Min. Lesezeit · Kino · Constantin Film · Andreas Zommer
Filmbild: From the World of John Wick: Ballerina

Die John Wick-Reihe ist längst mehr als nur eine Actionserie. Sie steht für durchchoreografierte Gewalt, Neon-Noir-Ästhetik und eine Unterwelt, die nach eigenen, fast religiös wirkenden Regeln funktioniert. Mit From the World of John Wick: Ballerina wagt das Franchise nun den Sprung ins Spin-off und stellt Ana de Armas als neue Hauptfigur ins Zentrum. Zwischen Leichenbergen, eiskalten Racheschwüren und einer Welt, in der jeder Gefallen irgendwann bezahlt werden muss, setzt sie eigene Akzente. Ganz neu ist die Geschichte allerdings nicht. Der Film spielt zwischen Kapitel 3 und 4 und erzählt im Kern erneut von einer Killerfigur, die sich gegen Befehle stellt und einem persönlichen Rachefeldzug folgt.

Eve verliert als Kind ihren Vater bei einem Mordanschlag und wird anschließend von der Ruska Roma zur Auftragskillerin ausgebildet. Jahre später stößt sie während eines Einsatzes auf Hinweise zu den Männern, die für den Tod ihres Vaters verantwortlich sind. Statt sich an Befehle zu halten, folgt sie dieser Spur und löst damit eine Kettenreaktion aus, die sie quer durch Europa führt. Von Prag bis ins verschneite Hallstatt kämpft sich Eve durch eine Unterwelt, in der Regeln nur so lange gelten, wie niemand sie bricht. Ihr Ziel ist eine geheimnisvolle Killergruppe, die sich in den Alpen wie ein bizarrer Geheimbund verschanzt hat. Dass ihr Rachefeldzug nicht unbemerkt bleibt, sorgt schließlich auch dafür, dass John Wick selbst in die Handlung eingreift.

Wer die Action der Wick-Reihe liebt, bekommt auch hier reichlich geboten. Die Kämpfe sind hart, dynamisch, blutig und immer wieder angenehm einfallsreich. Besonders dann, wenn sich der Film von den bekannten Pistolen- und Messerduellen löst, findet Ballerina eigene Momente. Eine Szene mit Flammenwerfern gehört zu den absurdesten und gleichzeitig unterhaltsamsten Einfällen des Films. Auch Schlittschuhe, Feuerwehrschläuche und improvisierte Waffen kommen zum Einsatz, wodurch die Action trotz vertrauter Grundformel genug Variation bekommt. Regisseur Len Wiseman und die nachträgliche Handschrift von Chad Stahelski sorgen dafür, dass die Bilder hochwertig aussehen und die Kamera nah genug an den Figuren bleibt, um die Körperlichkeit der Kämpfe spürbar zu machen.

Ana de Armas überzeugt als Eve vor allem durch ihre physische Präsenz. Der Film inszeniert sie nicht als unbesiegbare Kampfmaschine, sondern als Figur, die oft einstecken muss und ihre Gegner durch Beweglichkeit, Härte und Einfallsreichtum überlebt. Gerade dieser Unterschied zu John Wick tut dem Spin-off gut. Eve wirkt weniger wie eine Legende, die jeder im Raum bereits fürchtet, sondern wie jemand, der sich ihren Platz in dieser Welt erst brutal erkämpfen muss. Das macht die Action glaubwürdig genug, auch wenn der Film natürlich längst in jener überhöhten Wick-Logik spielt, in der Menschen erstaunlich viel aushalten, solange die Choreografie stimmt.

Besonders stark wird Ballerina im Finale, wenn das verschneite Alpendorf zur großen Arena wird. Hallstatt verwandelt sich in eine Bühne für Kugelhagel, Nahkämpfe, Explosionen und Feuer, bis die winterliche Postkartenidylle endgültig im Franchise-Wahnsinn aufgeht. Diese Sequenz ist laut, übertrieben und manchmal fast absurd, aber sie besitzt genau jene Lust an der Eskalation, die John Wick-Fans erwarten. Wenn Flammenwerfer den Schnee zum Schmelzen bringen und die Killerwelt plötzlich wie ein alpiner Albtraum wirkt, findet der Film zumindest visuell zu einer eigenen Identität.

So packend die Action ist, so deutlich bleibt aber auch, dass Ballerina ein Kind seiner Reihe ist. Mit allen Stärken und allen Schwächen. Die Geschichte bleibt rudimentär und folgt einem bekannten Rachemuster, dessen emotionale Tiefe eher behauptet als wirklich ausgespielt wird. Eve fragt sich zwar, ob Töten tatsächlich ihr Schicksal ist, doch diese innere Auseinandersetzung verschwindet meist schnell hinter der nächsten Kampfszene. Der Film deutet psychologische Konflikte an, verlässt sich am Ende aber stärker auf Tempo, Stil und Gewalt als auf echte Charakterentwicklung.

Auch die Nebenfiguren bleiben oft funktionaler Teil des Franchise-Mythos. Gabriel Byrne gibt dem Kanzler eine gewisse Schwere, doch als Gegenspieler bleibt er eher ein Abziehbild als eine wirklich faszinierende Bedrohung. Norman Reedus bringt Präsenz mit, bekommt aber zu wenig Raum, um sich nachhaltig einzuprägen. Anjelica Huston wiederum verleiht der Ruska Roma erneut Autorität und düstere Eleganz, dient aber vor allem dazu, die Verbindung zur bekannten Wick-Welt zu stärken. Das ist atmosphärisch wirkungsvoll, erzählerisch aber nicht immer zwingend.

Der Auftritt von Keanu Reeves ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits sorgt John Wick natürlich sofort für Aufmerksamkeit, und seine Szenen haben das Gewicht einer Figur, die diese Welt längst definiert hat. Andererseits wird dabei auch sichtbar, wie schwer es für ein Spin-off ist, sich aus seinem Schatten zu lösen. Sobald Wick auftaucht, verschiebt sich die Aufmerksamkeit. Ana de Armas hält dagegen, doch der Film traut Eve nicht immer genug Eigenständigkeit zu. Ballerina will eine neue Heldin etablieren, kann sich aber nicht vollständig von der alten Ikone lösen.

Atmosphärisch funktioniert der Film dennoch gut. Die Ballettelemente, Trainingsmontagen, russisch geprägten Noir-Bilder und die stilisierte Killerwelt ergeben ein stimmiges Gesamtbild. Ballerina erweitert das John Wick-Universum nicht radikal, aber er zeigt genug neue Räume, Rituale und Figuren, um nicht wie ein bloßer Anhang zu wirken. Die Welt bleibt detailreich, überhöht und angenehm eigenwillig. Nur inhaltlich wäre deutlich mehr möglich gewesen, wenn der Film seiner Hauptfigur abseits der Kampfszenen mehr Raum gegeben hätte.

Fazit

Andreas Zommer
Andreas Zommer
YouGame Redaktion
From the World of John Wick: Ballerina ist ein handwerklich starker Actionfilm, der das Franchise mit Stil, Härte und viel Schauwert erweitert. Ana de Armas überzeugt als neue Hauptfigur, die Kämpfe sind kreativ inszeniert, und besonders das Finale im verschneiten Alpendorf liefert genau jene überhöhte Eskalation, die Fans der Reihe erwarten.

Inhaltlich bleibt der Film jedoch auf vertrautem Terrain. Die Rachegeschichte ist dünn, viele Nebenfiguren bleiben funktional, und John Wicks Schatten ist größer, als dem Spin-off guttut. Ballerina ist damit kein mutiger Neuanfang, sondern ein solider Franchise-Baustein. Brutal, stylish und unterhaltsam, aber auch weniger eigenständig, als er hätte sein können.

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