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Kino-Kritik: F1 - Der Film

· ca. 5 Min. Lesezeit · Kino · Warner Bros. Pictures · Andreas Zommer
Filmbild: F1 - Der Film

Es gibt Filme, die will man nicht zerreden, sondern erleben. F1 – Der Film gehört genau in diese Kategorie. Hier quietschen die Reifen, das Adrenalin setzt schon vor dem ersten Rennen ein, und Brad Pitt gibt den coolsten alten Haudegen, den das Actionkino seit Jahren gesehen hat. Das ist kein Film für Feingeister, die jede Drehbuchkurve auf Realismus prüfen wollen, sondern für alle, die Kino wieder als Event erleben möchten. Groß, laut, glänzend und mit spürbarer Lust daran, das Publikum direkt in den Rennzirkus zu ziehen.

Es wäre trotzdem zu einfach, F1 – Der Film nur als weiteres Hollywood-Sportdrama mit vorhersehbarem Underdog-Plot abzutun. Natürlich folgt die Geschichte bekannten Mustern, doch Regisseur Joseph Kosinski macht daraus eine Hochglanz-Hommage an den Motorsport und vor allem einen Triumph der Inszenierung. Unterstützt von Apple, Produzent Jerry Bruckheimer und der Formel 1 selbst wurde hier sichtbar kein Aufwand gescheut. Gedreht wurde auf echten Grand-Prix-Strecken, mit umgebauten Rennwagen, authentischer Geräuschkulisse und Kameras, die so nah am Cockpit sitzen, dass man den Asphalt fast spüren kann. F1 – Der Film wirkt in seinen besten Momenten weniger wie ein klassischer Sportfilm als wie ein immersiver Ride, der die Grenze zwischen Fiktion, Motorsport-Dokumentation und Hollywoodspektakel bewusst verwischt.

Im Zentrum steht Sonny Hayes, gespielt von Brad Pitt. In den 90er-Jahren galt er als großes Formel-1-Talent, bis ein schwerer Unfall seine Karriere aus der Bahn warf. Jahrzehnte später fährt er nur noch gelegentlich Rennen, sein Ruhm ist verblasst, sein Leben wirkt wie eine endlose Reihe von Neuanfängen ohne klares Ziel. Dann meldet sich sein früherer Teamkollege Ruben Cervantes, inzwischen Chef des erfolglosen F1-Teams APXGP. Das Team steht mit dem Rücken zur Wand, sportlich wie finanziell, und Ruben setzt alles auf eine letzte, ziemlich verrückte Idee. Sonny soll zurück ins Cockpit, gemeinsam mit Rookie Joshua Pearce, um APXGP vor dem endgültigen Absturz zu retten.

Wer auf eine komplexe, psychologisch vielschichtige Geschichte hofft, wird hier allerdings nicht glücklich. Die Handlung dient vor allem als Rahmen für das visuelle und akustische Rennspektakel. Sonny muss sich gegen das Misstrauen seines jungen Teamkollegen Joshua Pearce behaupten, gespielt von Damson Idris, gegen interne Spannungen, gegen das eigene Alter und gegen einen vorhersehbar aufgebauten Gegner. Die Zutaten sind vertraut: der alte Haudegen, der talentierte Youngster, die skeptische Technikchefin, das angeschlagene Underdog-Team und die großen Namen, gegen die man eigentlich keine Chance hat. Neu ist daran wenig, aber Kosinski inszeniert diese Sportfilm-Bausteine mit so viel Selbstbewusstsein und handwerklicher Präzision, dass man sich die Klischees erstaunlich gerne gefallen lässt.

Entscheidend ist, dass der Film nie zynisch wirkt. F1 – Der Film glaubt an große Gesten, an Starpräsenz, an Rivalitäten, an Comebacks und an den einen perfekten Moment, in dem Mensch und Maschine eins werden. Brad Pitt dominiert die Leinwand mit einer Mischung aus Gelassenheit, Altersmilde und spitzbübischem Lächeln. Selbst wenn das Drehbuch ihm wieder einmal eine sehr vertraute Heldenpose zuschiebt, verkauft Pitt sie mit jener Souveränität, die nur wenige Stars heute noch mitbringen. Sonny Hayes ist keine besonders originelle Figur, aber Pitt macht ihn zu jemandem, dem man gerne zusieht.

Auch das Zusammenspiel im Ensemble funktioniert. Javier Bardem bringt als Ruben Cervantes genau die richtige Mischung aus Verzweiflung, Charme und alter Freundschaft mit. Kerry Condon setzt als Technikchefin einen angenehm trockenen Gegenpol und bekommt einige der besten Dialogwechsel mit Pitt. Gerade diese Momente geben dem Film etwas Lockeres, fast Screwballhaftes, bevor wieder der nächste Motor aufheult. Damson Idris wiederum spielt Joshua Pearce als ehrgeizigen Rookie, der zwischen Selbstbewusstsein und Überforderung schwankt. Die Dynamik zwischen ihm und Sonny ist erwartbar, aber effektiv, weil der Film versteht, dass Rivalität im Sport immer auch von gegenseitigem Respekt lebt.

Technisch ist F1 – Der Film beeindruckend. Kosinski und Kameramann Claudio Miranda holen aus modernen Kinomitteln heraus, was geht. Die IMAX-Bilder geben den Rennstrecken Größe, die Cockpit-Kameras erzeugen Nähe, und die Soundmischung lässt Motoren, Reifen und Bremsen mit einer Wucht durch den Saal gehen, die man nicht nebenbei konsumiert. Dazu kommt ein Score von Hans Zimmer, der die Rennen antreibt, ohne sie komplett zuzukleistern. Die Rennszenen sind schnell, laut und oft atemberaubend, bleiben aber erstaunlich übersichtlich. Man versteht, wo sich die Wagen befinden, wer Druck macht und wann ein Manöver wirklich riskant wird.

Natürlich ist vieles überhöht. Manche Entwicklungen wirken eher nach Sportmärchen als nach realistischer Formel-1-Logik, und die Produktplatzierungen springen einem stellenweise regelrecht ins Gesicht. Der Film ist auch eine glänzende Werbefläche für den Rennzirkus, daran gibt es wenig zu beschönigen. Doch gerade weil F1 – Der Film so offen auf Erlebnis setzt, fällt das weniger störend ins Gewicht, als es eigentlich müsste. Kosinski verkauft die Formel 1 als Mythos, als gefährliche Bühne, als letzte Arena für Männer, die noch einmal beweisen wollen, dass sie nicht zum alten Eisen gehören. Das ist hanebüchen, aber es funktioniert.

Die Cameos echter Formel-1-Größen, von Lewis Hamilton über Max Verstappen bis zu Toto Wolff, verstärken den Authentizitätseindruck, ohne die Handlung komplett zu übernehmen. Für Fans sind diese Auftritte kleine Verbeugungen, für alle anderen bleiben sie atmosphärisches Beiwerk. Dass der Film in Ton und Aufbau immer wieder an Days of Thunder, Rush und Top Gun: Maverick erinnert, ist offensichtlich. Jerry Bruckheimer weiß eben, wie man klassische Blockbuster-Mechanik mit moderner Technik verbindet. F1 – Der Film ist kein origineller Entwurf, aber ein sehr bewusst gebautes Eventkino, das seine Vorbilder kennt und sie mit maximalem Glanz aufpoliert.

Seine Schwächen liegen dort, wo der Film abseits der Rennstrecke mehr Tiefe behauptet, als er tatsächlich liefert. Figurenkonflikte lösen sich oft erwartbar auf, manche Nebenrollen bleiben reine Funktionsträger, und die emotionale Kurve ist so sauber berechnet wie eine Ideallinie. Doch sobald die Motoren starten, treten diese Schwächen in den Hintergrund. Dann zählt nicht mehr, ob jede Wendung überrascht, sondern ob der Film Tempo, Druck und Begeisterung vermittelt. Und genau das gelingt ihm über weite Strecken hervorragend.

Fazit

Andreas Zommer
Andreas Zommer
YouGame Redaktion
F1 – Der Film ist großes, lautes und technisch beeindruckendes Eventkino, das seine vertraute Sportfilm-Formel mit enormer Energie auf die Strecke bringt. Wer feine Charakterzeichnung oder erzählerische Überraschungen erwartet, ist hier falsch. Wer aber Lust auf rasante Rennszenen, starke Kinobilder und Brad Pitt in bester Starvehikel-Form hat, bekommt einen Sommer-Blockbuster alter Schule.

Trotz Drehbuchschwächen, offensichtlicher Produktplatzierung und reichlich Pathos macht der Film genau das, was er soll. Er reißt mit, sieht fantastisch aus und vermittelt für gut zwei Stunden das Gefühl, mitten im Formel-1-Zirkus zu sitzen. Für Motorsportfans ist das ohnehin Pflicht, für alle anderen ein erstaunlich unterhaltsamer Ausflug ins Reich des eskapistischen Kinos.

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