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Kino-Kritik: The Accountant 2

· ca. 5 Min. Lesezeit · Kino · Warner Bros. Pictures · Andreas Zommer
Filmbild: The Accountant 2

Kaum zu glauben: Ausgerechnet The Accountant 2, die verspätete Fortsetzung eines soliden, aber nicht weltbewegenden Actionthrillers, gelingt ein kleiner Überraschungscoup. Statt den ersten Teil nur härter, düsterer und größer zu kopieren, findet das Sequel einen eigenen Ton. Der Film mischt trockenen Humor, ordentlich inszenierte Action und einen erstaunlich gut funktionierenden Bruderkonflikt zu einem Unterhaltungsstück, das erzählerisch zwar kaum Neuland betritt, aber deutlich mehr Spaß macht, als man erwarten durfte.

Im Zentrum steht erneut Christian Wolff, gespielt von Ben Affleck. Der geniale Buchhalter mit Hang zu Präzision, Ordnung und sozialer Überforderung lebt weiterhin nach eigenen Regeln. Sein Verhalten sorgt auch diesmal für einige der schrägsten Momente des Films, etwa wenn er beim Speed-Dating versucht, mit Steuerrechts-Anekdoten zu punkten und damit eine Bewerberin nach der anderen in die Flucht schlägt. Schon in diesen frühen Szenen wird deutlich, dass The Accountant 2 sich selbst weniger ernst nimmt als der Vorgänger. Der Film bleibt Actionthriller, erlaubt sich aber deutlich mehr Buddy-Komödie und Selbstironie.

Acht Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils taucht Christian Wolff wieder aus dem Untergrund auf. Nach dem Mord an seinem alten Weggefährten Ray King bittet die Ermittlerin Marybeth Medina den Accountant um Hilfe. Es geht um eine in die USA geflüchtete Familie, die in die Fänge eines Menschenhändlerrings geraten ist, und um ein Netzwerk, das größer und gefährlicher ist, als es zunächst scheint. Christian erkennt schnell, dass er den Fall nicht allein lösen kann, und holt seinen extrovertierten Bruder Braxton mit ins Boot. Gemeinsam machen sich die beiden daran, mit analytischem Verstand, jeder Menge Fäusten und einigen sehr unkonventionellen Methoden für Gerechtigkeit zu sorgen.

Der eigentliche Reiz des Films liegt weniger im Fall selbst als im Zusammenspiel von Ben Affleck und Jon Bernthal. Die Chemie zwischen den ungleichen Brüdern ist der klare Motor des Sequels. Christian bleibt introvertiert, sachlich und oft unfreiwillig komisch, während Braxton als charismatischer Haudrauf mit großem Mundwerk und noch größerem Gewaltpotenzial durch die Handlung wirbelt. Ihre Dialoge gehören zu den besten Momenten des Films, weil der Humor nicht aufgesetzt wirkt, sondern direkt aus der Figurenkonstellation entsteht. Man sieht den beiden gerne dabei zu, wie sie streiten, sich anstacheln, einander provozieren und trotzdem nie ganz voneinander loskommen.

Die Handlung rund um Menschenhandel, verschwundene Familien und den Hinweis, den Accountant zu finden, bleibt trotz ihres ernsten Hintergrunds eher Mittel zum Zweck. Sie dient vor allem als Bühne, um Christian und Braxton gemeinsam auf die Jagd zu schicken. Das ist nicht besonders originell, funktioniert aber, weil der Film seine Prioritäten kennt. The Accountant 2 will kein komplexer Krimi sein, sondern ein temporeicher Actionthriller mit Figuren, die genug Eigenheiten besitzen, um auch zwischen den Schusswechseln interessant zu bleiben.

Regisseur Gavin O’Connor findet dabei eine überraschend angenehme Balance. Der Film wechselt zwischen Action, trockenem Humor und ernsteren Momenten, ohne zu sentimental oder moralinsauer zu werden. Besonders die Dynamik zwischen Medina und den Brüdern bleibt interessant. Sie steht zwischen Gesetz und Effizienz, zwischen dem Wunsch nach sauberer Ermittlung und der Versuchung, zwei äußerst gefährlichen Männern einfach freie Hand zu lassen. Cynthia Addai-Robinson bekommt diesmal nicht immer genug Raum, um Medina wirklich stark zu profilieren, bleibt aber ein sinnvoller Gegenpol zum Chaos der Wolff-Brüder.

Action gibt es reichlich. O’Connor inszeniert die Kämpfe hart, übersichtlich und mit genug Wucht, ohne sie unnötig auszuschlachten. Der Bodycount steigt zuverlässig, die Gewalt bleibt spürbar, wird aber immer wieder von einem ironischen Unterton abgefedert. The Accountant 2 bewegt sich damit irgendwo zwischen klassischer Selbstjustiz-Action, Buddy-Movie und leicht überzeichneter Comic-Logik. Wer an Filmen wie John Wick oder The Equalizer Freude hat, wird sich hier schnell zurechtfinden, auch wenn das Sequel deren Stil nicht neu erfindet.

Interessant ist die popkulturelle Selbstironie des Films. The Accountant 2 weiß, wie schmal der Grat zwischen hartem Actionkino, überhöhtem Ballerfilm und Bruderkitsch ist, und nimmt sich deshalb nie zu wichtig. Überdrehte Schurken, absurde Details und kleine Seitenhiebe auf amerikanische Selbstjustiz-Mythen sorgen dafür, dass der Film nicht in stumpfer Ernsthaftigkeit versinkt. Immer wieder ist es das Duo Affleck und Bernthal, das selbst die konstruiertesten Szenen zusammenhält und ihnen mehr Charme gibt, als das Drehbuch allein hergeben würde.

Trotz der lockeren Gangart streift der Film ernstere Themen wie Flucht, Menschenhandel und systemische Gewalt. Wirklich tief geht das nicht, aber es wird auch nicht völlig achtlos als bloße Kulisse benutzt. Gerade dieser ernste Kern verleiht dem ansonsten launigen Ton gelegentlich Gewicht. The Accountant 2 verpackt schwere Themen in temporeiche Popcorn-Action und gewinnt durch seine Figuren mehr Wirkung, als man bei der Ausgangslage erwarten würde.

Ganz frei von Schwächen ist der Film aber nicht. Die Geschichte bleibt konstruiert, die Bösewichte sind eher Karikaturen als echte Figuren, und manche Entwicklungen laufen sehr bequem in die gewünschte Richtung. Wer auf anspruchsvolle Krimi-Logik oder emotionale Tiefe hofft, wird hier wenig finden. The Accountant 2 lebt nicht von Überraschungen, sondern von Tempo, Timing und der Freude daran, zwei sehr unterschiedliche Brüder gemeinsam durch ein gefährliches Netz aus Gewalt und Korruption zu schicken.

Fazit

Andreas Zommer
Andreas Zommer
YouGame Redaktion
The Accountant 2 macht vieles richtig, was ein gutes Sequel leisten sollte. Der Film greift die Stärken des Originals auf, lockert den Ton, rückt die Bruder-Dynamik stärker in den Mittelpunkt und wird dadurch deutlich unterhaltsamer. Die Handlung bleibt zwar konstruiert und die Gegenspieler sind nicht besonders vielschichtig, doch das Zusammenspiel von Ben Affleck und Jon Bernthal hebt den Film klar über den Durchschnitt.

Wer komplexe Krimi-Logik oder tiefgehendes Drama erwartet, ist hier falsch. Wer aber Lust auf einen launigen, gut gespielten Actionthriller mit trockenem Humor, harten Fights und einem starken Buddy-Movie-Kern hat, bekommt genau das. The Accountant 2 ist kein großer Genre-Wurf, aber ein überraschend spaßiges Sequel und einer der unterhaltsameren Actionfilme des bisherigen Kinojahres.

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